Keine Einigung mit Investor 19.07.2018, 10:17 Uhr

Kettler fährt wieder in die Insolvenz

Der Verkauf des sauerländischen Freizeitartikel- und Fitnessgeräte-Herstellers Kettler (Ense-Parsit) an die luxemburgische Finanzholding Altera Capital gerät ins Stocken. Über 700 Mitarbeiter bangen um ihre Arbeitsplätze.
Muss die Hauptverwaltung in Ense-Parsit bald geschlossen werden?
(Quelle: Kettler )
Nachdem Heinz Kettler, der Firmengründer des einst führenden Herstellers für Sportgeräte, Fahrräder und Gartenmöbel 2005 verstarb und auch die Tochter im vergangenen Jahr bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, spricht derzeit die Heinz-Kettler-Stiftung ein Wort mit bei der Kettler GmbH. An der ist sie zwar nicht beteiligt, aber sie ist Rechtsnachfolgerin. Und sie hat nun anscheinend ihr Veto eingelegt zu einem Kaufvertrag, der bereits im Mai unterschrieben wurde.
Gesellschafter, Betriebsrat und der Finanzierungskreis, zu dem auch das Land Nordrhein-Westfalen mit einem Volumen von rund 30. Mio. Euro dazu gehören soll, haben dem Kaufvertrag zugestimmt, die Stiftung nicht. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO hat letztendlich der Übernahme einen Riegel vorgeschoben, weil noch einige Themen zwischen dem Investor und der Stiftung geklärt werden müssten, heißt in einer Pressemitteilung.
Bereits am 14. Mai 2018 seien die Gesellschaftsanteile der Kettler GmbH in Ense an den Investor Altera Capital verkauft worden. Die Übernahme hätte bis Anfang Juli abgeschlossen sein sollen. „Allein die Heinz-Kettler-Stiftung, die noch zum Jahreswechsel 2018 über ein eigenes Angebot zur Übernahme des Unternehmens nachgedacht hatte, hat sich nicht zur Unterstützung des Angebotes des Investors entschieden“, teilt Kettler mit.
Investor und Stiftung hätten sich aber „in bestimmten Punkten“ nicht einigen können. „Um auf den Einstieg des neuen Gesellschafters nicht länger warten zu müssen, der einen zweistelligen Millionenbetrag zugesagt hat“, habe die Kettler GmbH nun den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt.
„Mit dem Team und den Möglichkeiten von Altera Capital hat Kettler sofort eine unternehmerische und internationale Stärke, die uns eine Vielzahl an Chancen für eine zukunftsorientierte Neuausrichtung bietet. Unsere Kunden und Partner werden dies bereits ab der Herbstsaison begeistert erleben können!“, so Kettler-Geschäftsführer Olaf Bierhoff.„Das Verfahren soll im Herbst abgeschlossen sein, und bereits nach den Sommerferien will die Geschäftsführung die Pläne des Investors der Öffentlichkeit, Kunden und Partnern vorstellen.“ Der Investor hat nach Kettler-Angaben nicht nur Millionen-Investitionen zugesagt, sondern auch, die Mitarbeiter zu übernehmen und die Standorte in Ense und Werl zu erhalten.
Stiftungsvorstand Andreas Sand sagt, der Investor habe den Vertrag zwar unterschrieben, aber zu „stiftungsrechtlich unzumutbaren Bedingungen“. Seit einer Woche herrsche Funkstille. Die aktuelle Entwicklung verantworte nicht die Stiftung. Der Investor sei über die angebotenen, symbolischen 5 Euro für die Übernahme des Unternehmens nicht hinausgegangen.
Dem Kaufvertrag nach soll der Investor Kettlerfür den symbolischen Betrag übernehmen, die Stiftung hingegen soll Sicherheiten in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages stellen. Die mit der Investorensuche beauftragte M&A-Beratung Clearwater International hatte den Unternehmenswert auf 100 Mio. Euro beziffert. Nach Angaben des Betriebsrates wollte der Investor von der Kettlerstiftung auch die Produktionsanlagen überschrieben bekommen. Um der Stiftung Druck zu machen, hat der legendäre Kettcar-Hersteller erneut einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverantwortung gestellt, wie schon 2015. Damals gelang nach dem Abbau von rund 200 Stellen und dem Verkauf der Fahrradsparte ein Neuanfang.
Das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ hatte darüber berichtet, dass gegen die Heinz-Kettler-Stiftung wegen Steuerhinterziehung ermittelt wird, weil Firmengründer Heinz Kettler im Verdacht stehe, zweistellige Millionenerlöse aus Auslandsgeschäften an den deutschen Steuerbehörden vorbei in die Schweiz transferiert zu haben. Die Kettler GmbH betonte aber, dass sich das Unternehmen in einer Treuhandstruktur befinde und unabhängig und selbstständig von der Heinz-Kettler-Stiftung handele. Es bestünden keine gesellschaftsrechtlichen Verbindungen zur Stiftung.



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