Zahlreiche Innovationen 08.02.2019, 11:05 Uhr

Die neuen Skischuhe sind echte Alleskönner

Während sich beim Ski relativ wenig tut, trumpft der Schuh einmal mehr groß auf: Zur Saison 2019/20 gibt es Modelle, die technisch das volle Programm bieten.
Beim Duo Skischuh/Bindung haben die Hersteller im Gegensatz zum Ski in den vergangenen Jahren echte Innovationen geliefert: Ski/Walk-Funktion, Tools fürs Bootfitting und neuerdings Gripwalk. Dementsprechend entwickelt sich das Geschäft für den Sporthandel dort deutlich besser als bei Ski. Und das nicht nur was Mengen, sondern auch was die Steigerung von durchschnittlichen Verkaufspreisen und – ganz wichtig – die Margen betrifft.

Skischuhe der Zukunft

Die Top-Skischuhe des Winters 2019/20 darf man gut und gerne als echte Alleskönner bezeichnen: hochsportlich, mit einer Top-Fahrperformance, aber zugleich leicht, dazu mit Ski/Walk-Mechanismus und Gripwalk-Sohle. Ralph Letzing, Hartwaren-Einkäufer von Sport 2000, verspricht sich viel von den neuen Modellen der „echten Kategorie Allmountain“. Das seien Skischuhe, die man in ein, zwei Jahren in großer Anzahl in den Kollektionen und auf dem Markt sehen werde, prophezeit er. Als Paradebeispiel dürfte der „Ranger Free“ von Fischer dienen, der bereits in der letzten Saison vorgestellt wurde. Jetzt wartet das Unternehmen mit dem „Ranger One“ auf, der ebenso wie sein Bruder die oben gennanten Eigenschaften in sich vereint. Überzeugt von dem neuen Modell ist nicht nur Letzing, sondern auch die Jury des ISPO-Awards. „Herausragend“, lautete das Urteil.
Ein weiteres Highlight von Fischer ist der Rennstiefel „Podium GT“, der auch abseits der Piste einsetzbar sein soll. „Es gibt mit Sicherheit eine neue große Zielgruppe, die mit dem ‚Ranger One‘ abgeholt werden kann. Verkauft werden im Handel im Moment aber eher die ‚RC4 The Curv‘-Vacuum-Modelle, gefolgt von den ‚RC Pro‘-Modellen powered by Vacuum. Die Kollektion ist gesetzt“, meint Letzing. Für Marko Zitzelsberger, Abteilungsleiter Strategischer Einkauf bei Intersport, deckt Fischer mit seiner gesamten Schuhkollektion „wahnsinnig viele Bereiche“ ab, die Marke sei dort super aufgestellt. „Das sind jetzt zwar keine riesigen Stückzahlen, die wir davon verkaufen, aber die Schuhe kannst du jedem, der Wert auf Qualität und Kompetenz legt, empfehlen“, bemerkt er.
Die Top-Modelle für die Wintersaison 2019/20
(Quelle: Shutterstock / Monica Mayayo V)
Genau in dieselbe Richtung wie Fischer stiefelt Rossignol mit seiner neuen „Alltrack“-Linie los, die es auch für Damen gibt. Verhältnismäßig geringes Gewicht, Ski/Walk, Gripwalk auf dem Topschuh („Pro 130“) – geboten wird hier das komplette Programm. „Mit diesen Skischuhen wird Rossignol gewaltig kommen“, glaubt Letzing. Auch die Damenmodelle seien wunderschön, schwärmt der Einkäufer. Die Marke werde damit bei Sport 2000 einen weiteren Schritt nach vorne machen. Sein Intersport-Pendant Marko Zitzelsberger äußert sich in ähnlich lobender Weise über die neue Kollektion der Franzosen. Was die Bedeutung am Markt und die entsprechenden Anteile in Deutschland betrifft, scheint sich deren (Entwicklungs-)Arbeit noch nicht ausgezahlt zu haben: Die Marke habe bei Intersport einen nach wie vor geringen Anteil und hätte daher trotz eines zweistelligen Plus im letzten Winter keinen großen Schritt nach vorne gemacht, berichtet Zitzelsberger.
Ebenso mit einer brandneuen Linie wartet die Rossignol-Schwester Lange auf. „Bequem wie ein Pantoffel, leistungsstark wie ein Hochleistungsschuh“, lautet der Slogan der „LX“-Kollektion, deren Schuhe eine Leistenbreite von 102 Millimeter ­aufweisen. Als Aushängeschild gilt dabei die 120er-Version. Dazu hat Lange seine Worldcup-Serie neu designed – blauer Schuh, blaue Schnallen. Orange dagegen ist die Fixierung. Gesamturteil von Ralph Letzing: „Die Schuhe passen sehr gut, und unsere Händler können diese auch hochpreisig verkaufen.“ Und Marko Zitzelsberger lobt: „Im Performance-Bereich hat die Marke mit ‚RX‘ und ‚LX‘ zwei richtig gute Schuhkollektionen im Programm.“

