Tausende Insolvenzen befürchtet 02.04.2020, 10:50 Uhr

BTE, BDSE und BLE fordern verlässlichen Fahrplan „für die Zeit danach“

In einem Brandbrief an Kanzlerin, Finanz- und Wirtschaftsminister zeigen die Handelsverbände für Textil, Schuhe und Lederwaren die prekäre Situation des Handels auf. Sie fordern einen Hilfsfond und vor allem unterstützende Maßnahmen für die Zeit nach der Corona-Krise.
(Quelle: Shutterstock / franconiaphoto )
Steffen Jost, Präsident des Handelsverbands Textil (BTE), Brigitte Wischnewski, Präsidentin des Handelsverbands Schuhe (BDSE), und Nina Kiesow, Präsidentin des Handelsverbands Lederwaren (BLE), haben sich in gleichlautenden Briefen an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Kanzleramtschef Helge Braun, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundesfinanzminister Olaf Scholz gewandt. Darin haben sie eindringlich auf die besonderen Probleme der drei Branchen aufgrund der Ladenschließungen hingewiesen und in enger Abstimmung mit dem BTE-Kompetenzpartner Hachmeister + Partner Lösungsvorschläge zur Rettung des stationären Textil-, Schuh- und Lederwarenhandels unterbreitet.
Die folgenden Probleme verbinden die drei Handelsbereiche Textil, Schuhe und Lederwaren:
  • Das Angebot ist geprägt von saisonalen Waren, was ein Aufholen der Umsätze fast unmöglich macht und zu einer schnellen Entwertung der Warenbestände führt.
  • Durch anhaltende Lieferungen nimmt der Waren- und Liquiditätsdruck immer weiter zu.
  • Die lange, globale Lieferkette macht schnelle Reaktionen nahezu unmöglich.
  • Im Vergleich zum Online-Handel und anderen Vertriebswegen, die weiterhin Textilien, Schuhe und Lederwaren verkaufen (gemeint sind unter anderem Discounter), verschlechtert sich die marktwirtschaftliche Position des Fachhandels immer weiter.  
Der stationäre Textil-, Schuh- und Lederwarenhandel umfasst rund 33.000 Unternehmen mit fast 80.000 Verkaufsstellen. Er erzielt einen Umsatz von annähernd 50 Mrd. Euro und beschäftigt rund 440.000 Mitarbeiter. Tausende dieser Unternehmen stünden nun laut der drei Verbände vor dem Aus; bereits jetzt drohen zahlreiche Insolvenzen, eine Ausweitung des Shutdowns in den Mai würde zu einem dramatischen Anstieg der Leerstände in den Innenstädten führen.
Um dies zu verhindern, stellen die drei Verbände eine Reihe an Forderungen auf. So soll die Bundesregierung einen Hilfsfond einrichten, der die laufenden Betriebskosten sowie den Wertverlust des aktuellen Warenbestandes übernimmt. Alternativ wird ein Schutzpaket für Mietverbindlichkeiten und Verbesserungen bei KfW-Darlehen und Kurzarbeitergeld angeregt.
Auch für die Zeit nach der Krise haben BTE, BDSE und BLE bereits konkrete Vorstellungen, wie der Handel unterstützt werden sollte. Vor allem sollten Bund und Länder bereits jetzt einen verlässlichen Fahrplan für die Zeit danach entwerfen. Die Anregungen sehen dabei wie folgt aus:
  • Unbürokratische Möglichkeiten für Sonntagsöffnungen nach Ende der erzwungenen Ladenschließung, um die verlorenen Umsätze zumindest teilweise aufholen zu können. Denkbar wäre beispielsweise monatlich ein verkaufsoffener Sonntag.
  • Schrittweise Öffnung der Geschäfte, wobei ähnliche Auflagen, wie sie derzeit für den Lebensmitteleinzelhandel bestehen, gelten sollten. Wichtig dabei wäre vor allem eine bundesweit einheitliche Regelung.
  • Als perspektivische Maßnahmen zur zeitnahen Belebung der Innenstädte sollte es freien Zugang der Innenstädte für den Verkehr geben, zum Beispiel durch zeitlich begrenzte Lockerung oder gänzliche Aufhebung von Zugangsbeschränkungen für den Pkw- Verkehr (z.B. Umweltspuren, Umweltzonen). Weitere Maßnahmen wären ein neues oder angepasstes Investitionszulagengesetz für Innenstädte, Anpassung der Städtebaufördermittel sowie eine Änderung des Planungsrechts zugunsten des innerstädtischen Einzelhandels.



Das könnte Sie auch interessieren