„Bedrohte Zukunft“ 03.08.2018, 11:27 Uhr

Vorstand der Sport 2000 Frankreich entlassen

Das Investmentunternehmen Activa Capital kündigt dem Vorstand des Einkaufsverbands Sport 2000 in Frankreich. In seiner offiziellen Pressemitteilung hierzu sieht der Verband seine Zukunft durch diese Entscheidung bedroht.
Sport 2000 Frankreich sieht ihre und die Zukunft der 4.000 Verbandsmitglieder bedroht.
(Quelle: Sport 2000 France )
Das Private-Equity-Unternehmen Activa Capital (Paris), das seit 2011 über die Hälfte der Anteile (52 %) des französischen Einkaufsverbands Sport 2000 hält, hat am 10. Juli dessen Vorstand entlassen. Durch die Kündigung des Vorstands, der sich hauptsächlich aus Mitarbeitern von Sport 2000 zusammensetzt, will das Investmentunternehmen nun alle langfristigen Ziele des Verbands fallenlassen, um eine schnellere Rentabilität zu erreichen und somit seine Anteile besser verkaufen zu können. Die Verdreifachung des EBITDA (operativer Gewinn) von Sport 2000, die Activa Capital anstrebt, bedeutet eine Reduzierung der Investitionen, die es dem Verband ermöglichen, zu funktionieren und zu investieren, um den aktuellen Herausforderungen der Modernisierung (Logistik, E-Commerce) gerecht zu werden. Zudem könnten auch die sozialen Folgen dieser Entscheidung in ganz Frankreich gravierend sein: „Wenn nichts unternommen wird, ist die Zukunft der 450 Sport-2000-Filialen und die der 4.000 Verbandsmitglieder gefährdet", warnt Thierry Lavigne, ehemaliger Vorstandschef des französischen Einkaufsverbands.
Der „Putsch“ sei umso besorgniserregender, weil die Investmentgesellschaft bereits zum Zeitpunkt ihres Eintritts in den Verband (2008) schlechte strategische Entscheidungen getroffen habe, indem sie eine Kette von Franchisefilialen aufbauen wollte. „Das Projekt von Activa Capital erwies sich als katastrophal und erhöhte die Schulden von Sport 2000 um 40 Mio. Euro“, erklärt Lavigne hinzu. Erst als Sport-2000-Mitarbeiter 2011 wieder die operative Führung übernahmen, konnte der Verband erneut gute Ergebnisse erzielen und seine Schulden bis auf einen Restbetrag von 4 Mio. Euro tilgen.
Darüber hinaus sieht Sport 2000 Frankreich die rein finanzielle Logik von Activa Capital im völligen Widerspruch zu ihren Grundwerten: Ziel des Verbands sei es, seine Mitglieder, die Händler, zu fördern, und ihnen Mittel, Lieferanten und Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen, die es ihnen ermöglichen, sich zu wirtschaftlich zu entwickeln. Die Ziele des Verbands seien denen des Investmentunternehmens diametral entgegengesetzt und unvereinbar, erklärt der ehemalige Vorstandschef.
Der Sport-2000-Vorstand will nun sein Möglichstes tun, um gegen diese „brutale“ Entscheidung der Activa Capital anzukämpfen. Es ist wichtig, dass Activa Capital zu einer kollegialeren Führungsstrategie zurückkehrt, um die Zukunft der Sport 2000 zu sichern. „Wir müssen so schnell wie möglich eine Einigung erzielen, um diese ausweglose Situation zu überwinden", so Lavigne.