Online B2B Conference 16.05.2017, 08:30 Uhr

"Angst hemmt den digitalen Wandel in Unternehmen"

Die digitale Transformation geht in Firmen nur schleppend voran. Gründe dafür sind die Angst vor Fehlentscheidungen und das Verharren in alten Mustern. Auf der Online B2B Conference in München gab Leila Summa (un)bequeme Denkimpulse für Entscheider.
(Quelle: shutterstock.com/Wichy )
In der digitalen Welt geht es vor allem darum, ständig innovativ zu sein - also bereit zu sein, etwas Neues zu wagen. Doch diese Einstellung sucht man leider in vielen Unternehmen noch vergebens. Und das liegt nicht zuletzt an den Entscheidern, die den Wandel bremsen. Um der digitalen Transformation in Unternehmen einen kleinen Anstoß zu geben, hat Leila Summa, digital Executive & Advisor, auf der Online B2B Conference in München "(un)bequeme Denkimpulse für Entscheider zugunsten einer digitalen Welt" vorgestellt.
Das Hauptproblem der langsam fortschreitenden Digitalisierung in Unternehmen ist, dass dort zu viel Angst herrscht. Damit mangele es nach Ansicht von Leila Summa an den Rahmenbedingungen, um eine digitale Innovation umzusetzen. Aber was würden Führungskräfte machen, wenn sie keine Angst hätten? Sie würden sich und ihren Mitarbeitern erlauben Fehler zu machen. Allerdings gehe es nicht wirklich darum Fehler zu machen, sondern darum viele Experimente durchzuführen. Es ist okay, wenn man damit mal scheitere, so Summa. Die Learnings seien das Entscheidende.

Die "Vorstands-Darlings" killen

Die Digitalisierung bietet immense Möglichkeiten, die aber Entscheidungen erfordern. Doch leider werden diese Entscheidungen nur selten gefällt - "und zwar ebenfalls aus Angst", sagt Summa. Dabei geht es nicht um eine einzige Entscheidung für den digitalen Wandel. Die Entscheider müssen eine große Summe an "Micro-Entscheidungen" treffen und das täglich. Das sei oft das große Problem. Denn es geht dabei darum, sich für das Neue und gegen das Alte auszusprechen. Allerdings sind die Risiken beim Neuen größer. "Aus Angst vor möglichen Fehlern wird das Alte dann als nicht so schlecht bewertet und beibehalten", so Summa weiter. Das bedeutet im gleichen Zuge, dass sich das Unternehmen nicht weiterentwickelt. Auf lange Sicht kommt das in der heutigen Zeit einer Bankrotterklärung gleich.
Aber nicht nur das Verharren in alten Mustern führt zum Stillstand. Auch ein "Leadership-Defizit" kann die Veränderung blockieren. Firmen sollten in den heutigen Zeiten mehr auf Führungskräfte als auf Management setzen. Denn Leader "do the right things", Manager hingegen "do the things right". Laut Summa hat der Manager aufgrund dieser Einstellungen ein "festgefahrenes Mindset" und der Leader ein "agiles Mindset". Daher benötigen Unternehmen in Zeiten des Wandels mehr Leader als Entscheider.
Ebenso fatal für den digitalen Wandel ist die "Highest Paid Person Option". Hier sei die einzige Lösung, hartnäckig zu sein und die "Vorstands-Darlings zu killen". Es bringe niemanden voran, wenn man sich gegen den Chef nicht durchsetzen könne und es aus diesem Grund nicht voran gehe.

Erst die Ziele definieren

Der sogenannte Zielscheibenfehler oder auch "Texas Sharpshooter Fallacy" ist ebenfalls ein wichtiger Faktor beim Wandel zugunsten einer digitalen Welt. Es ist unbedingt notwendig konkrete Ziele zu definieren. Erst wenn die Ziele klar gesetzt sind, startet man.
Sind die Ziele vereinbart, sollte gemeinsam mit dem Team eine Form von "gesundem" Delegieren erlernt werden - dabei setzt Delegieren Vertrauen anstatt Hierarchie voraus. Dabei soll das "Waterline-Konzept" eine hilfreiche Strategie sein:
  • Entscheidungen, die über der Wasseroberfläche liegen, können alleine getroffen werden.
  • Entscheidungen, die unterhalb der Wasseroberfläche liegen, bedürfen einer Absprache mit der Führungsebene.
Wie die Entscheidung zu bewerten ist, muss der Mitarbeiter individuell entscheiden.
Die wahre Kunst allerdings ist es, eine Entscheidung unter Unsicherheit zu fällen. "Warten Sie nicht bis ihnen 80 % der Infos vorliegen, denn dann ist es in den meisten Fällen schon zu spät", sagt die Digital-Managerin.


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