Der Urban-Markt entwickelt sich weiter 15.03.2019, 09:05 Uhr

Outdoor-Marken punkten mit noch mehr Funktion

Mit cleanen Styles und Funktionsmaterialien spielen die Outdoor-Marken ihre Stärken in einem sich stetig verändernden Markt aus.
Ein Beitrag von Rita Balon
Die Urban-Kollektionen der Outdoor- und Athleisure-Brands sind nicht nur gleichermaßen modisch und funktionell, sie sind zum Phänomen geworden. „Schaut man sich die Kollektionen der High-Fashion-Designer an, stellt man schon seit einiger Zeit fest, dass die Sport- und Outdoor-Industrie einen sehr großen Einfluss auf deren Kollektionen nimmt. Auch dass mittlerweile ein Outfit einer Outdoorbrand der Garant dafür ist, von Streetstyle-Fotografen abgelichtet zu werden, zeigt deutlich, dass diese Urban-Kollektionen ihren Platz auch in der Modewelt gefunden haben“, verdeutlicht Nathalie Meinfelder, Sales und Marketing Manager bei Kari Traa, dass Athleisure sowie urbane Sportsfashion weder aus dem Outdoor-Markt noch aus Lifestyle-Stores wegzudenken sind.
Immer mehr Menschen schätzen die Symbiose zwischen modisch und funktional, Urban und Outdoor. Zumal heute ein sportliches, aktives ­Erscheinungsbild in vielen Alltagssituationen mehr Eindruck macht als konventionelle Businesskleidung. Sogar die junge, modeaffine Zielgruppe hat den Mehrwert für sich entdeckt. Stilsicher setzt sie die sportlich inspirierten Styles in Szene. „In Zeiten von Instagram und Co., Achtsamkeitstrends und Yoga wächst das Bedürfnis gerade bei den Menschen in der Stadt, ihren Bekleidungsstil an den von ihnen gewählten Lifestyle anzupassen“, beobachtet Lena Grimm, Designerin bei Bleed, die Veränderung des Marktes.

Der Markt entwickelt sich

Mit großen Schritten marschieren Urban-Outdoor- und Athleisure-Kollektionen Richtung Mode. Funktion bleibt wichtig, gleichzeitig hat der Modeaspekt an Bedeutung gewonnen. Die Märkte Outdoor, Sportswear und Fashion haben sich stark angenähert. Die Schnittmenge wird größer, die Übergänge sind fließend. Während Modelabels die sportlichen Trends mit den schnell wechselnden Fashion-Trends kombinieren, vereinen die Sportmarken Funktion mit Design. Dabei bleiben sie ihrer DNA treu und würzen das Ganze nun mit modischer Optik. Mit qualitativ hochwertigen und langlebigen Produkten sowie mit ihren Werten wie Naturverbundenheit, Sportlichkeit und Dynamik bahnen sie sich ihren Weg in den urbanen Alltag. „Der gesellschaftliche Lifestyle bringt aktuelle modische Aspekte in den Sportswear-Bereich. Dadurch profitiert der Konsument bei den Sportmarken von modischer Optik, die technisch durchdacht und funktional ist“, macht Marcus Stahr, Sales Manager Berghaus Germany, den Unterschied zwischen Sport und Mode deutlich.
Selbst klassische Funktionshersteller haben diesen Markt als strategisches Wachstumsfeld ausgemacht, wie beispielsweise Mammut. Für Sommer 2019 launchte die Traditionsmarke mit der „Delta X“-Kollektion eine Linie, die das technische Know-how des Bergsportspezialisten aufgreift und in neuer, modischer Optik umsetzt. Dafür holte Mammut das Fashion-Schwergewicht Adrian Margelist, ehemals Kreativchef von ­Esprit, MCM und Liebeskind, in die Schweiz. „Der Kunde sucht verstärkt nach versatilen Produkten, die er in unterschiedlichen Einsatzbereichen nutzen kann. Für uns als Hersteller besteht die Herausforderung darin, jeden Konsumenten individuell bei seinen Bedürfnissen abzuholen und ihm das bestmögliche Produkt anzubieten“, erläutert auch Salesmanager Matthias Leurs von Bergans of Norway. Seine Marke arbeitet daher verstärkt mit unterschiedlichen Kollektionen und Konzepten, die auf den individuellen Kundenfokus abgestimmt sind.
Parkas mit Kapuze bleiben wichtig und überraschen mit neuen Farben.
(Quelle: Arcteryx)

