Echte Marken braucht der Kunde 14.08.2019, 09:38 Uhr

So treiben die Discounter den SUP-Markt an

Der Hype um SUP scheint noch längst nicht vorbei – auch beflügelt durch die Angebote der Discounter. Manche Hersteller haben preislich darauf reagiert. Welche Marke ihrer Philosophie treu bleiben will, zeigt sich.
Nach einem für die Branche wenig erfreulichen Mai kommt die SUP-Saison und natürlich auch der Verkauf der Boards so langsam in Fahrt. Durch das über längere Phasen kalte und auch regnerische Frühjahr hatte sich die Nachfrage im Handel doch sehr überschaubar entwickelt. Auch wenn in der Branche Einigkeit herrscht, dass der Boom von SUP keineswegs abgeflacht ist – manche Hersteller sprechen noch immer von einem „riesigen Hype“ –, so lässt sich die Abhängigkeit von Wetterbedingungen in der Saison doch nicht leugnen.
Ein großes Thema sind nach wie vor die Angebote der Discounter, die den Markt mit ihren Billig-Boards im wahrsten Sinne des Wortes überschwemmen und die Konkurrenz aus dem Premiumsegment deutlich überflügelt haben, was Anteile anbelangt (siehe auch Randspalte). Der eine oder andere Markenhersteller sah sich daher genötigt, zu reagieren und seine Preispunkte dem Markt anzupassen, sprich „konsumiger“ zu werden. So bieten JP Australia, Starboard und Fanatic, alles Marktführer im SUP-Bereich, mittlerweile auch Einsteigermodelle für 699 Euro an.

Preispunkte angepasst

„Jetzt können wir auch sehr gut mit den Discountern mithalten“, begründet Sven Richter, Salesmanager bei Boards & More und gleichzeitig zuständig für den Vertrieb von Fanatic in Deutschland, den Schritt in verhältnismäßig niedrigere Preisregionen. Dabei ist man natürlich noch einige Euros von den Billig-Boards entfernt. Außerdem bekommt der Konsument im Fachhandel eine echte Marke und einen guten Service geboten. „Viele Kunden sind dann gerne bereit, dafür mehr Geld zu bezahlen“, meint Richter.
Preislich noch eine Etage tiefer, konkret bei einem Einstiegspreis von 599 Euro, bewegt sich die Marke O‘Neill mit ihren Boards. Seit zwei Jahren wird diese Sparte des Surfbekleiders von Intenics Surf Gear (Eresing, bei Landsberg) betreut. Zur Zielgruppe im Handel gehören auch die Vollsortimenter von Sport 2000. „Es gibt viele neue SUP-Marken, aber ein Name wie O‘Neill funktioniert bei so einem Produkt doch sehr gut“, erklärt Intenics-Geschäftsführer Marcus Schörling. Red Paddle, seine andere große SUP-Vertriebsmarke, bewegt sich da in ganz anderen Preissphären: Im Erwachsenbereich geht es bei 999 Euro los, der Durchschnitts-VK beläuft sich auf bis zu 1.200 Euro. Den einen oder anderen Schritt, den manche Mitbewerber unternommen hätten, könne er verstehen – bei Red Paddle würden sich die Preise aber nicht verändern, weder nach oben noch nach unten. Dort läge der Fokus ganz klar auf Premium, Qualität, Performance und gutem Service. „Das ist eine Markenphilosophie, der wir treu bleiben werden“, betont Schörling.
Fanatic ist eine der echten Marken, die den Discountern Paroli bieten will.
Quelle: Fanatic
Insgesamt beliefert Intenics in Deutschland 150 Händler. Die Hälfte davon sind Wassersport- und SUP-Spezialisten, jeweils 20 Prozent große Verleihstationen (mit 30 bis 100 Boards im Angebot, die ab und an ein Brett verkaufen) und Outdoor-Händler inklusive Fitness- und Yogastudios, Hotelresorts, Wasserskilifte und Hundeschulen sowie zehn Prozent Voll-sortimenter. Warum die Discounter in den vergangenen Jahren so viele Marktanteile gewonnen haben, liegt für Schörling auf der Hand: Zum einen könnten Aldi und Lidl ihre Boards über Tausende von Filialen vertreiben, zum anderen gäbe es Familien, die diese Kaufkraft nicht hätten, und Kunden, die sich für den Anfang ein nicht so hochwertiges Board kaufen wollten. In der Trittbrettfahrt der Discounter sieht Schörling aber auch Gutes: Viele Boards im Markt begünstigten, dass der Sport und die Freizeitbeschäftigung breit ausgeübt werden können. Zudem erlange SUP einen noch höheren Bekanntsheitsgrad und eine bessere Marktdurchdringung.
Inzwischen beliefert Starboard weit über 200 Händler in ganz Deutschland. Der Löwenanteil kommt aus dem Bereich Wassersport, danach folgen die Vollsortmenter, insbesondere Intersport-Mitglieder. „Viele reine Outdoor-Händler hinken noch etwas hinterher“, bedauert Vertreiber Florian Brunner von APM Marketing (Wolfratshausen), und ergänzt: „Wobei sich der Branchenprimus Globetrotter stark mit dem Thema identifiziert und damit auch sehr erfolgreich agiert.“
Seiner Einschätzung nach haben die aufblasbaren Boards, die Inflatables, in Deutschland noch einen Marktanteil von 90 Prozent. „Aber für den engagierten Paddler wird die Performance der Boards zunehmend wichtiger, und so landen einige auch bei den harten, sprich laminierten, Boards“, erklärt Brunner. Im Trend lägen mittlerweile auch leichtere, gut funktionierende Paddel, weil selbst der blutige Anfänger einen deutlichen Unterschied bemerke. Dabei scheint einmal mehr der Discount in Sachen Qualität eine eher unrühmliche Rolle zu spielen. Brunner erbost: „Die Alupaddel der Billig-anbieter sind eigentlich eine Frechheit!“

Geringeres Packmaß

Derzeit versucht der eine oder andere Hersteller, das Thema Reduzierung von Gewicht und Packmaß voranzutreiben. Seit diesem Jahr hat Red Paddle sein „Compact“-Konzept auf dem Markt, bei dem Board und Tasche nur noch die Hälfte von herkömmlichen Varianten wiegen. Dies soll auch 2020 im Fokus der Marke stehen. „Das Thema entwickelt sich noch. Wir merken, dass so ein Produkt oft erst nach zwei, drei Saisons beim Endkunden ankommt“, erklärt Marcus Schörling. Aus dem Handel spüre man schon jetzt eine gute Nachfrage. Genau in dieselbe Kerbe – Boards mit kleinerem Packmaß – schlägt auch die neueste Entwicklung von Mitbewerber Fanatic: Der Modellname lautet „Fly Air Pocket“.
Marktvolumen
80.000
SUP-Boards in etwa wurden nach Branchenschätzungen 2018 auf dem deutschen Markt verkauft. Dabei hatten Modelle unter 500 Euro einen Anteil von zwei Drittel. Was wiederum bedeutet, dass die Marken gegenüber den Billig-Boards der Discounter (Aldi, Lidl, auch ein Decathlon sei hier genannt) und Baumärkte über die letzten zwei bis drei Jahre doch etwas an Boden verloren haben. Premiumhersteller gehen aber davon aus, dass der Peak damit erreicht ist, da die in den Markt gedrückten Günstig-SUPs für eine schnellere Marktsättigung gesorgt haben. Im höherpreisigen Segment erwarten die entsprechenden Marken aber weiterhin zweistellige Zuwachsraten pro Jahr.

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