In Abgrenzung zu ehrenamtlichen Bergführern 15.02.2019, 08:00 Uhr

VDBS feiert 50. Jubiläum

Heute feiert der Verband Deutscher Berg- und Skiführer (VDBS, Bad Heilbrunn) sein 50-jähriges Bestehen. Jeden Monat verlost der Verband gemeinsam mit der Industrie ganz besondere Bergsporterlebnisse für Kunden.
Zum 50-jährigen Jubiläum des VDBS trafen sich (v.l.) Richard Müller, Manfred Sturm, Trudel Heckmair, Malte Roeper, Claus Gehrke, Gudrun Weikert, Michael Lentrodt und Finn Koch.
(Quelle: Hans Herbig)
Am 15. Februar 1969 begann die Geschichte des Verbandes deutscher Berg- und Skiführer (VDBS). Im Münchner Gasthaus „Zum Spöckmeier“ gründeten Bergsteiger-Pionier Anderl Heckmair und neun seiner Bergführer-Kollegen den Verband der Deutschen Berufsbergführer quasi im Alleingang, weil sie sich von der damaligen Seilschaft mit dem Deutschen Alpenverein lösten.
Hintergund: Drei Jahre zuvor gehören Frankreich, Italien, Österreich und die Schweiz zu den ersten Ländern, die der Internationalen Vereinigung der Bergführerverbände (IVBV) angehören. Ziel dieser Vereinigung ist es, einheitliche Ausbildungsstandards für diplomierte Bergführer zu etablieren, die Bergführergesetze anzugleichen, die Ausübung des Bergführerberufes im Ausland zu erleichtern und die Zusammenarbeit sowie den Informationsaustausch unter den Bergführern zu fördern.
VDBS-Gründer und Eiger-Nordwand-Pionier Anderl Heckmair packt seine Expeditionsausrüstung.
(Quelle: Archiv Hermann Huber)
Die nationale Berg- und Skiführer-Ausbildung war zu dieser Zeit in Deutschland beim Deutschen Alpenverein (DAV) angesiedelt. Die IVBV zeigte großes Interesse an einer Mitgliedschaft Deutschlands, erhielt aber auf Nachfrage und Einladung keine positive Rückmeldung vom DAV. Als Anderl Heckmair und Gustl Spiwack, zwei deutsche Bergführer, von einer IVBV-Tagung in der Schweiz zurückkamen, versuchten sie eine nationale Berufsvertretung zu gründen, allerdings werden die dazu nötigen Sitzungen teils vom IVBV und auch vom Alpenverein abgesagt. So waren deutsche Bergführer bei der Einführung eines internationalen Bergführer-Ausweises zunächst außen vor. Das Führen im Ausland war gefährdet, da die Voraussetzung für den Erhalt eines internationalen Ausweises nicht gegeben war, dazu gehörte unter anderen die Mitgliedschaft in einer nationalen Berufsvertretung, die wiederum Mitglied der IVBV sein musste, berichtet Trudl Heckmair, Ehefrau und „Sekretärin“ von Anderl Heckmair von den damaligen stürmischen Zeiten. Anderl Heckmair hatte keine Geduld länger abzuwarten, und er sah die Notwendigkeit, unabhängig vom DAV zu handeln. Am 8. November 1969 wird der VDBS im Rahmen einer IVBV-Versammlung in St. Johann in Tirol offiziell als fünftes Mitglied in die internationale Bergführervereinigung aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt zählt der VDBS 100 Mitglieder.
Der Verband Deutscher Berg- und Skiführer beschäfttigt derzeit 560 Männer und elf Frauen.
(Quelle: VDBS)
