Nachruf 19.01.2021, 16:10 Uhr

Österreich: Sportbranche trauert um Ernst Aichinger

Wenige Tage nach seinem 73. Geburtstag starb Ernst Aichinger am 14. Januar 2021 in Wien. FEDAS und VSSÖ gedenken einem herausragenden Sportfachhändler und Verbandsvertreter und seinen Erfolgen.
Ernst Aichinger ist gestorben.
(Quelle: VDS )
Ernst Aichinger, der über Jahrzehnte mit seiner Berufs- und Verbandsarbeit den Charakter der österreichischen und europäischen Sportbranche wesentlich prägte, starb am 14. Januar 2021, wenige Tage nach seinem 73. Geburtstag. Die europäische Sportbranche trauert um den ehemaligen Vizepräsidenten der FEDAS und Kommerzialrat, einen „ihrer herausragenden Sportartikelfachhändler und Verbandsvertreter“, wie der Verband Deutscher Sportfachhandel (VDS) und der Verband der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs (VSSÖ) es in einem Nachruf mitteilt.
Als Sportartikelkaufmann mit Leib und Seele, Mitglied von Sport 2000, Vorstandsmitglied des VSSÖ und als langjähriger Spitzenvertreter der Sportbranche in Österreich habe er bewiesen, dass es sich lohnt – gerade für die Sport- und Freizeitbranche – national fundiert, aber dabei gesamteuropäisch zusammenzuarbeiten. In Brüssel habe Aichinger mit den europäischen Industriepartnern in gemeinsamen Gesprächen unter dem Motto “Be active“ die europäische Woche des Sports angestoßen. Im Rahmen dieser EU-Aktivitäten hat er dafür gesorgt, dass sich seit der Gründung der Woche des Sports in Europa 2015 die beiden europäischen Fachverbände – die FEDAS (Europäischer Sportfachhandelsverband) und die FESI (Europäische Sportartikelindustrieverband) – auf eine gemeinsame erfolgreiche Lobbyarbeit in Brüssel und auf eine branchenbezogene Zusammenarbeit in Sachen Förderung des Breitensports verständigt haben. Aichinger leitete bis vor einigen Jahren das „Statistic Comittee“ der FESI.
Im Rahmen seiner Verbandsarbeit für den VSSÖ und die FEDAS legte Aichinger mit seinen vielfältigen diplomatischen Fähigkeiten, in guter neutraler österreichischer Tradition, gleichzeitig auch die Basis für eine verstärkte Vereinheitlichung der mehrsprachigen Berufsausbildung in der europäischen Sportbranche. Einer seiner Zwischenerfolge dieser langfristigen Ausbildungszusammenarbeit, die sein Nachfolger beim VSSÖ, FEDAS-Managing-Präsident Mag. Michael Nendwich, erfolgreich fortsetzt, war und ist die Einführung des neuen Lehrberufs „Sportartikeltechniker“ in Österreich.
Eine weitere Ausrichtung seiner europäischen Verbandsarbeit zeigte sich auch bei seinem Einsatz bei der Entwicklung und erfolgreichen Implementierung des FEDAS-Warengruppenschlüssels. Wintersport in Europa und seine vielfältige Wertschöpfung in Handel und Industrie war und blieb bis zu seinem Tod eines der wichtigsten Arbeitsthemen von Ernst Aichinger.
Er war in seiner aktiven Zeit als Sportfachhändler – und weit darüber hinaus – stets ein aktiver Förderer seiner heimischen Fachmesse ÖSFA und der Weltmesse der Sportbranche, der ISPO in München. Bei diesen wichtigen Branchenveranstaltungen verstand er es mit Bravour, die internationalen Aspekte seiner Arbeit mit seiner stets vorwärts gerichteten Lobbyarbeit für die Interessen seines Heimatlandes Österreich und dessen Handelsorganisationen zu verschränken. Dabei war er immer auch einer der besten und konsequentesten politischen Lobbyisten, beispielsweise bei der Forderung nach steuerlicher Gleichbehandlung von grenzüberschreitenden Online- und Offlinegeschäften.
Ganz besonders pflegte Ernst Aichinger, bestimmt durch die geografische Lage seines Heimatlands, bei seinen internationalen Aktivitäten auch die in langen Jahren gewachsene Branchenfreundschaft mit seinen Verbands-Partnern in der Schweiz, dem ehemaligen ASMAS Präsidenten und FEDAS Generalsekretär Claude Benoit, und dem ASMAS Präsidenten Peter Bruggmann.
Sein Lebenswerk als Verbandsfunktionär legte Aichinger, der in vielen Bereichen oft kongenial von seiner Frau und Handelskollegin Veronika Aichinger begleitet wurde, erfolgreich in die Hände von Michael Nendwich. Stefan Herzog, FEDAS und VDS-Präsident, würdigt in einem Nachruf seinen ehemaligen Vizepräsidenten als einen Freund und Kollegen, der sein ganzes Leben nicht allein nur seiner Familie und seinen Geschäften gewidmet habe, sondern der auch in den letzten Jahrzehnten österreichische und europäische Branchengeschichte geschrieben habe.
Ernst Aichinger wurde am 4. Jänner 1948 in Wien geboren. Er studierte an der damaligen Hochschule für Welthandel, der heutigen Wirtschaftsuniversität, und graduierte 1976 zum Diplomkaufmann. Noch während seiner Studienzeit machte er sich im Juli 1974 in Schwechat mit einem Sportartikeleinzelhandelsgeschäft selbstständig (Sport Aichinger – Mitglied von Sport 2000). Zusätzlich war er Gesellschafter mehrerer Handelsunternehmen mit Standorten in Wien und Niederösterreich.

