Zurück zur Natur 29.04.2020, 11:07 Uhr

Natürliche Fasern setzen sich bei funktioneller Sportbekleidung durch

Inspired by Nature: Der Einsatz von natürlichen Fasern, insbesondere für funktionelle Sportbekleidung, hat sich inzwischen bei vielen Herstellern etabliert. Das beweisen auch die Neuheiten der vielen Stoffhersteller im Rahmen der Performance Days.
(Quelle: Shutterstock / My Good Images )
Ein Beitrag von Astrid Schlüchter
Es zeigt sich immer öfter, dass nachhaltig produzierte Materialien eine echte Alternative zu synthetischen Fasern sein können. Diese bringen nämlich auch ernste Nachteile mit sich: Sie basieren in der Regel auf Erdöl, einem endlichen Rohstoff, dessen Förderung weltweit massive Umweltschäden verursacht. Diese erdölbasierten Kunstfasern sind nicht biologisch abbaubar und daher auch in der Entsorgung problematisch. Ganz zu schweigen von den vielen gesundheitsschädlichen Inhaltstoffen, die beim Tragen zum Beispiel unangenehme Nebenwirkungen bis hin zu lästigen Allergien auslösen können. Die Anzahl echter Alternativen, die in der Sportbekleidungs- und Lifestylebranche zum Einsatz kommen, sind bis heute zwar überschaubar – doch es gibt sie: Unternehmen, die zunehmend Wert auf nachhaltiger produzierte Materialien legen, faire Sportkleidung aus recycelten oder schadstofffreien Synthetikfasern oder aus Naturfasern fertigen und auf umwelt- und sozialverträgliche Produktionsbedingungen achten. Dabei darf nicht vergessen werden, dass Hersteller in der Regel von Stofflieferanten abhängig sind, die von Saison zu Saison immer wieder aufs Neue an umweltfreundlichen Entwicklungen im Bereich Naturfasern arbeiten.
Quelle: Schöffel
Im Rahmen der Performance Days beweisen viele Stoffhersteller für die Saison F/S 22 einen „grünen Daumen“ und setzen verstärkt auf innovative Faserlösungen, die Performance mit Nachhaltigkeit verbinden und Funktionsstoffe zur Auswahl stellen, die atmungsaktiv, wärmeregulierend, wasserabweisend, antibakteriell und UV-schützend sind. Das Resultat sind tolle Stoffe, die sich für den Alltag ebenso eignen wie für sportliche Aktivitäten in der Freizeit oder den Weg zur Arbeit, und die zudem ökologisch und nachhaltig sind.

