Bald auf Deutschlands Straßen zugelassen
14.05.2019, 09:06 Uhr

E-Scooter als Chance für den Sportfachhandel

Endlich hat sich der Gesetzgeber bewegt: E-Scooter werden bald für den Straßenverkehr zugelassen sein. Wie zwei der führenden Hersteller darauf reagieren – und welche Rolle der Sporthandel dabei spielen könnte.
(Quelle: Micro Mobility Systems )
Egal, wie man politisch und inhaltlich zu der jeweiligen Person stehen mag, lässt sich doch mit Fug und Recht behaupten, dass ein Bundesverkehrsminister in Deutschland um seinen Job nicht wirklich zu beneiden ist. Der derzeitige Amtsinhaber, Andreas Scheuer von der CSU, hat dessen Härte bereits am ­eigenen Leib erfahren – in Zeiten von Diesel-Fahrverboten, PKW-Maut-Vorstößen und einer schlechten digitalen Infrastruktur im Land. Beim Thema urbaner Mobilität scheint dem Politiker jedoch ein (später) Erfolg geglückt zu sein: Am 3. April hatte er eine Verordnung zur Nutzung von Kleinstfahrzeugen auf den Weg gebracht, was bedeutet, dass E-Scooter nun endlich auch in Deutschland am Straßenverkehr werden teilhaben dürfen. Der Bundesrat wird dem Gesetzesentwurf noch zustimmen müssen, voraussichtlich am 17. Mai, doch das scheint keine große Hürde mehr zu sein (selbst wenn derzeit über einzelne Punkte noch debattiert wird).

„Richtige Fahrzeuge“

Nicht nur für die New-Mobility-, sondern auch für unsere Branche stellt die Lex E-Scooter einen Befreiungsschlag dar. Bisher hatte das Sortiment allenfalls Spaßcharakter, da die Roller aufgrund der fehlenden Straßenzulassung nur auf Privatwegen gefahren werden durften. „Die Geräte werden nun nicht mehr nur als Spielzeug wahrgenommen, sondern als richtige Fahrzeuge und Alternativen für den Bereich der urbanen Mobilität“, hebt Anton Wisbauer, Vertriebsleiter Deutschland für den Schweizer Scooter-Spezialisten Micro Mobility, den Daumen. Und auch sein Branchenkollege Manuel Aberle, CEO der Firma Big Trend aus Hongkong, Inhaberin unter anderem der Marke CityBlitz, zeigt sich stell­vertretend für alle Hersteller in diesem Bereich erfreut darüber, „dass Deutschland nun als eines der letzten Länder in Europa eine Regelung findet“.
Mobiler Meilenstein: E-Scooter werden demnächst auch auf Deutschlands Straßen zu sehen sein und dürfen dort bis zu 20 km/h schnell fahren.
(Quelle: Micro Mobility Systems)
Allerdings, so schränkt er ein, werde es zwei Kategorien von E-Scootern geben, die unabhängig voneinander sehr gut ­verkauft würden: zugelassene, aber auch nicht zugelassene E-Scooter (diese nennt er Fun-Scooter). Der Grund: Die Anforderungen an eine ABE (Anm. d. Red.: Abkürzung für Allgemeine Betriebserlaubnis) machten es nicht möglich, Scooter im Preiseinstiegsbereich ABE-zulässig umzusetzen. So werden die Modelle der Marke ohne Zulassung im VK-Bereich zwischen 199 und 399 Euro liegen, die mit bei voraussichtlich ca. 499 Euro. Den Gesamtmarkt für Deutschland sieht Aberle für dieses Jahr bei weit über einer Million E-Scooter, man selbst habe bereits jetzt – unabhängig von der Gesetzeslage – zwischen 80.000 und 100.000 Fun-Scooter ­abgesetzt. Modelle mit ABE würden diese Zahl natürlich noch deutlich nach oben bringen. Allerdings ist bisher nur jedes hundertste Modell von CityBlitz in den Sporthandel gegangen. Die Elektronik-Fachmärkte sind hier mit 85 Prozent Anteil extrem dominant, gefolgt von den Versendern mit zehn Prozent und Amazon mit vier Prozent. „E-Mobility muss als dauerhaftes Produkt in den Geschäften präsentiert werden. Es handelt sich nicht um ein Saison- oder Trendprodukt. Jedem muss bewusst sein, dass E-Scooter in den nächsten Jahren das mit Abstand interessanteste Produkt überhaupt sind“, betont Aberle. Der CEO von Big Trend geht sogar so weit, das Produkt als „das neue iPhone der heutigen Zeit“ zu bezeichnen.
Deutlich präsenter ist der Sporthandel offenbar mit der Marke Micro Mobility. Verkaufsleiter Wisbauer schätzt, dass ca. 60 Prozent der hauseigenen E-Scooter in den Sport- und Bikehandel geliefert werden. „Wir setzen weiter auf unsere Multichannel-Strategie, bei der der Fachhandel eine wesentliche Rolle spielt. Unsere Kunden sollen und müssen die Produkte von Micro Mobility erleben und spüren, und das gelingt über den Fachhandel am besten“, betont er. Neue E-Scooter-Modelle sollen im Herbst 2019 auf den Markt kommen, diese werden im VK-Bereich zwischen 700 und 1.100 Euro liegen. Bedenken, dass der Endverbraucher dieses Sortiment mehr bei den Elektronik-Fachmärkten verortet und folglich eher dort kauft als im Sporthandel, hat Wisbauer nicht. Seiner Einschätzung nach wird sich die Nachfrage ähnlich verhalten wie beim E-Bike: Der Fachhandel habe hier einen Vertrauensbonus, den es zu nutzen gelte.
Bei den Händlern der Sport 2000 spielt das Thema E-Mobilität bisher noch kaum eine Rolle. Der Sporthandel sei aber immer heiß auf Trends, und das sei natürlich auch im Falle der E-Mobilität so, beteuert Hartwaren-Einkäufer Mathias Eichler. Dabei gehe aber Qualität vor Quantität. „Vielmehr sollte der Fachhandel die Chance nutzen und das Thema langfristig sehen, denn wir haben hier die Möglichkeit, einen brandheißen Artikel im Sportfachhandel zu implementieren. Scooter haben sich im Sportfachhandel etabliert, warum sollten E-Scooter dies nicht auch tun?“, zeigt sich Eichler optimistisch. Und er verspricht in Richtung seiner Mitglieder im Verband: „Wir werden unseren Händlern in der ­zweiten Jahreshälfte 2019 ein ordentliches Sortiment bieten, welches dem Sportfachhandel gerecht wird.“

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