Trotz dieser weit gefächerten unternehmerischen Tätigkeit engagierte sich Aichinger sehr früh in der Wirtschaftskammer als Funktionär und war auch beim VSSÖ bis zuletzt als Vorstandsmitglied tätig. Bei der Wirtschaftskammer Niederösterreich wurde er 1990 Ausschussmitglied im Landersgremium des Lederwaren-, Spielwaren- und Sportartikelhandels. Schon nach einer Periode, wurde er 1995  zum Obmann-Stellvertreter gewählt und von 2005 bis 2010 war er Obmann dieses Gremiums in der Wirtschaftskammer Niederösterreich.

Auch in der Wirtschaftskammer Wien bekleidete er eine Reihe von Funktionen. Im Mai 2000 wurde er Stellvertreter im Landesgremium der Wirtschafstkammer Wien, eine Funktion, die er bis zur Neugruppierung der Gremien 2010 beibehielt. Auf Bundesebene der Wirtschaftskammer war Ernst Aichinger von 2000 bis 2010 Obmann des Bundesgremiums des Lederwaren-, Spielwaren- und Sportartikelhandels. In dieser Funktion zeichnete er sich insbesondere dadurch aus, dass er, obwohl selbst Sportartikelhändler, auch kompetent und engagiert die Interessen der anderen Berufszweige vertrat.

Auch war es Aichinger, der die Zusammenarbeit des VSSÖ mit der Wirtschaftskammer forcierte und sich dafür einsetzte, dass die Sportartikelbranche einen neuen Lehrberuf, den „Sportartikeltechniker“, bekommt. Dieser Lehrberuf kann nun seit September 2019 in Österreich erlernt werden.

"Es fällt uns schwer zu begreifen, dass er nun nicht mehr unter uns weilt und die stets kurzweiligen und fröhlichen Unterhaltungen mit ihm einer unwiederbringlichen Vergangenheit angehören. Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt seiner Gattin Veronika und seinen beiden Kindern. Lieber Ernst, wer Dich näher kannte, trägt die Erinnerung in seinem Herzen. Danke, was Du für unsere Gemeinschaft geleistet hast!", so Michael Nendwich, der auch bei der FEDAS sein Vermächtnis als wichtigen Auftrag für die künftige Verbandsarbeit nehmen möchte.


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