Outdoor als Lifestyle

Das Fashion-Statement der Urban-Outdoor-Kollektionen im Winter 2019/20 heißt: „Capsule Wardrobe“. Optisch cleane und aufgeräumte Styles, leicht kombinierbar und zeitlos modisch, das ist der neue Trend. So gehören Daunenjacken weiterhin zu den Favoriten in der Stadt. Extra­große Daunenkammern ermöglichen ein modernes, reduziertes Design und schmalere Silhouetten. Als Alternative zur Daune kommen Lightweight-Isolationsjacken im urbanen Design. Flexibel können sie als äußere Schicht oder als wärmende mittlere Lage unterm Mantel getragen werden und finden klein verpackt sowohl in Business-Taschen als auch in Shopping-Bags Platz.
Auch technische Hardshells, denen die Funktion nicht anzusehen ist, werden jetzt zu Lifestyle-Produkten. Möglich machen es die neuen weichen, leichten und wasserdichten Laminate sowie eine cleane, alltagstaugliche Formensprache. Wenn es um Bekleidung für unterschiedliche Wetterbedingungen geht, sind lang geschnittene, sportive Parkas im rustikalen Look mit aufgesetzten Taschen, Kunstfellkragen und Kapuze die Dauerbrenner.

Neue Silhouetten

Eine große Portion modischen Style zeigen die Damenkollektionen. Die Silhouetten werden femininer und betonen Proportionen, gleichzeitig sind Oversized-Mäntel stark im Kommen. Länger geschnittene Jacken stehen für einen jüngeren Look. Designelemente sind nicht nur als modische Features gedacht, sie folgen stets einer echten Funktion, wie etwas Taillenzüge, Zwei-Wege-Reißverschlüsse oder eng anliegende Bündchen. Jack Wolfskin präsentiert eine urbane und dennoch funk­tionelle Jacke im Blouson-Stil mit unsichtbar verschweißten Nähten, sowie eine Daunenjacke mit hohem Kragen und extragroßem Schal, der abgenommen und separat getragen werden kann. Neu bei Schöffel sind Parkas mit Sherpa-Fleece in der Innenseite von Kapuzen und Jacken. Mit einem Poncho gelingt Bergans die Kombination aus schickem Allrounder und perfektem Wetterschutz, Vaude bringt eine urbane Damenweste mit überschnittenen Schultern. Kari Traa interpretiert für Jacken und Oberteile den Boyfriend-Fit neu. Ein weiteres Fashion-Statement setzen taillierte Tights mit hohem Bund, die mit locker geschnittenen, kurzen Oberteilen kombiniert werden. Auch Baumwollhosen sehen nicht mehr nach Outdoor, sondern nach stadtfeiner Chino aus. Was dennoch bleibt, sind der bequeme Sitz, die Bewegungsfreiheit dank Elastan und ihr multipler Einsatzbereich. Die Allrounder eignen sich ebenso für die Stadt und das Büro wie auch zum Wandern und Reisen.
Auch bei den Oberteilen geht es modisch zu: Strick ist das neue urbane Midlayer-Material. Dicke Wollpullover kommen in vielen Varianten: mit und ohne Muster, mit Merino oder als Mischqualität mit Merino-Anteil, in Kombina­tion mit Fleece und in vielen Hybridlösungen. Hoodies, Cardigans und Sweatshirts zeigen sich im lässigen Athleisure-Look. Die modischen Renner sind karierte Flanell- und Wollhemden im Holzfällerstil. „Auch wenn es diese Produkte schon länger gibt, ist das nach wie vor ein starker Trend“, bestätigt Sarah Randall aus dem Product Management bei Helly Hansen. Tatonka geht noch einen Schritt weiter: Der bayerische Outdoor-Experte bringt ein wattiertes Flanellhemd als Jacke für die Übergangszeit.

