Auf dem Weg zur PFC-freien Sportbekleidung 18.03.2019, 06:00 Uhr

Das grüne Branchenbuch

Die wichtigsten Nachhaltigkeitsmaßnahmen der Sporttextiliten im Überblick.
Bereits seit mehreren Saisons berichten wir in jeder Ausgabe der Sports & Fashion über die Fortschritte der Sporttextilbranche in Sachen Nachhaltigkeit. Als die Debatte um gefährliches PFC in und auf Bekleidung vor drei Jahren begann, lauter zu werden, gaben viele Sportmarken als Ziel an, ab dem Jahr 2020 PFC-freie Bekleidung anbieten zu wollen, und wir haben jeden Schritt verfolgt.

PFC-frei ist Pflicht

Die progressivsten unter ihnen haben es bereits vor 2020 geschafft, wie etwa die Vorzeigeunternehmen Jack Wolfskin, Fjällräven oder Vaude. Viele andere Marken sind ab dem kommenden Winter ganz oder teilweise PFC-frei, wie unsere übersichtliche Tabelle auf den kommenden Seiten zeigt. Zum zweiten Mal gibt es dieses „grüne Branchenbuch“ der SAZ Sports & Fashion, und die Abfrage wurde für die Kollektionen Winter 2019/20 um ein paar Themen erweitert. So haben wir auch nach der Verwendung von Recyclingmaterialien sowie nach Maßnahmen zur Vermeidung von Mikroplastik, zur Energieeinsparung oder zur CO2-Reduktion gefragt. Nicht auf alle Fragen haben die Firmen schon konkret geantwortet. Diese Punkte werden wir weiterverfolgen, haben sie aber in der aktuellen Ausgabe nicht abgebildet. Fakt ist, und das ist positiv: Das Thema Nachhaltigkeit spielt in allen textilen Unternehmen der Sportbranche mittlerweile eine wichtige Rolle. CSR- und Nachhaltigkeitspositionen werden geschaffen, 5-Jahres-Pläne erarbeitet. Neben dem mittlerweile gut gelösten Thema PFC-Vermeidung geben sehr viele der befragten Unternehmen an, Recyclingmaterialien und/oder natürliche, nachwachsende Rohstoffe zu verarbeiten. Schwierig hingegen ist im Moment noch die Kreislauffähigkeit, also die Recyclingfähigkeit der Bekleidungsteile.

Zertifizierungen geben einen Überblick

Umwelt-Zertifizierungen haben mittlerweile so gut wie alle Unternehmen, viele sogar mehrere. Bluesign wird in diesem Zusammenhang oft genannt, ebenso das Fair-Wear-Siegel. Hier haben einige Sportbekleidungsmarken bereits seit Jahren den Leader-Status inne. Auch STeP-zertifizierte Unternehmen sind zu finden, von Bewertungen nach dem Higg-Index hingegen wird noch nicht oft gesprochen. Eigene Labels oder Standards kommen immer öfter beim Thema Tierschutz zum  Tragen, wie beispielsweise das „Ortovox Wool Promise“. Tierschutz wird auch mit dem RDS, Responsible Down Standard, in den Mittelpunkt gerückt. Als Alternative werden immer öfter recycelte Wolle und recycelte Daunen verarbeitet.

Nächster Schritt: Wassereinsparung

Noch nicht häufig validiert ist die Einsparung von Strom im Produk­tionsprozess, die Einsparung von Wasser hingegen öfter. Und Wasser kann gespart werden, was auch wichtig ist, denn die Textilindustrie ist der zweitgrößte Wasserverbraucher nach der Lebensmittelindustrie. Gerade noch rechtzeitig kommen daher die wassersparenden neuen Färbemethoden. Bei der Herstellung von Polyestergarnen beispiels-
weise kann dem Granulat schon vor dem Spinnvorgang Farbpulver zugegeben werden, sodass kein Färbebad mehr nötig ist. Unternehmen wie zum Beispiel We are Spindye stellen solche Garne her.

Maßnahmen gegen Mikroplastik

Auch das Thema Mikroplastik wird vielerorts angegangen. Zum einen haben innovative Unternehmen Alternativen im Programm. Bei den neuen Fleecen finden sich auf der gerauten Seite Materialien, die schnell abbaubar sind, wie beispielsweise Tencel oder Modal. Vorreiter für diese Stoffe war Vaude in der Zusammenarbeit mit Pontetorto mit deren gemeinsamer Entwicklung „Biopile“. Andere Unternehmen arbeiten an Alternativen und empfehlen in der Zwischenzeit Verbrauchern die Verwendung von Waschbällen oder -beuteln, die die Mikrofasern auffangen. Eine ganz neue Generation an Materialien zur Vermeidung von Mikrofaser-Shedding und -Verschmutzung wird aktuell auf der ISPO vorgestellt: So gibt es bei Primaloft die Isolation und Faser Primaloft Bio, die im Gegensatz zu herkömmlichen Polyester-Isolationen sehr schnell biologisch abbaubar ist (unter bestimmten Bedingungen).
Das gelingt durch eine spezielle Ausrüstung, die die Faser attraktiv für bestimmte Bakterien macht, die sie dann rasch zersetzen. Auch Fleece-Pionier Polartec hat eine neue Lösung im Gepäck: Mithilfe einer Kissen-Konstruktion schließt der neue Stoff Polartec Power Air wärmende Fasern im Inneren des Stoffes ein, sodass der neue isolierende Stoff bis zu fünfmal weniger Fasern verliert.
So nachhaltig sind die Kollektionen für Winter 2019/20: Tabelle 1
(Quelle: SAZsport)
So nachhaltig sind die Kollektionen für Winter 2019/20: Tabelle 2
(Quelle: SAZsport)
So nachhaltig sind die Kollektionen für Winter 2019/20: Tabelle 3
(Quelle: SAZsport)

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