Von der Brille bis zum Ski 11.01.2019, 10:19 Uhr

So digital zeigen sich Wintersportartikel

Digitale Produkte wie LVS-Geräte, Smartwatches oder auch Heizsysteme sind bei Wintersportlern voll etabliert. Gefloppt jedoch ist die intelligente Brille – ein Warnschuss für den smarten Ski.
Der Skiverbund Ski Amadé gilt als eines der größten Wintersportgebiete in Europa. Das Thema Digitalisierung stand im Unternehmen um Geschäftsführer Dr. Christoph Eisinger schon früh auf der Agenda: Bereits am Anfang des neuen Jahrtausends wurde den Gästen Online-Ticketing angeboten, und eine mobile App zu „Österreichs größtem Skivergnügen“, so der Slogan von Ski Amadé, gab es schon vor sieben Jahren.
In der Saison 2014/15 sorgte der Verbund dann auch für überregionale Schlagzeilen: Selbst die Online-Ausgabe der FAZ berichtete über die Einführung einer sogenannten Datenskibrille, die den Skifahrer über einen kleinen Monitor am rechten unteren Rand mit Informationen zu Wetterverhältnissen, Entfernungen (Lift, Hütte) oder Pistenkilometern fütterte. Entworfen hatten dieses Modell die Marken Smith (Brille) und Recon Instruments (Mini-Computer mit integriertem WLAN-Anschluss und GPS). Über seine Partner, konkret 25 Standorte von Intersport Rent, bietet Ski Amadé die Smart Goggle auch heute noch an – wohlgemerkt zum Verleih. Im Verkauf war die „Smith I/O Recon“ gefloppt. Die Verkaufszahlen seien durch den doch hohen Preis gering gewesen (Anm. d. Red.: damals knapp 700 Euro), erinnert sich Eisinger.
Über Intersport Rent bietet Ski Amadé diese Datenskibrille zum Verleih an.
(Quelle: Ski Amadé)
„Wir haben den Verleih gerne als Marketing-Tool wahrgenommen“, erklärt Phi­lipp Greilberger, Commercial Director Sports EMEA bei Safilo. „Dennoch hat sich dadurch die Nachfrage am PoS nicht in dem Maße verändert, als dass sich weitere Versuche der Platzierung dieses sehr hochwertigen, beratungsintensiven und hochpreisigen Produkts für uns und den Handel lohnen würden.“ Bereits zuvor hatte Uvex im Jahr 2011 einen Ausflug in die digitale Brillenwelt unternommen (mit der „G.GL 9 Recon Ready“), und nur zwei Jahre später war Oakley nachgezogen (mit der „Airwave 1.5“). Bezeichnenderweise existiert der Produktionspartner der drei Marken schon nicht mehr: Nach einer gerade einmal neunjährigen Firmengeschichte musste Recon Instruments, kanadischer Hersteller für Wearables und Displays speziell für den Sport, im Sommer 2017 dichtmachen. Zu hohe Preise, zu wenig Nachfrage – eine schwere Schlappe für die smarte Skibrille.

Ski 2.0 im Anmarsch

Ob es dem intelligenten Ski möglicherweise besser ergehen wird? Angekündigt wurde in dieser Richtung schon die eine oder andere Innovation, auf dem Markt ist allerdings bisher noch nichts. Bereits im Jahr 2015 hatten Rossignol und sein französischer Landsmann PIQ einen Tracker für den Skifahrer vorgestellt, der mit einem Band um den Skischuh befestigt wird und in der Lage ist, Daten unter anderem in puncto Zeitmessung, Geschwindigkeit und gefahrene Pistenkilometer zu liefern. Auf der ISPO 2017 wurde der „PIQ Robot“ zum besten Wearable gekürt, mittlerweile kann dieser auf der Website des Unternehmens für 198 Euro gekauft werden.
Allerdings wollte Rossignol den Sensor auch in sein Race-Modell „Hero Master“ verbauen – und damit den ersten smarten und gleichzeitig konsumigen Ski auf den Markt bringen. Das Projekt ist vorerst jedoch auf Eis gelegt. „Wir treiben gerade andere Projekte voran, die einen höheren Stellenwert haben“, bekennt Hilmar Bolle, Countrymanager der Rossignol-Gruppe in Deutschland. Es gäbe die „Problematik“, dass das Unternehmen derzeit stark wachse, und man müsse zusehen, mit der Produktion hinterherzukommen. Für die Saison 2020/21 könne der smarte Ski wieder ein Thema werden. „Wir bedienen damit nur eine kleine Zielgruppe, aber wir brauchen Storys, um etwas zu verkaufen“, betont Bolle.
Ziemlich wahrscheinlich, dass Elan schneller ist als der Wettbewerber: Auf der letzten ISPO hatte der slowenische Hersteller sein Smart-Ski-Konzept und einen entsprechenden Prototypen präsentiert. Die Sensoren waren damals im Modell „SLX Fusion“ integriert. Diese messen die dynamischen Bewegungen des Skifahrers und generieren dadurch präzise Gewichtswerte für Flex- und Balanceverteilung. So reagiert der Smart-Ski direkt auf die Bewegungen des Piloten, die in ein sofortiges Echtzeit-Feedback übersetzt werden. Serienreif ist dieser allerdings auch nicht. „Wir möchten erst noch den einen oder anderen Test auf dem Schnee durchführen“, erklärt Melanja Šober, Head of Product bei Elan. In einem Jahr aber sollen dann die ersten intelligenten Ski auf den Markt kommen. Wie hoch deren Verkaufspreis sein wird, steht noch nicht fest.

Nutzen für den Kunden

Der Handel dürfte solchen Innovationen gegenüber durchaus aufgeschlossen sein. „Großartig“ wäre ein Chip, der per App ausgelesen werden könne und Detailinfos über den perfekten Schwung, Kanteneinsatz und Körperhaltung gebe, findet Al­fred Eichblatt, mit dem Filialisten Hervis einer der Vorreiter in Sachen Digitalisierung am PoS. Große Stücke hält der Geschäftsführer diesbezüglich auf Produkte wie LVS-Geräte und elektronische Sonden, aber auch auf beheizbare Socken und Skischuhe sowie Smartwatches. Demnach dürfte ihm die neue „WSD-F30“ der Marke Casio gefallen. Das Unternehmen hat diese auch für Wintersportler entwickelt und darin eine App namens „Aktivität“ zur Messung von Geschwindigkeit, Höhe und Distanz integriert. „Es muss immer der Nutzen für den Kunden deutlich sein – sonst bleibt das beste und innovativste Produkt ein Ladenhüter“, weiß Eichblatt. „Nicht jede Innovation hat das Potenzial zu einem Massenprodukt, aber: Wir sehen überall dort, wo der Nutzen einfach erklärt werden kann und das Produkt leistbar bleibt, enormen Zuspruch.“

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