„Wir sind DIE Alternative“

Mit der „Mindbender“-Serie sucht K2 sein Glück wieder abseits präparierter Pisten. Freeriding sei die DNA von K2, Freeriding sei das, wofür man uneingeschränkt stehe, heißt es aus dem Unternehmen. Und weiter: „Wir sind DIE Alternative zu den europäischen Rennmarken.“ Teil der Schuhkollektion sind unter anderem die Modelle „Mindbender 130“ und die Damenversion „Mindbender Alliance 110“. Basis für deren Entwicklung war die Powerlite Shell der bereits prämierten Allmountain-Boots „Recon“ und „Anthem“. Dazu bieten die „Mindbenders“ Ski/Walk und Gripwalk. „Ähnlich wie bei Fischer ist das der neue moderne Skischuh“, hebt Letzing den Daumen. Zudem sei das Design in einem angesagten coolen Look. Und Zitzelsberger erklärt, K2 habe wenige Schuhe im Programm, aber die, die es gebe, seien einfach auf den Punkt und qualitativ gut. Allerdings sei die Kategorie Freeriding ein spitzes Thema. Und zum neuen Weg meint er: „K2 erfindet sich derzeit neu. Bei der Marke ist das aber oft so: Sie geht zwei Schritte zurück, und dann kommt sie wieder richtig stark.“
Obwohl sich Salomon nach wie vor als Nr. 1 im Markt bezeichnen darf, hat die Amer-Sports-Tochter doch in der jüngeren Vergangenheit etwas an Terrain eingebüßt. Um eine Einheitlichkeit in der Namensgebung zu schaffen, nennt man zur Saison 2019/20 nach dem Ski nun auch den Schuh „S/Pro“ (vorher „X Pro“). Angeboten wird dieser in gleich sieben verschiedenen Flex-Varianten – von 130 jeweils in Zehnerschritten bis 70. Von jedem dieser Modelle (Ausnahme 130) gibt es auch eine spezielle Damenvariante. Natürlich sind alle Schuhe kompatibel zu Custom Shell, der bekannten und bewährten Bootfitting-Lösung von Salomon. „Mit ihrer neuen Kollektion ist die Marke breit aufgestellt. Da werden richtig gute Schuhe zu vernünftigen Preisen angeboten“, zeigt sich der Intersportler Zitzelsberger angetan von den jüngsten Erzeugnissen der Franzosen. Gespannt ist der Sport-2000-Einkäufer Letzing darauf, ob Salomon mit dem neuen „S/Pro“ die verlorenen Mengen und Umsätze abfangen und die Position Nr. 1 wieder ausbauen könne.

