Schöner wohnen dank Glamping 13.08.2019, 08:22 Uhr

Der Wunsch nach Luxus belebt den Zeltverkauf

Langsam nimmt das Trendthema Glamping auch in Deutschland Fahrt auf. Dort wollen einige Hersteller noch stärker mit ihren Luxuszelten punkten. Die können auch mal knapp 3.000 Euro kosten.
Der Campingtourismus boomt: Im vergangenen Jahr erlebten die fast 3.000 Campingplätze in Deutschland einen Ansturm sondersgleichen – insgesamt 34,5 Millionen Übernachtungen bedeuteten einen Rekord. Nicht ausgewiesen werden konnte dabei, welchen Teil davon die luxuriöse Form dieser Urlaubsart, das Glamping (vermengt die Worte Glamour und Camping), ausmachte. Vor drei Jahren veröffentlichte der „Spiegel“ einen größeren Artikel über dieses Thema – mit dem Tenor, dass auf ­Europas Zeltplätzen die Luxusangebote im Trend lägen, sprich mit großen, hochwertigen, schön eingerichteten Behausungen, die Deutschen allerdings erst allmählich daran Gefallen finden würden. Dafür seien diese zu naturverbunden.
Langsam, aber sicher scheint sich der Wind etwas zu drehen – zumindest, wenn man den Worten von Liese Gritsch, Geschäftsführerin der Glampingwelt mit Sitz in Wien, Glauben schenken mag. Die gebürtige Neuseeländerin wurde bei ihren vielen Reisen auf das Luxuscampen aufmerksam und hatte 2017 bei der Gründung des Unternehmens auch einen Distributionsvertrag mit im Gepäck – den Vertrieb und Verkauf der britischen Glamping-Zeltmarke Lotus Belle über ihr Portal Glampingwelt.com. Zuerst für die DACH-Region, mittlerweile kümmert sie sich aber um ganz Europa. „Als ich noch vor zwei Jahren nach ‚Glamping Deutschland‘ oder ‚Glamping Österreich‘ gegoogelt habe, gab es kaum einen Treffer“, erinnert sich Gritsch. Jetzt sehe das ganz anders aus: „Das Geschäft fängt richtig an.“

Vielfältig einsetzbare Zelte

Spürbar ist das natürlich auch an der gestiegenen Nachfrage nach den Baumwoll-Luxuszelten, die sich je nach Größe in den Hauptpreispunkten 1.050 Euro (drei Meter breit), 2.100 Euro (vier Meter), 2.950 Euro (fünf Meter) und 7.950 Euro (neun Meter) bewegen. Verkauft werden diese an Glamping-Urlauber, aber auch an Privatpersonen und Unternehmen, die verschiedene Events wie Hochzeiten, Festivals etc. oder auch Workshops (zum Beispiel Yoga) ausrichten. Außerdem zählen mittlerweile auch verstärkt Glamping-Dörfer zum Kundenkreis. Ein Beispiel ist die Unternehmung vom Touring Club Schweiz (TCS), der vom 5. Juli bis 29. September seine (Luxus-)Zelte in Laax auf der Alp Plaun (1.620 Meter Höhe) als Pop-up aufschlagen wird. An Sport- und Outdoor-Händler liefert die Glampingwelt bisher noch nicht.
Nicht nur zum Übernachten sondern auch als Event-Location eignen sich die Zelte von Lotus Belle.
Quelle: Lotus Belle
„Wir bekommen immer wieder Anfragen von Kunden, die gerne eines unserer Zelte anschauen würden“, berichtet Gritsch. „Da wäre es schon ein Vorteil, wenn wir mit Händlern arbeiten könnten, die Platz für unsere Zelte haben.“ Sie sei mit ihrer Marke und den entsprechenden Modellen oft auf Shows und Messen präsent, und die Leute zeigten immer großes Interesse. „Bees to the honey“, nennt die gebürtige Neuseeländerin dieses Phänomen in ihrer Muttersprache, soll heißen: Die Leute würde sich auf die Zelte „stürzen“ wie Bienen auf den Honig. Wenn ein Händler in seiner Zeltausstellung auch eines von Lotus Belle zeigen würde, dann hätte er den Kunden gleich an der Angel, der gehe daran nicht vorbei. Die verhältnismäßig hohen Preise der Zelte – der Top-Seller, das „Stargazer“ mit durchsichtigem Dach, kostet 2.300 Euro (Breite: vier Meter) bzw. 2.950 Euro (fünf Meter) – sieht Gritsch als unproblematisch an. „Wir bekommen oft Feedback von Leuten, die sagen: Wir dachten, die Zelte würden mehr kosten“, berichtet die Glamping-Expertin. 
Neben Lotus Belle spielt auch auch Nordisk beim Thema Glamping mit. Hans Steiner, Salesmanager für den deutschen Markt, erklärt dazu: „Wir verkaufen mehr Glamping-Produkte als die Jahre zuvor.“ Campingplätze suchten Alternativen zu Wohnwägen und anderen zu vermietenden Flächen und griffen auf Baumwolle zurück. Für diese Zelte sprächen Klima, Licht und sich einfach wohlfühlen. Heißt also auch: Das Geschäft läuft bisher eher in Richtung B2C – die Marke eröffnete ­zuletzt sogar zwei „Nordisk Villages“ bei Neapel und Paris – und nicht so sehr B2B.
Residieren wie im „Grand Hotel“: Genau so nennt Outdoor-Händler Doorout ein Modell seiner Eigenmarke Xtend-Adventure.
Quelle: Doorout
Ob sich auch der Handel damit so langsam beschäftigt? Bei Bergzeit, so lässt das Unternehmen mitteilen, stehe dieses Thema derzeit nicht im Fokus. Sehr stark dagegen nimmt sich dessen Doorout aus Fulda an: Wie Annette Hartung, Mitglied der Geschäftsleitung, bemerkt, sei Glamping „noch immer angesagt“. Der Slogan des Unternehmens lautet sogar: „My home is, where my tent is.“ Was passe da besser, als es sich dabei so richtig schön zu machen? Ein bisschen Glamour und Komfort, schöne Accessoires, die Kerzen leuchten in silbernen Leuchtern bei Nacht zu ­einem Glas Wein, das sei „Schöner Wohnen“ in der Natur, beschreibt Hartung das Glamping-Gefühl.
Bei den Zelten achten die Kunden vor allem auf das Außenmaterial. „Zelte aus Baumwollmischgewebe oder reine Baumwollzelte punkten mit ihrem natürlichen Look und werden gerne gekauft. Nicht nur, weil es sich darin wunderbar glampen lässt, sondern auch wegen Atmungsaktivität und des natürlichen Raumklimas“, erklärt Hartung. Dabei setze Nordisk mit seinen Tipi-Zelten den Maßstab, doch auch andere Zeltformen und -hersteller zögen nach. Seit 2007 hat Doorout mit Xtend-Adventure auch eine Eigenmarke im Angebot. Die Modellnamen geben die Richtung vor, die den Kunden in diesen Familienzelten erwartet: „Firstclass Hotel“ und „Grand Hotel“.
Neben den genannten Marken führt Doorout aber noch zwei weitere Hersteller im Sortiment, die das Thema Glamping auf ihre Art und Weise aufgreifen: Robens und Vango. Erstgenannter, Teil der dänischen Oase-Outdoors-Gruppe, macht sich den Trend mit dem Tipi-Zelt „Klondike Grande“ und dem Acht-Personen-Kuppelzelt „Aero Yurt“ zunutze. „Bei unseren Tipis besteht meist die Möglichkeit, eine ­Innenkabine einzuhängen, um den Schlafraum vom ‚Wohnzimmer‘ zu trennen. Außerdem bieten wir für die verschiedenen Modelle auch Öfen an, die im Zelt verwendet werden können“, erklärt Marketingdirector Lotte Simonsen. Wie viele Zelte mit Glamping-Faktor Robens pro Jahr in Deutschland verkauft, möchte sie nicht verraten, nur so viel: „Mittlerweile reisen viele Menschen bereits an Campingplätze, ohne ihr eigenes Zelt mitzunehmen, und finden dann vollständige Zelte eingerichtet vor. Somit sind die Verkäufe im Bereich der Tipis relativ stabil.“

