Hohe Durchdringung im Handel 18.06.2019, 10:11 Uhr

Diese Neuheiten gibt es bei Stirnlampen

Stirnlampen sind der Prototyp des hoch verkäuflichen Accessoires, das in keinem Sport- und Outdoor-Laden fehlen sollte. Wie führende Marken ihre dortige Präsenz und Stärke bewerten – und was sie Neues bringen werden.
Auch wenn sie in der Sport- und Outdoor-Branche nicht oft im Rampenlicht stehen, so gehören Stirnlampen doch zu den im Handel präsentesten und wachstumsträchtigsten Sortimenten. Im vergangenen Jahr hatte SAZsport eine Umfrage durchgeführt – mit dem bemerkenswerten Ergebnis, dass mehr als drei Viertel der Händler diese im Sortiment führen. Das bedeutete den Platz fünf hinter den Basis-Warengruppen Rucksäcke, Multifunktionsschuhe, Trekking-/Wanderschuhe und Trekking-/Wanderstöcke. Zudem sahen ein Drittel dort für die nahe Zukunft von zwei, drei Jahren gute und sehr gute Wachstumschancen. Mehr als die Hälfte der Befragten prognostizierten diese auf gleichbleibendem Niveau.
Stirnlampen zählen im stationären Handel zu den Sortimenten, die sich am besten verkaufen lassen.
(Quelle: Lafouche_2)
„Im Outdoor-Fachhandel zählt die Stirnlampe meines Erachtens zum Standardsortiment“, meint Christoph Driever, Countrymanager bei Petzl Deutschland (Geretsried). „Sicher noch einiges Potenzial“ gäbe es dagegen im klassischen Sporthandel, dort seien die Sortimente zum Thema Beleuchtung „sehr überschaubar“. Ein Grund für ihn: „Die Generalisten setzen sehr stark auf günstige Produkte oder Eigenmarken und werten damit indirekt diese wichtige Ausrüstungskategorie ab.“ Die Marke selbst fährt hierzulande  mit den Stirnlampen inklusive der Professional-Sparte (Arbeitsschutz) ein Viertel des Umsatzes ein. „Dadurch, dass wir die Kollektion kontinuierlich weiterentwickelt und übersichtlicher gestaltet haben, konnten wir in den letzten Jahren jeweils ein sehr gutes zweistelliges Umsatzplus erzielen und Marktanteile ausbauen“, berichtet Driever erfreut. Die Tendenz sei „definitiv steigend“. Der stärkste Umsatzbringer ist für Petzl die vor zwei Jahren auf den Markt gebrachte „Actik“.
Wie hoch das Marktvolumen von Stirnlampen in Deutschland ausfällt, kann in der Branche niemand so wirklich einschätzen. Von Ledlenser (Solingen) ist aber immerhin zu hören, dass man als Marktführer „mehrere Hunderttausend“ verkaufe. Als Spezialist in diesem Bereich gelingt es der Marke auch, höhere Durchschnittspreise im Handel zu erzielen im Vergleich zu den breiter aufgestellten Mitbewerbern wie einem Petzl. Während der VK dort bei 35 Euro liegt, liegen diese bei den Outdoor-Kunden von Ledlenser im Bereich von 40 bis 70 Euro. Angesprochen auf die Zufriedenheit, was die Präsenz angeht, meint Valentin Majic, Bereichsleiter Vertrieb Deutschland: „Als Spezialist ist es natürlich schwerer, gegen Generalisten wie Petzl oder Black Diamond anzukommen, aber dank hoher Produktqualität und Serviceorientierung sind wir gut dabei. Mehr und besser geht natürlich immer.“ Top-Seller der Marke ist in diesem Jahr bisher die „MH5“.
Durchschnitts-VK
35 Euro beträgt der Durchschnittspreis, den Sport- und OutdoorHändler mit Stirnlampen im Verkauf erzielen. Das ergab eine Umfrage von SAZsport unter knapp 40 Teilnehmern. Interessanterweise deckt sich dieser Wert exakt mit dem, den Petzl, Marktführer auch in diesem Bereich, bei seinen Modellen im Handel als Regel angibt. Der deutsche Countrymanager Christoph Driever dazu: „Wir konnten unsere Durchschnitts-VKs erfreulicherweise in den letzten Jahren durch ein neues Portfolio steigern.“

Mehr Running als Outdoor

Vor allem im (Trail-)Running-Bereich haben sich die Schweden von Silva mit ihren Modellen – allen voran der „Trail Runner 4“ – eine starke Position in Deutschland erarbeitet. „Im Grunde kann man sagen: Je athletischer der Sport, desto besser sind wir aktuell im Handel verteten“, erklärt Countrymanager Bernhard von Toll. Somit ist das Unternehmen deutlich besser im Lauf- als im Outdoor-Handel vertreten. Dort strebe man aber eine noch stärkere Position an, betont der Deutschland-Chef. Die Durchschnitts-VKs der Marke bewegen sich zwischen 50 und 70 Euro. Mit Blick auf den Konsumenten meint von Toll: „Es zeigt sich deutlich, dass Kunden viel mehr technisches Wissen über Stirnlampen haben und besser differenzieren. Früher war die Angabe von Lumen oft das einzige Entscheidungskriterium, nun kennen viele Kunden auch weitere Features. Eigenschaften wie zum Beispiel Ergonomie spielen jetzt auch eine Rolle. Konsumenten sind bereit, dafür mehr Geld auszugeben.“

High End mit 5.000 Lumen

Sehr viel mehr Geld als für die Stirnlampen der genannten Marktteilnehmer muss der Endverbraucher für ein Modell der Marke Lupine (Neumarkt/OPf.) hinblättern. Dort geht es erst los mit 187 Euro („Neo X2“ hat 900 Lumen und 160 Meter Reichweite) und reicht bis zu 899 Euro („Betty RX14“ hat 5.000 Lumen und 380 Meter Reichweite, mit Blue­tooth-Funktion).  „Unser typischer Käufer ist eher im mittleren Alter, möchte nicht zu viel Zeit mit Recherche verbringen, und will einfach die beste verfügbare Lampe in allen Details – nicht nur hinsichtlich Lichtleistung, sondern auch in Bezug auf Handhabung, Zuverlässigkeit und den extrem schnellen Service im Schadensfall“, klärt Geschäftsführer Wolf Koch auf. Der Kaufpreis sei dabei sekundär. Was die Belieferung von Händlern in Deutschland angeht, sind die Rollen klar verteilt: 600 Türen kommen aus dem Bereich Bike, dazu 150 Sport- und 100 Outdoor-Standorte. „Wir haben in Deutschland eine recht hohe Marktpräsenz im Bike-Sektor. Im Outdoor-Handel sind wir eher weniger  vertreten. Dies ist dem begrenzten Käuferkreis und den hohen Erwartungen an gesteigerte Individualisierung geschuldet. Demzufolge ist der spezialisierte Outdoor-Handel für uns interessant, gleichzeitig sind wir nicht unzufrieden mit der aktuellen Situation“, bemerkt Koch.
Neu auf den Markt kommen werden zum Herbst/Winter unter anderem die „Swift RL“ von Petzl, eine runderneuerte Version der „Reactik Plus“, (Lieferdatum: September 2019) und die Multisportlampe „Trail Speed 4XT“ von Silva. Ledlenser plant, neben seiner App-gesteuerten „MH11“, seit Frühjahr auf dem Markt, weitere mit Bluetooth ausgestattete Modelle zu entwickeln.

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