Fast 12 Mio. Euro Schulden 05.01.2021, 13:36 Uhr

Traditionshändler Strolz in Lech meldet Insolvenz an

Das Sport- und Modehaus Strolz im österreichischen Lech am Arlberg musste Mitte Dezember 2020 ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragen. Das traditionsreiche Familienunternehmen ist mit 12 Mio. Euro überschuldet.
Ein Opfer der Corona-Krise: Das traditionsreiche Familienunternehmen Strolz in Lech am Arlberg kämpft um seinen Fortbestand.
(Quelle: Sporthaus Strolz )
Rund 100 Jahre nachdem Ambros Strolz in Lech die ersten Leder-Skischuhe für die damals noch nicht so zahlreichen Skifahrer fertigte, musste der Sport- und Modehändler am 18. Dezember 2020 beim Landesgericht Feldkirch einen Antrag auf die Eröffnung eines Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung stellen. Als Gründe hierfür nennt das Familienunternehmen die massiven Umsatzeinbruche durch den ersten und zweiten Corona-Lockdown und spricht von einer Überschuldung von bisher 12 Mio. Euro – abhängig vom Fortgang der Covid-19-Pandemie. Laut dem Kreditschutzverband KSV1870 stehen Schulden in Höhe von 47,5 Mio. Euro Aktiva in Höhe von 33,8 Mio. Euro gegenüber.
Durch den Insolvenzantrag will das Unternehmen nun in Abstimmung mit den Gläubigern sein Überleben sichern. Während sich die Umsätze in einem gewöhnlichen Wirtschaftsjahr auf rund 19 Mio. Euro belaufen, habe man seit dem März 2020 mit Umsatzeinbußen von zwei Dritteln zu kämpfen. Im aktuellen dritten Lockdown in Österreich sind alle Strolz-Filialen geschlossen: Neben dem Haupthaus in Lech betreibt das Familienunternehmen noch sechs weitere Filialen am Arlberg (in Lech, Zürs und Stuben) mit aktuell insgesamt 71 Mitarbeitern.
Das Familienunternehmen wurde 1921 von Ambros Strolz als Schuhmacherwerkstatt gegründet. Sohn Martin trat als Orthopädie-Schuhmachermeister in seine Fußstapfen. Er war Mitglied des österreichischen Nationalteams und somit eigener Testpilot, Produktentwickler, Skistar und Promoter. Neben vielen anderen Spitzenläufern stattete er auch seine Freunde Otmar Schneider und Egon Zimmermann aus, die beide in Strolz-Schuhen Olympiasieger wurden. Bei den Skiweltmeisterschaften 1954 im schwedischen Åre wurde Martin Strolz Vizeweltmeister im Abfahrtslauf. Über 25 Jahre stattete das Unternehmen vieler internationale Skiteams aus.
Ende der 1960er-Jahre stand der Händler mit der Erfindung der ersten Kunststoff-Skischuhe vor einer großen Herausforderung. 1969 lancierte das Unternehmen mit dem Modell „Competition“ den ersten eigenen Kunststoffschuh. Seitdem sich Martin Strolz 1990 aus dem Geschäft zurückzog, führte sein Sohn Hannes in dritter Generation den Sport- und Modehandel. Aktuell steht das Familienunternehmen im Besitz von Ambros und Hannes Strolz (je 25 Prozent) sowie Florian und Daniel Strolz (je 20 Prozent). Die restlichen zehn Prozent teilen sich zu gleichen Teilen Olivia, Teresa, Carina und Ambros Strolz Junior.
Der  gleichnamige Skischuh-Hersteller Strolz Schuhe GmbH mit Sitz in Langen am Arlberg ist im Übrigen von der Insolvenz des Sport- und Modehändlers nur indirekt als Lieferant betroffen, da er seine Schuhe unter anderem auch über den Vertragspartner Strolz in Lech und Zürs verkauft.


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