Wo fängt Glamping an?

Ein weiterer Player, der dem Wunsch der Konsumenten, ein etwas komfortableres Campen zu erleben, Rechnung trägt, sind die Schotten von Vango. Wobei Martin Stolz, Verkaufsleiter beim Deutschland-Vertreiber Sport-Tech (Hirschberg bei Karlsruhe), betont: „Dieses Glamping wird oft in den Medien dargestellt: Ich buche mir über ein Portal eine Reise nach Afrika und schlafe in einem riesengroßen Tipi aus Baumwolle mit Bett darin. Mit solchen Produkten sind wir nicht am Markt vertreten. Aber wenn es um hervorragende Materialien für ein Top-Zelt geht, wofür der Kunde auch mal bereit ist, 2.000 Euro hinzulegen, dann würde ich sagen, dass wir im unteren Glamping-Bereich definitiv mitspielen.“ Mit dem „Rosewood“ hat Vango auch ein Tipi-Zelt auf dem Markt, das sich für das etwas luxuriösere Campen durchaus eignet. Allerdings sind die Verkaufszahlen in Deutschland ziemlich übersichtlich: Richtung Handel werden rund 30 Stück pro Jahr abgesetzt, was dann auch der B2C-Menge entspricht, da die Outdoor-Kunden das Zelt auf Anfrage bestellen bzw. einkaufen.
Quelle: Statistisches Bundesamt, SAZsport
Grundsätzlich stellt sich für Stolz aber auch die Frage, wie Glamping nun genau definiert wird. Er glaubt, dass die Konsumenten, speziell Familien, sich ihr eigenes Glamping schaffen, und diese seien bereit, 1.000 oder gar 2.000 Euro für ein Zelt auszugeben – egal, ob es das Vorzelt für den Wohnwagen sei oder das Buszelt für den VW-Reisebus.
Nachgefragt würden in erster Linie Zwei- oder sogar Dreiraumzelte mit Schlaf-, Wohn- und Vorraum. Beste Beispiele seien das „Illusion“ oder das „Anantara“, die High-End-Produkte des Unternehmens. „Das zählt nicht mehr zum Glamping, wie wir es kennen“, betont Scholz, um zu ergänzen: „Das ist aber ein extrem komfortables Familiencamping.“

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