Winter-Boot-Trend 12.02.2019, 09:28 Uhr

Die Preisführer beißen an

Urban und Alltagstauglichkeit ist Trend bei Winterstiefeln. Das durchaus launige, weil wetterfühlige Segment gerät zunehmend unter Druck durch Verbandsmarken und Discounter.
Guter Winter, gute Verkäufe, schlechter Winter, schlechte Verkäufe: Diese Grundregel im Sporthandel trifft insbesondere bei Winterschuhen zu. Bei Intersport haben sich die Umsätze in dieser Kategorie in den vergangen drei Herbst-/Wintersaisons entsprechend sprunghaft verhalten. Von September bis Februar 2015/16 sanken die Verkäufe von Winter-Boots bei den Händlern um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, in der nächsten Saison stiegen sie um neun Prozent und für 2017/18 meldete Heilbronn pari.
(Quelle: NPD Group)
Im Handelspanel des Marktforschungsinstituts NPD Group, das geschätzte 50 bis 60 Prozent vom Gesamtmarkt abdeckt, haben die Winterschuhe zuletzt stark verloren. Nachdem diese Kategorie 2016 ein Volumen von rund 17,4 Mio. Euro und 2017 rund 22,5 Mio. Euro erzielte, gehen die Marktforscher für 2018 von einem negativen Trend aus. „Grund dafür ist der starke Dezember 2017“, erklärt Dietmar Brandl, Analyst bei der NPD Group. „Das nasskalte Wetter hat WinterBoots deutlich in die Höhe getrieben. Nachdem sich der Kunde aber bestenfalls einmal pro Saison (eher einmal alle paar Jahre) Winterschuhe kauft, sind die ersten Monate von 2018 stark negativ.“ Inklusive der Dezember-Daten (die zu Redaktionsschluss nicht vorlagen) geht Brandl davon aus, dass der Rückgang für das komplette Jahr 2018 durch den recht warmen Dezember 2018 noch deutlicher ausfallen wird als für den Zeitraum Januar bis ­November. Der Absatz dieses Bedarfsar­tikels kann im Dezember fast die Hälfte des Gesamtjahresvolumens betragen.
„Der Markt für Winterschuhe ist ein ­Saisongeschäft und immer abhängig vom Winter selbst“, weiß Stefan Müller, Verkaufsleiter bei Outdoor-Schuster Meindl. Die Kirchanschöringer sehen „einen Trend zu funktionellen Winterschuhen, die breit eingesetzt werden können. Schuhe, die sich für leichte Wintertouren eignen und zusätzlich eine coole Optik bieten, um als Alltagsschuh in der Stadt zu taugen“, erläutert Müller. „Ein weiterer Trend sind ausgedehnte Winterwanderungen, Berg- oder Schneeschuhtouren.“

Schuhe für Alltag und Tour

„Wir beobachten eine positive Entwicklung bei Schuhmodellen, die für eher kurze Ausflüge in den Schnee oder ins nasskalte Winterwetter konzipiert sind. Ihnen kommt daher aus kommerzieller Sicht eine zunehmend wichtigere Rolle zu“, erklärt Hanwag-Geschäftsführer Thomas Gröger. Daneben würden bei der Fenix-Tochter aber nach wie vor Schuhe aus der Kategorie „zwiegenäht“ und „echter Winter-Outdoor-Stiefel“ nachgefragt.
Zufrieden zeigt sich Oliver Korden, Abteilungsleiter Schuhe bei Vaude: „Mit der eher moderaten Ausrichtung im Isolationspaket der Winterschuhe und der Kombination aus Performance und Ökologie treffen wir wohl einen Kundenkreis, der gut zu uns passt. Die Produkte werden gut angenommen, und der urbane, sportliche Touch spiegelt auch den Zeitgeist einer größeren Zielgruppe aktuell wider.“
„Bedingt durch den (späten) Start des Winters sind Übergangsschuhe (Mid Season) für nasskalte Tage stärker nachgefragt. Diese haben optimalerweise einen citytauglichen Look und sind damit Schuhe für jeden Tag von Oktober an“, bemerkt Matthias Wanner, internationaler Verkaufsleiter von Lowa. Der klassische, schwarze Winterstiefel bestehe bei der Tecnica-Tochter weiterhin und werde leicht verändert interpretiert: natürliche Farben, urbane Orientierung. „Diverse Farbvarianten erweitern das Sortiment – nicht nur bei Damen und Kids, sondern auch bei den Herrenmodellen.“ Bei den Kindermodellen seien die Eltern bereit, für Qualität und Funktion etwas mehr zu investieren, verrät Wanner, hier habe sich jetzt eine stabile zweite und dritte Preisgruppe etabliert.

Im Fokus der Discounter

Korden von Vaude sieht hingegen den Winterschuhbereich stark im Fokus der Verbands-Eigenmarken, aber auch der Discounter. Ein entsprechender Preisdruck sei vorhanden. So gewöhne sich der Endkonsument an günstige Preise bei Winterschuhen und nach einer Saison lande das Paar leider im Müll, berichtet Korden. Gerade bei Winterschuhen für Kinder sei dies der Fall.
Aus der umfassenden Winterkollektion von Meindl bildet für die kommende Saison der „Montafon GTX“ das Highlight-­Modell, das „allen Anforderungen gerecht wird“. Hochisolierend, absolut wasserdicht und mit Grip auf Matsch, Schnee und Eis – ein idealer Winterschuh vereint diese Kriterien in sich. Meindl bietet verschiedene Sohlen passend abgestimmt auf das jeweilige Modell an. Eine spezielle Wintersohle von Vibram mit Pyramidenstruktur sorgt dafür, dass die gesamte Sohlengrundfläche in den Untergrund greift. Sie wird erstmals auf der ISPO zu sehen sein.
Auch Hanwag konzipiert seine Sohlen gemäß Einsatzbereich. Da die für Wanderschuhe typische Absatzfront beim Bergabgehen wie eine Bremse wirkt, verzichten die Jetzendorfer bei allen Wintersohlen weitgehend auf diese Absatzfront. „Dadurch bekommt die Sohle mehr Auf­lagefläche, was – neben Gummi­mischung und Profildesign – den Sohlen-Grip im Winter beeinflusst“, erklärt Gröger. Bis auf zwei ganzjährig produzierte, zwiegenähte Schuhmodelle laufen sämt­liche Winterschuhe von Hanwag auf speziellen Wintersohlen – auf der Michelin-„V-Rough“-Sohle oder einer IceGrip-Sohle.
Lowa verwendet ausschließlich eigene Sohlen oder die des Partners Vibram. Die Sohlentechnologie „Arctic Grip“ von Vibram gehe nun in die zweite Saison – mit überzeugenden Verkaufserfolgen, so Wanner.
Bei der Isolation nutzt Meindl sein chromfrei gegerbtes, zwölf Millimeter langes Lammfell als Innenfutter. „Wir sehen es nach wie vor als eines der besten Isolierungsmaterialien, weil es für ein hervor­ragendes Klima im Schuh sorgt“, erklärt Müller und kündigt auch in diesem Bereich neue Modelle auf der Messe an. Um das Zusammenspiel von Sohle und Schaft bei der Isolation von Winterschuhen auch bei zweistelligen Minusgraden zu testen, lässt Lowa beispielsweise ihre Funktionsfähigkeit im Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens überprüfen.

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