Offener Brief an das Kanzleramt 03.03.2021, 13:59 Uhr

Ein Konzept aus dem Handel statt "Öffnung am Sankt-Nimmerleins-Tag"

Eine Initiative von Einzelhändlern mit den größten Playern in Deutschland macht zur Ministerpräsidentenkonferenz konkrete Vorschläge wie es im Zuge der Corona-Krise weitergehen kann. Mit einer Öffnungs-Matrix nach RKI-Konzept statt Öffnung am Sankt-Nimmerleins-Tag.
Der Händler-Initiative "Das Leben gehört ins Zentrum" haben sich große Sporthändler wie Engelhorn, Reischmann, Dodenhof sowie auch Sport 2000, Intersport, ANWR und Karstadt angeschlossen.
(Quelle: Leben gehört ins Zentrum )
Im Vorfeld der letzten Ministerpräsidentenkonferenz haben die Teilnehmer der Initiative "Das Leben gehört ins Zentrum" ein neues Konzept zur Öffnung in die Diskussion mit einem Offenen Brief gebracht.

Dabei geht es um die Betrachtung von drei Faktoren:
  • Entwicklung Inzidenz
  • Intensivbetten-Belegung (auf Basis des RKI)
  • Kunden pro Quadratmeter
Der Händler-Initiative "Das Leben gehört ins Zentrum" haben sich große Sporthändler wie Engelhorn, Reischmann, Dodenhof sowie auch Sport 2000, Intersport, ANWR und Karstadt angeschlossen. Sie appellieren dringend an die Bundeskanzlerin und ihre Ministerpräsidenten, heute für die Öffnung des Einzelhandels zu stimmen. Es gehe um hunderttausende Jobs und die Zukunft der Innenstädte. Aus dem Lebensmitteleinzelhandel wisse man, dass vom Handel kein erhöhtes Infektionsrisiko ausgeht, was das RKI unlängst bestätigt hat. Das Hygienekonzept stehe und man gehe mit einer Selbstverpflichtung deutlich über die Forderungen der Politik hinaus. Mit einem sinnvollen Öffnungskonzept, das sich an Inzidenzen, Intensivbetten-Belegung und Kunden pro Quadratmetern orientiert sei eine sichere Öffnung des Einzelhandels möglich und sinnvoll. Laut einer Umfrage vom Wochenende befürworten 75 Prozent der Bevölkerung einer Öffnung des Einzelhandels. Weitere Informationen zur Initiative https://www.lebenimzentrum.com.

Der Offene Brief in voller Länge im Wortlaut:

"Im Einzelhandel finden täglich 50 Millionen Kundenkontakte statt, davon entfallen 40 Millionen auf den Lebensmitteleinzelhandel. Es geht beim aktuellen Lockdown daher nur um 20 Prozent der Kundenkontakte – aber um 50 Prozent der Arbeitsplätze im Einzelhandel.
Eine Öffnung des übrigen Einzelhandels erst ab einer Inzidenz von unter 35 widerspricht einer sachgerechten Beurteilung der Lage und berücksichtigt in keiner Weise das inzwischen vorliegende Wissen über die niedrige Infektionsgefahr im Handel, so wie dies das RKI festgestellt hat. Derzeit hat nur ein Land in Europa eine Inzidenz von unter 35: Island. Die Bundesregierung selbst geht in den nächsten Wochen von steigenden Inzidenzen aus. Wer an diesem Wert festhält, will daher noch für mehrere Monate keine Öffnung des Einzel-handels. Und nimmt in Kauf, dass anschließend keiner mehr da ist, der noch öffnen könnte.
Die vorgeschlagenen Click&Meet-Angebote sind keine Öffnungsstrategie. Die Personal- und Betriebskosten für diese Angebote sind für die allermeisten Geschäfte höher als die Umsätze. Und die praktische Umsetzung würde zu unnötigen Aufenthalten und Schlangenbildungen führen, die den Hygienekonzepten zuwiderlaufen.
Der Einzelhandel fordert daher:
  • Alle Geschäfte müssen auf der Basis der funktionierenden Hygienekonzepte am 8. März wieder öffnen dürfen.
  • Die Kosten für verpflichtende Schnelltests sind vom Staat zu tragen.
  • Der Handel verpflichtet sich im Gegenzug, alles zu tun, um eine verantwortungsvolle Öffnung sicherzustellen. Hierzu wird auf die umfassende Selbstverpflichtung verwiesen.
  • Das Konzept der vier Öffnungsschritte muss durch ein fundiertes Stufenkonzept ersetzt werden. Insbesondere ist neben der Inzidenz die Auslastung der Intensivstationen mit Covid-19-Patienten mit zu betrachten, so wie das RKI es seinem Stufenplan vorsieht. Dazu schlägt der Einzelhandel folgende Öffnungsmatrix auf Basis des RKI-Stufenplans vor
Matrix aufbauend auf dem ControlCOVID-Stufenplan des RKI vom 18.02.2021
Quelle: Das Leben gehört ins Zentrum


1. Unser 7-Punkte-Hygienekonzept
Der Einzelhandel ist kein Infektionsherd. Sogar das RKI stuft das Risiko im Handel als niedrig ein. Für uns steht die flächendeckende Umsetzung umfangreicher Hygienemaßnahmen an erster Stelle. Der Handel hat mit einem umfassenden Hygienekonzept von Prof. Dr. Exner, Uniklinik Bonn, die Grundlagen für sicheres Einkaufen gelegt. Zum Schutz unserer Kunden und Mitarbeiter haben wir uns auf dieser Basis zu einem 7-Punkte-Hygienekonzept selbstverpflichtet.
2. Spezielle Öffnungszeiten für Senioren
Wir unterstützen eine Einführung von Zeiten, in denen der Besuch der Geschäfte des Einzelhandels den besonders gefährdeten älteren Menschen vorbehalten ist. Konkret empfehlen wir die Einführung einer Öffnungsstunde für Senioren über 60 von Montag bis Freitag in der Zeit zwischen 10 und 11 Uhr.
3. Sichere Abstände auch an den Wiedereröffnungstagen
So sehr wir uns auch darauf freuen, dass unsere Kunden für ihre Einkäufe wieder zu uns kommen können, werden wir alles tun, damit der Sicherheitsabstand gerade in den ersten Wochen gewahrt werden kann und wir nicht zu viele Menschen auf einmal anlocken. Auf Wunsch der Politik wären wir daher bereit, auf aggressive Wiedereröffnungswerbung und bis Ostern auf große Rabattaktionen zu verzichten.
4. Wir sind bereit: Gemeinsam erreichen wir eine sichere Öffnung
Der Schlüssel zur Öffnung der Innenstädte liegt in der Zusammenarbeit aller Beteiligten. Testmöglichkeiten müssen vorangetrieben und möglichst rasch in private Eigentests überführt werden. Der Staat ist gefordert, dies maximal schnell und zugleich sicher zu gewährleisten. Gleichzeitig freuen wir uns darüber, wenn die Politik auch den Handel nach der Wiedereröffnung in die Weiterentwicklung der Nachverfolgungsstrategie einbezieht. Wir sind dazu bereit! Ebenso tragen wir die Forderung mit, mit einer Maskenpflicht für einen besseren Infektionsschutz in den Innenstädten und Fußgängerzonen zu sorgen."



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