„Der Bergführerberuf hat sich grundlegend gewandelt“, erklärt Manfred Sturm, von 1980 bis 2003 VDBS-Vorstand. „Während es zur Gründungszeit des VDBS eher noch eine saisonale Beschäftigung war – man führte von Februar bis April Skitouren und war von Juni bis September an den Viertausendern in den Alpen unterwegs – , so ist der Beruf heute eine Ganzjahresbeschäftigung.“ Fernwanderungen, Trekking, Expeditionen, Eisklettern, Canyoning, Sportklettern etc. seien Angebote, die es früher so nicht gab. Der Beruf sei dadurch noch abwechslungsreicher und vielseitiger geworden, als er es früher schon war. Allerdings warnt der jetzige VDBS-Präsident Michael Lentrodt vor einer gefährlichen Entwicklung: „Neben den klassischen Aufgaben eines Verbandes ist es die Hauptaufgabe des VDBS, das Berufsbild des Bergführers zu schärfen. Der Kunde kann heute zwischen den Angeboten an ehrenamtlichen Führern und den Berufsbergführern kaum noch unterscheiden. Viele Anbieter geben sich den Anschein, dass deren Führer eine Berufsausbildung in dem Bereich haben, in dem sie unterwegs sind. In Wirklichkeit werden jedoch viele Unternehmungen von Veranstaltern angeboten, deren Führer einen anderen Beruf haben und nur in Ihrem Urlaub als Führer tätig sind. Darüber aufzuklären, damit der Kunde auch den Unterschied zwischen einem Profi und einem Amateur erkennt, ist eine der vordringlichen Aufgaben des VDBS.“ 
Das Berufsbild des Bergführers veränderte sich in den letzten 50 Jahren: Der einst einheimische
Begleiter am Berg entwickelte sich laut VDBS zum weltoffenen Allrounder mit Führungsqualitäten, der heute überall auf der Erde unter Beweis gestellt werden. Bergführer sein bedeute, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen für sich und Andere zu treffen. Bergführer seien Vertraute, Motivatoren, Entscheider, Weggefährten, Schutzengel, Seelenverwandte "und nicht selten werden sie Freunde". Bergführer erfüllen Träume von Gleichgesinnten und begeistern kompetent mit Herz sowie Seele für den alpinen Lebensraum, so der VDBS. Im Bild: VDBS-Präsident Michael Lentrodt beim Führen am Berg.
(Quelle: Julian Bückers)
Auch heute noch steht die Vereinigung der Berufsbergführer zwar in Partnerschaft, aber im Aufgabenbereich klar abgegrenzt zum ehrenamtlich organisierten DAV. Im Jahr 2019 vertritt der VDBS die Interessen von elf staatlich geprüften Bergführerinnen und 560 staatlich geprüften Bergführern. Zudem verantwortet der Verband die Ausbildung zum staatlich geprüften Berg- & Skiführer und steht für die Interessen von 107 international ausgebildeten Bergwanderführerinnen und -führern ein.Heute wie damals ist der VDBS Mitglied im IVBV. Er fungiert als Ansprechpartner für alle Sicherheits- und Fachfragen im Bergsport sowie für das Risikomanagement im Allgemeinen und das Führen und Ausbilden von Gästen und Kunden. Derzeit befinden sich 69 Anwärter in Ausbildung. Jedes Jahr begrüßt die Vereinigung rund 15 neue, staatlich geprüfte Bergführerinnen und Bergführer.
„Ich habe mich für die Bergführerausbildung entschlossen, weil ich es in diesem Beruf mit Menschen zu tun habe“, erläutert Bergführer-Anwärter Finn Koch seine Berufsentscheidung. „Ich bin nicht nur dafür verantwortlich, meinen Gast sicher auf den Berg und wieder hinunter zu bringen. Meine Aufgabe ist es darüber hinaus, ihm ein maximales Erlebnis zu ermöglichen. Dies erfordert Empathie und Authentizität. Wenn Menschen an ihre Grenzen kommen, dann fallen alle Hüllen, die diese sonst um sich herum aufbauen. Dies zu managen ist eine große und spannende Herausforderung. Das ist es, was neben dem fantastischen Naturerlebnis den Reiz des Bergführens für mich ausmacht.“
Von Januar bis Dezember 2019 feiert der VDBS jeden Monat seines Jubiläums-Jahres mit einer außergewöhnlichen Bergtour. Zwölf einzigartige Erlebnisse, die kreativ und detailverliebt mit den Partnern des VDBS auf die Beine gestellt werden. Mehr Infos: www.bergfuehren.de.




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