Forum 27.06.2016, 10:34 Uhr

Hersteller äußern sich zu möglichen Brexit-Folgen

Seitdem bekannt ist, dass Großbritannien aus der EU austreten will, herrscht in allen Branchen akute Unruhe. Unterschiedliche Auswirkungen werden befürchtet. SAZsport fragte bei einigen Herstellern explizit nach.
Dazu Martin Riebel, Geschäftsführer von Deuter: „Umweltstandards sind auch nicht an EU-Grenzen gebunden, sondern sind meist universell anerkannt. Natürlich gibt es Schwerpunkte wie bspw. Norwegen und PFCs, aber der Brexit wird meines Erachtens keine Auswirkungen haben. Die Fair Wear Foundation ebenso wie andere Initiativen arbeiten nach internationalen Standards. Diese sind für alle Länder gültig. Gleichzeitig kommt die Mehrheit der FWF-Mitglieder zwar aus der EU, aber es ist kein Muss. Unterschiedliche Handelspräferenzen gibt es heute auch schon. Dies beeinflusst lediglich die Lieferanten und Buyer, aber nicht die Standards. Der Wechselkurs macht unsere Produkte in UK erst einmal teurer – das ist ein Fakt. Wie wir darauf reagieren oder nicht reagieren müssen, werden die nächsten Monate zeigen. Auch bin ich mir noch nicht sicher, ob dieser Brexit so durchgezogen wird, wie nun die emotionale Volksseele abgestimmt hat. Das wird sich wieder beruhigen – denn ein komplett isoliertes Großbritannien kann ich mir nicht vorstellen. Kurzfristig trägt es sicherlich etwas zur Verunsicherung bei. Aber in Deutschland wird es keine Auswirkungen haben.“


Andreas Schupp, Bereichsleiter Vertrieb und Marketing bei Schöffel: „Ganz unvorbereitet trifft uns diese Entwicklung nicht. Mit Eintritt der Kostenherausforderung durch den USD zu Beginn des vergangenen Jahres haben wir eine Effizienzstrategie erarbeitet, welche die Wettbewerbsfähigkeit unseres Unternehmens auch in einem schwieriger gewordenen Beschaffungsumfeld sichert. Ob durch Brexit mehr Bürokratismus entsteht, werden erst die Verhandlungen zeigen. Die USD-Stärke betrifft uns wesentlich stärker als die GBP-Schwäche. Die EUR-Schwäche und damit der sprunghaft gestiegende USD ist für unsere Beschaffung herausfordernder, denn die meisten hochwertigen, technischen Stoffe und Materialien im Sportbereich kommen aus dem USD-Bereich, ebenso die Fertigung. England ist für Schöffel ein wichtiger Exportmarkt, in dem wir 5 % unseres Gesamtumsatzes erzielen. Durch eine Abwertung des GBP werden unsere Produkte teurer, und dies könnte sich natürlich negativ auswirken. Da wir eine starke Markenstellung in Großbritannien haben, sollte der Effekt kalkulierbar und machbar sein.“



Folgende Stellungnahme gab Jochen Lagemann, Managing Director Europe & Asia von Primaloft, ab: „Auf unsere internen Standards und die Standards der einzelnen Kunden wird es keine Auswirkungen haben. Generell sind vereinheitlichte Standards, sei es ob Qualität, Nachhaltigkeit, soziale Bedingungen, Lieferkette etc. wünschenswert. Dadurch könnten in Zukunft Interessenverbände (z.B. auch die EOG) eine größere Rolle spielen, unabhängig von politischen oder geographischen Grenzen. Vorerst verfallen wir jetzt erst mal nicht in Panik und warten die nächsten Wochen ab. Auswirkungen könnte es für unsere Kunden, die in UK produzieren, haben, hier müssen wir aber die potenziellen, neuen Gegebenheiten abwarten und dann partnerschaftliche Lösungen finden. Blanker Aktionismus wäre jetzt fehl am Platz. Die Wechselkurssituation wird sich auf das Preisgefüge und den Margendruck in UK auswirken. Ob sich der Bürokratismus verändert, wird von den Verhandlungen zwischen UK und EU abhängen. Ich erwarte definitiv weniger Umsatz durch UK-Reisende nach Kontinentaleuropa, der Rest bleibt abzuwarten. Kurzfristig wird dies keine Auswirkungen auf unseren Umsatz haben. In jeder neuen Situation wird es aber neben Herausforderungen auch wieder neue Chancen geben, die gilt es nun herauszufinden.