Von Natur aus umweltfreundlich: Tierfasern

Naturfasern stammen generell von Pflanzen oder Tieren. Zu den bekanntesten Fasern, die von Tieren gewonnen werden, zählt der Rohstoff Wolle, insbesondere von Merinoschafen, Alpakas, Ziegen oder dem zotteligen Yakrind. Darüber hinaus kommen im Funktionsbereich auch zunehmend Seide, Kaschmir und im Winter natürlich Daune zum Einsatz. Vor allem die Kombination feiner Merinofasern mit glatter robuster Seide sorgt für beste Atmungsaktivität und wirkt temperaturausgleichend. ­Eine Beimischung von Elastan unterstützt die natürliche Elastizität der Wollfaser und gibt der Bekleidung bei ­allen Bewegungen eine hohe Formbeständigkeit.
Die Südwolle Group setzt für die Sport-und Outdoorbranche schon lange auf Merinowollgarne, neu dabei ist, dass diese mit Coolmax-Faser als „EcoMade“-Alternative angeboten werden. „EcoMade“-Fasern bestehen aus ­einem überprüften Anteil an recycelten Ressourcen wie PET-Flaschen. In Kombination mit Merinowolle ist Sportbekleidung dann extrem haltbar und wirkt thermoregulierend. Unter dem Motto „Karma“ stellt das Unternehmen zudem ein neues Projekt vor, mittels dessen man alten Wollstoffen zu neuem Leben verhilft. Wie? Indem Textilien erst in Fasern zerkleinert und danach schließlich wieder zu neuen Wollfasern gesponnen werden.
Die beliebten Produkte der Serie „100% Nature“ von Calida sind zudem mit dem unabhängigen ­Label Made in Green by Oeko-Tex zertifiziert – Nachhaltigkeit par excellence also.
Quelle: Calida
Die Schoeller GmbH & Co KG schwört auf die Wolle von Alpakas, da die feine Wolle in ihren verschiedenen Formen über ganz besondere Eigenschaften verfügt, die mehr als nur wärmend sind. Die Fasern sind innen hohl und weisen damit einmalige Thermoeigenschaften auf, die das Tragen von Alpaka-Kleidungsstücken sowohl im Sommer als auch im Winter möglich machen. Im Fokus sind Softshell-Jacken, die zu 100 Prozent aus Merino- oder Alpakafasern bestehen, ­damit extrem atmungsaktiv sowie von Natur aus wasserabweisend sind und zudem bei Outdooraktivitäten thermoregulierend wirken. Darüber hinaus versucht man die natürliche Färbung der Wolle beizubehalten und chemische Färbeprozesse zu verhindern. Das EXP-Verfahren (Ex-Pollution) stellt die volle Maschinenwaschbarkeit von Wolle sicher, ohne die sonst übliche Chlorbelastung. Dank EXP ist sogar das Trocknen im Tumbler möglich. Auf ein ähnliches Verfahren greift übrigens auch die Südwolle Gruppe zurück. Die Naturetexx Plasma und X-Care-Methode verzichtet komplett auf Chlor.

Aus der Natur in die Bekleidung: Pflanzenfasern

Neben Leinen, Kork, Sisal oder Kokos ist die wohl bekannteste Pflanzenfaser die Baumwolle. Meist stammt diese aus kontrolliertem Anbau und Unternehmen versuchen, durch den Verzicht von gefährlichen Pestiziden und weniger Energie- und Wasserverbrauch zusätzlich einen großen Beitrag für die Umwelt zu garantieren. Bekleidung aus Bio-Baumwolle ist langlebig, angenehm zu tragen und eine nachhaltige ­Alternative zu konventioneller Baumwolle. Die Kapokfaser ist ein ökologisch sehr interessanter Rohstoff, da die Faser aus den Fruchtkapseln des „Ceiba Pentandra“ (Kapokbaum), die ständig nachwachsen, gewonnen wird. Ein einzelner Baum liefert pro Jahr ungefähr 20 Kilogramm reine Fasern. Kapokfasern haben eine seidig-glatte Oberfläche, weshalb sie nicht filzen oder klumpen wie Wolle oder Baumwolle, und sind von einer feinen Wachsschicht überzogen, die dafür sorgt, dass Feuchtigkeit rasch weitergeleitet, aber nicht aufgesaugt und zurückgehalten wird. Aus den Fasern lassen sich nachhaltige Garne, Stoffe und Füllungen herstellen.

