Interview mit Harald Ostermann (Innovationswerkstatt) 16.11.2020, 10:42 Uhr

Mit unverklärtem Blick in den Futurethon

SAZsport startet zusammen mit den Unternehmensberatern der Innovationswerkstatt ein neues Format namens Futurethon, um der Branche neue Wege aufzuzeigen.
Harald Ostermann, Geschäftsführer bei der Innovationswerkstatt, konzentriert sich seit über 20 Jahren darauf, Kunden auf dem spannenden Pfad in eine erfolgreiche Zukunft Wegweiser und stetiger Begleiter zu sein – und zwar systematisch in den Phasen Ideengenerierung, -screening und -evaluierung. In über 2.000 Projekten hat er Auftraggebern wie Apple, Lufthansa oder dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geholfen, den Veränderungen ihres Marktes Rechnung zu tragen und so ihre Wettbewerbsposi­tion nachhaltig zu stärken.
(Quelle: Innovationswerkstatt )
Mit dem ersten Futurethon will SAZsport gemeinsam mit den Unternehmensberatern der Innovationswerkstatt und in Zusammenarbeit mit Studenten führender Hochschulen im Stile eines Hackathons neue Impulse für die Industrie finden. Partner des Events, das am 30. November um 18.30 Uhr im Format eines Pitchdays live gestreamt wird, sind rund ­20 Sportartikelhersteller und der Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie (BSI). SAZsport hat sich mit Harald Ostermann, Geschäftsführer der Innovationswerkstatt, darüber unterhalten, wie er neue Wege im Sporthandel aufzeigen will.
SAZsport: Herr Ostermann, wie läuft der Futurethon ab? Was passiert genau am 30. November?
Harald Ostermann: Wir stecken mittendrin. Unsere Studenten und Jungunternehmer identifizieren unbefriedigte Bedürfnisse im Sporthandelsbereich, versuchen sie zu verifizieren und erarbeiten daraufhin Lösungsansätze in Form von neuen Produkten und Services. Diese werden im nächsten Schritt zu einem Geschäftsmodell entwickelt. Dieses Konzept stellen sie in einem achtminütigen Pitch einer Jury vor. Die besten drei kommen ins Finale am 30. November.
SAZsport: Kann man sich jetzt noch dafür bewerben?
Ostermann: Mittlerweile haben wir 21 Teams am Start. Das Halbfinale findet bereits am 23. November statt. Ja, wenn Sie sich als Querdenker – oder aufgrund der aktuellen Ereignisse besser als Vordenker – angesprochen fühlen, nehmen Sie gerne mit uns Kontakt auf unter ho@new-business-code.de.
SAZsport: Was steckt hinter Ihrem Ansatz und Ihren Workshops?
Ostermann: Mit unserer Erfahrung können wir sehr gut Bereiche weiterentwickeln, aber genau diese Erfahrung steht uns beim Neuausrichten im Weg. Genau das hindert uns, die Potenziale im Bereich Digitale Transformation auszuschöpfen. Und die Digitalisierung ist der aktuelle Zeitgeist. In der Regel sind wir auch keine Digital Natives und tun uns mit dem Verstehen unglaublich schwer. Vor Kurzem hatte ich ein sehr schönes dazu passendes Erlebnis. Ein Digitalvorstand eines Unternehmens wollte mir im Gespräch einen Artikel ­zuschicken. Was hat er gemacht? Ein Bildschirmfoto von der URL. Muss man noch mehr sagen?
SAZsport: Glauben Sie, die Ideen werden in der Praxis funktionieren?
Ostermann: Gegenfrage: Wie viele Unternehmen können von sich behaupten, in den letzten 100 Jahren zu den erfolgreichsten Firmen weltweit  zu gehören? Was glauben Sie? Es ist eine Firma. General Electric. Ich möchte damit zum Ausdruck bringen, dass es unglaublich schwer ist, den Zeitgeist in ein Unternehmen zu holen. Und genau das ist der Kerngedanke des Futurethons. Wie sieht der aktuelle Zeitgeist im Sporthandel aus? Wie würden die Manager von heute und von morgen ein Start-up gründen? Ohne den Ballast der Vergangenheit des eigenen Unternehmens mitzunehmen, sondern sich primär an den unbefriedigten Bedürfnissen am Markt zu orientieren. Nachdem wir seit 20 Jahren am Markt tätig sind und in über 2.000 Projekten unseren Auftraggebern geholfen haben, den Veränderungen ihres Marktes Rechnung zu tragen und so ihre Wettbewerbsposition nachhaltig zu stärken, passt unser Motto „Der Erfolg von heute ist der Tod von morgen“ leider ganz gut ins Bild.
SAZsport: Welche Vorteile haben Studenten gegenüber Managern?
Ostermann: Den unverklärten Blick. Sie brennen stärker für den Erfolg. Sie sind mit dem Zeitgeist aufgewachsen. Kennen Sie Capital Bra? Der hat mehr Platten oder besser gesagt Downloads verkauft als die Beatles. Auch wenn es persönlich nicht mein Geschmack ist und ich mich beim ersten Anhören gefühlt habe wie mein Opa, der das erste Mal die Beatles gehört hat, ist es der aktuelle Zeitgeist. Ob wir das gut finden oder nicht, ist nicht entscheidend.
SAZsport: Sind neue Wege nicht auch mit bestehendem Personal möglich?
Ostermann: Es gibt zwei Phasen in dem Projekt. Die Inspiration kommt von außen, die Implementierung von innen. Ja, es ist wichtig, das bestehende Personal neben den Vordenkern zu integrieren. Nur durch die eigenen Mitarbeiter kann die DNA einer Firma erhalten und weiterentwickelt werden.

SAZsport: Auf welche erfolgreichen Use Cases können Sie zurückblicken?
Ostermann:  Die Erfolgsgeschichte des Futurethon begann vor circa eineinhalb Jahren. Gemeinsam mit der Firma Würth haben wir die Future of Logistic Competition ins Leben gerufen. Dafür haben sich 40 Teams beworben, neun qualifizierten sich für das Finale. Wir Coaches waren überrascht von der Kreativität, wie Studenten und Jungunternehmer denken und ein Unternehmen in der Branche aufziehen würden.
SAZsport: Was kann das Event leisten?
Ostermann: Das Ergebnis vom Futurethon ist eine Inspiration, wie die Manager von morgen ein Business im Sporthandel hochziehen würden. In diesem achtminütigen Pitch geht es in erster ­Linie um das Wesentliche und nicht um die Details. Aber diese Inspiration reicht nicht für Veränderungen aus. Jetzt kommt der schwierigste Part. Wie gehe ich mit diesen Ideen um? Was bedeuten sie für meine Branche, mein Unternehmen? Aus diesem Grunde hat SAZsport mit uns und Stefan Rosenkranz ein Entwicklungsprogramm unter dem Arbeitstitel „Speed4Success“ ins Leben gerufen. Die Details dazu stellen wir in der Dezember-Ausgabe von SAZsport vor.


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