Nick Brown, CEO von Nikwax, teilt mit: „Als internationales Unternehmen mit Sitz in Großbritannien sind wir ob der Entschei­dung des britischen Volkes sehr betrübt. Ich persönlich bin sogar der Meinung, dass die möglichen Konsequenzen nicht annähernd verstanden wurden. Dennoch kann ich versichern, dass es innerhalb unseres Unternehmens zumindest für die nächsten zwei Jahre keine signifikanten Veränderungen geben wird. Wir können weiterhin unsere Geschäftsbeziehungen wie bisher fortsetzen, und bis sämtliche Verhandlun­gen zum EU-Austritt abgeschlossen sind, bleibt Großbritannien weiterhin Mitglied der EU mit all ihren Vorteilen. In den nächsten zwei Jahren werden jedoch selbstverständlich auch wir darüber nachdenken müssen, welche Konsequenzen diese Entscheidung für unsere Unternehmen haben wird. Doch wie gravierend die Schwierigkeiten auch immer sein mögen, die der EU-Austritt mit sich bringt, wir werden sicherstellen, dass wir unsere Geschäftsbeziehungen wie bisher weiterführen können. Unabhängig davon, ob Großbritannien Mitglied der EU ist oder nicht – unser Unternehmen ist europäischer Natur, mit Mitarbeitern und Geschäftspartnern aus vielen verschiedenen Ländern. International zu sein ist Teil unserer Stärke, und so werden wir unser Unternehmen weiterführen. Voller Überzeugung liefern wir die bestmöglichen Produkte und geben jedem Menschen eine Chance auf der Grundlage seiner persönlichen Leistung, unabhängig von Geschlecht oder Herkunft.“

 

Und Puma äußert sich wie folgt: „Die Entscheidung der Briten für einen Ausstieg aus der EU wird kurzfristig keine Auswirkungen auf unser Geschäft haben. Den Wechselkurs des Pfundes haben wir abgesichert und daher sind wir durch den Fall der britischen Währung keinen Risiken ausgesetzt. Derzeit ist es noch zu früh zu sagen, ob diese Entscheidung mittelfristig Auswirkungen auf unser Geschäft haben wird, da wir zunächst das Verbraucherverhalten beobachten und auch abwarten müssen, wie sich die Situation weiterentwickelt. Auf jeden Fall wird diese Entscheidung Unsicherheit hervorrufen und Unsicherheit ist natürlich niemals gut.

Wir beschäftigen derzeit bereits sehr viele Mitarbeiter aus Nicht-EU-Ländern, deren geringere Freizügigkeit keine Auswirkungen auf ihr Arbeitsverhältnis mit uns hat. Im Fall des Brexit ist nun erstmal abzuwarten, welche genauen Auswirkungen sich daraus ergeben. Allerdings erwarten wir keine Konsequenzen für unsere Personalpolitik, da das Vereinigte Königreich ein wichtiger Rekrutierungsmarkt für uns bleiben wird. Im Moment arbeiten 70 britische Kolleginnen und Kollegen an unserem Herzogenaurach.“


Adidas beantwortete die Fragen von SAZsport nicht und schickte nur folgende, sehr allgemein gehaltene Stellungnahme durch. „Wir bedauern die Entscheidung der Briten. Wir werden nun alles daransetzen, unser Geschäft in Großbritannien erfolgreich weiterzuführen – genau so, wie wir das auch in allen anderen Nicht-EU-Mitgliedsstaaten tun. Großbritannien ist einer unserer wichtigsten Märkte in Europa, wir haben dort eine starke Stellung. Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Sportartikeln und der Trend zu einem sportlichen Lifestyle unverändert anhalten werden“, sagt der Vorstandsvorsitzende Herbert Hainer.


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