Immer häufiger kommt auch Hanf als Pflanzenfaser zum Einsatz. Warum? Als Pionierpflanze wächst sie praktisch überall und schnell. Entscheidend dabei ist, dass sie beim Anbau sehr viel weniger Wasser benötigt als Baumwolle. Auch Pestizide braucht die resistente Pflanze nicht. Ein weiterer Vorteil: Der Faserabrieb während den Waschgängen schadet der Umwelt nicht und verursacht somit kein Mikroplastik. Auf der technischen Seite haben Hanffasern auch einiges auf dem Kasten. Sie sind von Natur aus schweiß- und geruchshemmend, ­haben sehr gute, feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften und trocknen schnell. Zudem wirken sie kühlend, sind abriebfest, schmutzresistent und ­zeigen eine antibakterielle Wirkung. Kein Wunder also, dass immer mehr Sportmarken Hanffasern in ihren Kollektionen verarbeiten, unter anderem zum Beispiel Maloja in ihrer Bike- und Runninglinie.
Feuchtigkeitsspeicherung, Reduktion der Talgproduktion, UV-Schutz, antibakterielle Wirkung und Förderung der Zellerneuerung sind nur einige Beispiele, die der wundersamen Pflegewirkung der ­Alge zugesprochen werden. Das urdeutsche Traditions­unternehmen Mattis hatte eine Idee, um die heilende Wirkung der Alge mit der Funktionalität eines Kleidungsstücks zu vereinen. In einem innovativen ­Projekt entwickelte der Hersteller eine nachhaltige Produk­tionslinie von Bekleidung, die die natürliche Kraft der ­Alge nutzt. So entstand die Marke Palgero – Funk­tionswäsche wird zum Haut­pflegeprodukt.

Industriell gefertigt, aber ­ökologisch: Regeneratfasern

Unter dem Begriff „regenerierte Cellulose-Faser“ versteht man all jene Fasern, die aus natürlich nachwachsenden Rohstoffen über einen chemischen Prozess hergestellt werden. Die Basis für die Herstellung dieser ­Faser bildet die aus Holz gewonnene Cellulose, auch als Zellstoff bezeichnet. Zu den wichtigsten Fasertypen dieser Art zählen Viskose-, Modal-, Lyocell- und Cuprofasern. Die Lyocell-Faser ist eine Zellulosefaser aus Holz. Die Faserherstellung ist durch den geschlossenen Kreislauf des Herstellungsprozesses extrem umweltfreundlich. Das Besondere daran: Die Faser wird aus nachhaltiger Forstwirtschaft gewonnen, der Verbrauch von Wasser ist um das Zehn- bis Zwanzigfache geringer als bei Baumwolle, und am Ende wärmt der ­Lyocell-Stoff mit seiner sehr glatten Oberfläche mit seidigem Griff beinahe genauso gut wie Schafschurwolle, ist ähnlich kühl wie Leinen und saugfähiger als Baumwolle. Dazu ist Lyocell auch nass äußerst reißfest, damit besonders langlebig und als feuchtigkeitsregulierende Faser für ­Allergiker besonders gut geeignet.
Tencel ist der eingetragene Markenname für Lyocell-Fasern, das österreichische Unternehmen Lenzing entwickelte die Lyocell-Methode für die industrielle Produktion weiter und fand einen Weg, die eingesetzten Lösungsmittel in einem geschlossenen Kreislauf zu halten. Heute werden die Lösungsmittel zu 99,8 Prozent rückgewonnen und wiederverwertet, damit ist die Chemikalienbelastung auf ein Minimum reduziert. Seit 2004 vermarktet Lenzing seine Lyocellfasern unter dem Namen Tencel. Nachdem die Faser aus Holz besteht, das heißt botanischen und somit veganen Ursprungs ist, wird die Faser auch häufig als vegane ­Alternative zu ­Wolle bezeichnet.
Cupro wird aus den Fusseln der Baumwollsamen gewonnen, die bei der Herstellung von Baumwollstoff als Abfallprodukt anfallen. Aus den feinen Fasern wird ein Gewebe hergestellt, das sich wie Seide anfühlt und auch dieselben Eigenschaften wie Atmungsaktivität, den edlen Fall und einen dezenten Schimmer aufweist.

Fasern für ein besseres Wohlbefinden: Pflanzenbasierte Inhaltstoffe

So hat man gut lachen: Pflanzenbasierte Inhaltsstoffe wie etwa recycelter Kaffeesatz  sorgen für Wohlfühlmomente beim Tragen.