Retro-Welle bei Atomic

Für die größte Überraschung der Winter-Saison hat ganz ohne Zweifel Atomic, die zweite große Skimarke im Amer-Sports-Konzern, gesorgt. Ob positiv oder negativ, sei erst einmal dahingestellt – höchst umstritten ist die „neue“ Erfindung auf jeden Fall.
Mit seiner neuen Serie „Savor“ bringt Atomic tatsächlich den Heckeinsteiger wieder auf die Piste.
(Quelle: Atomic / Georg Wallner)
Im Skischuh-Bereich bringt die Marke in Form der einsteigerfreundlichen „Savor“-Serie tatsächlich den Heckein-steiger wieder auf den Markt (die späten 1980er-Jahre lassen dabei herzlich grüßen): in der Farbe Schwarz und mit einem VK ab 299 Euro aufwärts. Besonders der Preis dürfte dem einen oder anderen Händler arge Kopfschmerzen bereiten. „Für die Zielgruppe der 25- bis 35-Jährigen wird dieser Schuh etwas total Neues, Cooles sein, weil sie den alten Heckeinsteiger von vor 30 Jahren gar nicht mehr kennt. So kann dieser auch in seiner Einfachheit durchaus Erfolg haben“, gibt Letzing zu Protokoll. „Gewagt“ findet er jedoch die Preispositionierung der neuen Modelle. Nach Einschätzung von Zitzelsberger ist diese Kollektion ohnehin besser für den Verleih geeignet. „Wenn man die Modelle in Kontext zu einem Topschuh wie dem ‚Hawx‘ setzt, dann passt diese Entwicklung überhaupt nicht“, bemängelt der Manager. Dazu seien diese auch vom Design einfach gehalten.
Das Tourenmodell „Backland“ hatte Atomic vor vier Jahren entwickelt, jetzt kommt eine neue Generation auf den Markt – mit einfacherem Handling, geringerem Gewicht, Boa-Fit-System. Das sei eine wirkliche Innovation, lobt Letzing.

