Mehr Aussteller, weniger Besucher 08.02.2019, 09:58 Uhr

Das war die ISPO 2019

Es war die größte ISPO aller Zeiten – von Industrieseite. Trotzdem wurde sie kleiner, was die Zahl der Fachbesucher angeht. E-Sports bekam erstmals Sichtbarkeit.
Rund 80.000 Fachbesucher bevölkerten die Hallen der Messe München während der ISPO.
(Quelle: Messe München )
Mit 2.942 Ausstellern (2018: 2.802 Aussteller) aus 56 Ländern registrierte Messechef Klaus Dittrich stolz, dass man von der Erschütterung der Messelandschaft nicht betroffen sei. „Die Zahlen bestätigen den Wert der Veranstaltung“, so Dittrich. Mit 200.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche (2018: 177.600 Quadratmeter Bruttofläche) konnten nunmehr alle 18 Hallen, also zwei Hallen mehr als im Vorjahr, gefüllt werden. Außerdem gab es bei der Sports Week mehr als 170 Events und Aktionen für Endverbraucher in Zusammenarbeit mit Händlern, Fitnesspartnern und Marken. Auf Besucherseite ist die größte Sportartikelmesse der Welt allerdings geschrumpft. Die 80.000 Fachbesucher (2018: 83.606 Besucher, 2017: 86.849 Besucher) aus 120 Ländern standen sich in den weitläufigen Gängen selten im Weg. Die besucherstärksten Länder nach Deutschland waren allen voran Italien, dann Österreich, Frankreich, die Schweiz und Großbritannien. Durch den Schneefall vermissten am ISPO-Sonntag einige Aussteller italienische Händler, da der Brenner zeitweise gesperrt war. Dennoch waren die Hersteller bei den Gesprächen mit der Frequenz und Qualität der Besucher durchaus zufrieden.

E-Sports polarisiert

So blickt Messechef Dittrich resümierend auf ein „erfolgreiches Ergebnis“ zurück: „Die ISPO Munich zeigt, dass es für Sportartikelhersteller und Sportfachhändler zahlreiche ungenutzte Potenziale gibt, die das Wachstum und vor allem die Branche selbst beflügeln können. Erfolgreich etabliert haben wir in diesem Jahr das Thema E-Sports.“ So ähnlich wie die Politik, beim DOSB abgelehnt, im Koalitionsvertrag anerkannt, sieht auch die Branche das nicht unumstrittene Thema E-Sports. Bei Händlern und Herstellern gibt es Befürworter und Kritiker, zumeist lassen sie sich nach Alter in die jeweilige Gruppe einteilen. Die Messe München weiß um den Stellenwert dieser boomenden Industrie bei den Teenagern und widmete ihr deshalb eine eigene E-Sports-Arena mit Vorträgen, Workshops und Showmatches, die auch im eigenen Twitch-Kanal übertragen wurden. Mehr als 300.000 Aufrufe in den drei Tagen zeigen, auf welche Reichweiten E-Sports bei den jüngeren Zielgruppen kommen kann. Auch Intersport investiert und wurde Sponsor des Profi-Teams SK Gaming, um sich im Gegenzug die Lizenz für den Verkauf eines limitierten Team-Trikots zu sichern. SK Gaming-Spieler Gerrit Stukemeier betont: „Virtual Reality wächst rasant. Sollte sich diese Technik im E-Sport etablieren, müssen wir Spieler künftig auch physisch leistungsstark sein.“
Neben Neuheiten und 334 neuen Marken aus den drei Bereichen Wintersport (90 Neuaussteller), Outdoor (57) und Fitness (41) spielten vor allem Nachhaltigkeit, Frauen und Digitalisierung eine wesentliche Rolle auf der ISPO.  Es gab digitale Lösungen, die den Trend zur Individualisierung beschleunigen. Exemplarisch zu nennen wären Microfactorys, Apps fürs Bootfitting (Fischer), der erste anpassbare Kinderskischuh der Welt („Speedmachine“ von Nordica) oder der weltweit erste anpassbare Trailrunning-Schuh („Origin“ von Tecnica). „Bei der Transformation ist die ISPO dem Sportfachhandel voraus“, resümierte so auch Stefan Herzog, der Generalsekretär vom Verband des Deutschen Sportfachhandels (VDS).

Umbruch mit Chancen

Die starken Verschiebungen der Sportartikel-Umsätze hin zum Online-Handel führten zu recht unterschiedlichen Entwicklungen der Handelsverbände Intersport und Sport 2000 und einer starken Konsolidierung auf Industrieseite mit vielen neuen Eigentümern zum Beispiel der Marken Jack Wolfskin, Dachstein, Bach, Lizard, Elan, Joola, Ledlenser, Friedola, Kettler und bald Amer Sports. Herzog sieht diesen Umbruch im Markt mit „durchaus alarmierenden Frequenzrückgängen“ in den Städten und einer Verschiebung der Vertriebskanäle hin zu sportfremden Online-Plattformen wie Amazon und Zalando. Der klassische Sportfachhändler tue sich schwer bei der Digitalisierung, nur 40 Prozent hätten ihr Geschäftsmodell darauf angepasst. „Wir als VDS sehen große Chancen in diesem Wachstumsmarkt. Natürlich haben es die Einkaufsverbände nicht leicht. Alle müssen ihre Hausaufgaben machen. Es geht nicht um einen Online-Shop, es geht darum, Konsumenten an allen Kundenkontaktpunkten zu erreichen, dabei können wir Händler aktiv mit Dienstleistern unterstützen.“  



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