Quelle: Schöffel
Natürliche Inhaltstoffe in Fasern sorgen nicht nur für ein besseres Wohlbefinden beim Tragen der Bekleidung, das Material zeigt sich am Ende auch viel robuster als die chemischen Alternativen. Zu den pflanzenbasierten Inhaltstoffen zählt zum Beispiel recycelter Kaffeesatz. Die Unmengen von Kaffeesatz, die täglich entstehen, lassen sich zu einem funktionellen Material für Outdoor-Bekleidung recyceln. Bestes Beispiel: das innovative S.Café-Material von Schöffel, welches sich als technischer Faserverbund aus recyceltem Kaffeesatz und Polyester zusammensetzt. Der taiwanesische Textilhersteller Singtex hat das Produktionsverfahren zum Recycling des Kaffeesatzes entwickelt. In einem patentierten Verfahren wird der Kaffeesatz zunächst getrocknet und dann extrahiert. Anschließend wird der Kaffeeextrakt zusammen mit Polyester zu Pellets verarbeitet, die das Rohmaterial zur Produktion der S.Café-Fasern bilden. Die Mischung hierbei ist variabel. Mitunter wird S.Café auch mit Nylon und unterschiedlichem recyceltem Polyester-Anteil produziert. Zur Herstellung des finalen Stoffes werden die Kaffee-Pellets unter das Polyester gemischt, eingeschmolzen und daraus das S.Café-Garn hergestellt.
Seacell ist eine Faser, die aus Meeresalgen gewonnen wird. Algen gelten als „Kraftstoff der Meere“ und wirken sich in vielfacher Hinsicht positiv auf die Gesundheit aus. Deswegen eignen sich die Fasern vor allem für Menschen, denen Qualität, Nachhaltigkeit, Innovation und Anspruch wichtig ist. Die perfekte Mischung aus fühlbarem Komfort und Funktionalität macht die Faser am Ende so einzigartig. Da Feuchtigkeit sehr gut gespeichert wird und diese auch wieder nach außen abgegeben wird, wirkt das Material temperaturregulierend.
Aloe Vera ist eine der ältesten bekannten Heilpflanzen. Mit ihren 200 Wirkstoffen, darunter 75 Nährstoffe, 20 Mineralien, 18 Aminosäuren und 12 Vitamine, wird sie von immer mehr Experten als regelrechte „Wunderpflanze“ gerühmt. Im Bereich der Textilveredelungen werden Ausrüstungen mit Aloe Vera vorgenommen, wodurch die Textilien sehr weich werden und subjektiv oft ein angenehmes Hautgefühl vermitteln. Durch die Körperwärme werden zudem kleine Mengen der hautpflegenden Aloe-Vera-Substanzen abgegeben.
Oeko-Tex-Zertifizierungen bei Naturfasern
  • Die Zertifizierung von umweltfreundlichen und sozial verantwortlichen Betrieben, die Naturfasern verarbeiten, gemäß STeP by Oeko-Tex.
  • Die Prüfung und Zertifizierung von Chemikalien und Hilfsmitteln, welche für die Textilproduktion mit Natur­fasern verwendet werden, gemäß Eco Passport by Oeko-Tex.
  • Die Vergabe des Labels Standard 100 by Oeko-Tex für Textilien aus Naturfasern.
  • Der Standard 100 ergibt nicht zuletzt auch für Textilprodukte aus Naturfasern Sinn, weil mögliche Eintragsquellen von Schadstoffen aus nachgelagerten Produktionsstufen wie dem Färben oder Veredeln stammen können.
  • Die Vergabe des Labels Made in Green by Oeko-Tex für schadstoffgeprüfte und nachhaltig produzierte Textilien aus Naturfasern.
  • Die Analyse gemäß Detox To Zero by Oeko-Tex, ob Produktionsbetriebe die Forderungen der Greenpeace-Detox-Kampagne einhalten
Hier können Sie das gesamte PDF-Dossier der SPORTS FASHION by SAZ runterladen:
Dokumente
SPORTS FASHION by SAZ PDF-Dossier

Autor(in) Schlüchter Astrid



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