Mit Graphen und Gel

Bei Head, hierzulande traditionell eine starke Nr. 2 im Skischuh-Bereich, wurde die in der Saison 2018/19 vorgestellte Linie „Nexo LYT“ um die Serien „Nexo RS“ und „Edge LYT“ erweitert. Durch den Einsatz des Werkstoffs Graphen konnte die Schale dünner verarbeitet und somit spürbar Gewicht reduziert werden. Was gleich bleibt, ist die Fahrperformance. Eine Neuerung stellte damals auch ein in den Innenschuh eingespritztes Gel dar (auf Paraffinbasis) – mit dem Ziel, den Schuh perfekt dem Knöchel anzupassen und eine Entstehung von Druckstellen zu verhindern. Diese Technologie namens „Liquid Fit“ setzt Head nicht nur bei den Modellen „Nexo RS“ (Leistenbreite 98 Millimeter) und „Edge LYT“ (102 Millimeter), sondern auch beim bestehenden Topseller „Raptor 140 RS“ ein. „Es gab in der Vergangenheit immer mal die Kritik, dass bei Head im Schuhbereich zu wenig passiert. Die Marke hat viel dafür getan, um dies zu widerlegen“, bemerkt Marko Zitzelsberger.
Im Erwachsenenbereich ist die „Speedmachine“-Schuhkollektion von Nordica seit Jahren etabliert. Zur Saison 2019/20 wird diese auch in einer Junior-Version angeboten. Was obendrein noch besonders ist: Der „Speedmachine J3 Plus“ lässt sich dank Tri-Force-Schale und InfraRed-Technologie individuell für den jugendlichen Skifahrer anpassen. Apropos Anpassung: Genauso wie der Schuh an sich kann auch dessen Flex ohne Werkzeug durch den Weight Adjustment Switch dreistufig verändert werden. Zudem ist die Gripwalk-Sohle beim „Speedmachine J3 Plus“ bereits vormontiert.
Außerdem hat Nordica die „The Cruise“-Kollektion weiterentwickelt, die sich wesentlich schlanker und leichter zeigt: 40 Prozent weniger Volumen bedeuten zum Beispiel beim 120er- und 95-W-Modell 20 Prozent weniger Gewicht. Natürlich sind alle Modelle mit Infra-Red individuell anpassbar und zudem mit der Gripwalk-Option versehen. „Nordica bietet mit der ‚Machine‘-Familie, teilweise schon ausgestattet mit Gripwalk-Sohlen, eine sehr attraktive Kollektion“, findet Letzing. Derzeit noch die Nr. 5 im Lieferantenranking der Sport 2000, werde die Marke wieder einen Schritt nach vorne machen. Genauso prophezeit ihr das Zitzelsberger, der Nordica den Sprung von Platz fünf auf vier zutraut. Und er meint sogar: „Für mich ist die Skischuh-Kollektion von Nordica momentan eine der besten im Markt und eine meiner Favoriten.“ Zumal sich die Marke auch im Kinderbereich stark weiterentwickelt habe.
Die Schwester Tecnica fokussiert sich dagegen weiterhin auf ihre Erfolgsserie „Mach 1“. Der voll anpassbare High-Performance-Stiefel „Mach 1 Low Volume“ komplettiert das Volumenkonzept dieser Kollektion. Dabei wurde der Innenschuh neu konzipiert. „Die ‚Mach-1‘-Trilogie funktioniert“, zollt Letzing den Italienern ein Lob, und Zitzelsberger meint anerkennend: „Ein sehr guter Schuh. Tecnica ist gut unterwegs bei uns und hat sich nach vorne entwickelt, weil die Marke jetzt auch richtig gute Schuhe baut. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen passend zum Blizzard-Tourenski „Zero G“ auch den Schuh auf den Markt gebracht („Zero G Tour Pro“). Bei Sport 2000 ­gewinne dieses Modell immer mehr. Auch die eher Dynafitaffinen Händler griffen mitterweile zu diesem Schuh, berichtet Letzing.
Landsmann Dalbello hat seine im vergangenen Jahr eingeführte „DS“-Kollektion um den „Asolo Factory“ erweitert. Der als Topschuh der Linie ausgewiesene Stiefel ist für beste Performance, Kraftübertragung und Komfort unter anderem erneut mit Power-Cage ausgestattet. Hierbei handelt es sich um zweifach eingespritztes und damit härteres Material. Dank des Gewichts von 1.700 Gramm (Herren) und 1.570 Gramm (Damen) pro Schuh sowie dem 98-Millimeter-Leisten verspricht der „Asolo Factory“ einen noch kompakteren, direkteren und aggressiveren Auftritt. Neue Modelle gibt es auch in der bekannten Serie „Panterra“, und zwar gleich acht verschiedene, darunter eines für Damen. Diese ist mit vormontierten Gripwalk-Sohlen erhältlich.

Feinste Lammwellfolle

Last but not least vermeldet auch die Marke AquaNovoBoot eine interessante Neuigkeit zur Saison 2019/20.
 All ihre Modelle  rüstet die Marke AquaNovoBoot mit einem neuen Innenschuh aus Lammfellwolle aus.
(Quelle: Aqua Novo Boot)
So sind alle sechs Modelle im geschäumten Innenschuh mit feinster Lammfellwolle versehen. Selbst die anatomische 3D-Einlegesohle besteht aus Merinowolle. Zur Kollektion zählen der Ganador in den Flex-Versionen 100, 120 und 130 (für Einsteiger bis hoch sportliche Fahrer), der „Delgada 110“ (für schmale Füße), der „Reggae“ (für Freerider) sowie der „El Mastin 140“ (für Rennsportler). Geschäftsführerin Jutta Zeisler dazu: „Wir haben unser hoch innovatives und patentiertes Anfertigungs-verfahren im Wasser kombiniert mit einem in Vergessenheit geratenen Naturprodukt, der echten Wolle, die für wohlige Wärme und perfektes Fußklima steht.“ Und Albrecht Zeisler ergänzt: „Mit diesem Innenschuh haben wir den Spagat des Kundenwunsches von hohem Tragekomfort und gleichzeitig sportlicher Performance optimal erreicht.“

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