Fashion-Statement Farbe

Lange Jacken und Beerentöne sind wichtige urbane Stilelemente für den nächsten Winter.
(Quelle: Tatonka)
Wie Haptik und Design fügt sich auch die Farbpalette in den urbanen Kontext ein. Von der Natur inspirierte, erdige und warme Farbtöne lassen sich gut mit Alltagskleidung kombinieren. Neu sind natürliche Grau- und Grüntöne, Khaki, Weinrot und dunkles Oliv sowie eine sanfte Rotpalette von Kirschrot bis Aubergine. Akzente setzen knalliges Rot und Farbkombinationen wie Dunkelgrün und Weinrot. Als Klassiker ergänzen Navy und Schwarz die Farbkarte. Drucke, Colourblocking und Ton-in-Ton-Musterungen sind ebenso wichtig. Seitlich aufgenähte, abgesetzte Streifen an Oberteilen, Hosen und Trackpants bleiben trendy.

Funktionell und nachhaltig

Auch für das urbane Umfeld kommen die Sportswear- und Outdoor-Kollektionen immer mit der notwendigen Funktion. Leichtigkeit und Komfort sowie Hightech-Materialien im natürlichen Look fließen in die zeitlosen Designs ein. Athleisure bedient sich ebenfalls an den technischen Stoffen aus dem Bereich Outdoor. Hochwertige Membranen, Isolationen sowie Funktionsstoffe aller großen Ingredient Brands sind hier vertreten, von Gore-Tex und Sympatex über Polartec und Primaloft, Thermore, Pertex und Pontetorto. Für Wärme sorgen Daune oder Daunen-Alternativen. Stretchstoffe optimieren den Tragekomfort und die Passform. Polyesterstoffe mit natürlicher Haptik oder Wollmix-Materialien mit Merino und Synthetikfaser sorgen für eine urbane Optik. Natürliche Fasern aus nachwachsenden Rohstoffen, wie Tencel, Biobaumwolle und Merino, pur oder im Mix, gewährleisten natürliche Haptik und eine Portion Nachhaltigkeit, die immer wichtiger für die Branche wird. Denn hier reflektiert die Outdoor-Branche immer deutlicher die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen und Wünsche der Kunden, wie Umweltverträglichkeit und faire Produktion. Bereits vor zwei Jahren sorgte Sympatex mit einem zu 100 Prozent recycelten Laminat für Furore. Laufend entwickeln und verbessern die Mate­rialhersteller nachhaltige und natürliche Stoffe mit Funktion. Klimakompensierte, recycelte, sortenreine und schadstofffreie Funktionsjacken trotzen jedem Winterwetter und sehen dabei noch stylisch aus. Bis 2020 PFC-frei zu sein ist das erklärte Ziel der meisten Outdoor-Marken. Dass dies gelingen könnte, ist schon heute absehbar, denn viele Marken präsentieren bereits für die neue Saison nahezu PFC-freie Kollektionen.
Die modischen Must-haves
  • Parkas mit aufgesetzten Taschen und Kapuze
  • Stepp in cleanem Design
  • Jacken im Blouson-Stil
  • Damenmäntel im Oversized-Look
  • Daunenjacken und -mäntel mit großen Steppungen
  • Lightweight-Isolationsjacken und -westen
  • Wendbare Jacken und Mäntel
  • Technische Hardshells in alltagstauglicher Schnittführung
  • Karierte Flanell- oder Baumwollhemden im Holzfällerstil
  • Dicke Strickpullover

... weitere interessante SAZsport Themen