Interesse an Eislaufen steigt 04.02.2019, 08:50 Uhr

Freizeitsport dominiert den Verkauf von Schlittschuhen

Sportarten wie Eislaufen und Eishockey werden immer beliebter. Doch die Absatzentwicklung bei Händlern und Herstellern hängt vor allem bei Schlittschuhen für Freizeiteislaufen stark von den Wetterverhältnissen ab.
Ein Beitrag von David Wolf
Bei den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang zu Beginn des Jahres 2018 feierte die Deutsche Eishockey-Nationalmannschaft einen sensationellen Erfolg. Im ­Finale musste sie sich dem russischen Team erst in der Verlängerung geschlagen geben. Das bis dahin beste Ergebnis der DEB-Auswahl bei Olympischen Spielen war die Bronze-Medaille 1976.
Nun haben sportliche Großereignisse und die dabei erzielten Ergebnisse der Sportler eine Strahlkraft auf den Breitensport. Gemäß einer Untersuchung des Statistischen Bundesamtes, die auf einer Umfrage unter 1.000 Teilnehmern zum ­Interesse an Wintersportdisziplinen beruht, stieg die Zahl der Deutschen, die sich für Eishockey interessiert, im März 2018 auf 30 Prozent. Ein Anstieg um fünf Prozentpunkte gegenüber 2017. Damit überflügelt Eishockey die so beliebte Wintersportart Ski Alpin knapp um ein Prozent.
Eishockey ist also populärer geworden. Das bestätigt auch Gert Acker, Geschäftsführer von Venatic Trading, einem Hersteller von Eishockeyschlägern. Um rund zehn bis 15 Prozent habe der Absatz seiner Eis­hockeyschläger im Vergleich zum letzten Jahr bislang zugelegt. „Als Trendsportart würde ich Eishockey dennoch nicht bezeichnen. Es erfährt nur eine größere mediale Aufmerksamkeit, was der Sportart sicherlich gut bekommt“, meint Acker. Primär seien es Kinder, die neu für den Sport gewonnen werden konnten. Die Hauptzielgruppe von Venatic liege jedoch im Hobby- und Seniorenbereich. Das Unternehmen verkauft Eishockeyschläger über den eigenen Online-Shop sowie aktuell über einen Vertriebspartner in Slowenien.
Eislaufen mit Freunden und Familie erfreut sich zunehmender Beliebtheit.
Quelle: Hudora
Roces, Hersteller von Schlittschuhen für Eishockey, Eiskunstlauf sowie Freizeiteislaufen, bestätigt, dass Eissport in der Freizeitgestaltung wieder einen höheren Stellenwert einnehme. Dies liege daran, dass viele Menschen gerne Outdoor-Sport machen. „Draußen sein ist in“, sagt Dominik Wieder, Verantwortlicher für den Vertrieb von Roces-Produkten in Deutschland. Von einem Revival des Eissports in der Breite, wie es ihn in den 1970er- und 1980er-Jahren flächendeckend gab, möch­te er jedoch nicht sprechen.
Mit dem aktuellen Saisonverlauf ist ­Roces, trotz der schlechten Witterungsbedingungen zwischen September und November, durchweg zufrieden. Bei den Abverkäufen bewegt sich das Unternehmen auf gleichem Niveau wie im Vorjahr. Sollte es in den Monaten Januar und Februar aufgrund starker Kälte zur Bildung von Natureis kommen, könnte dies kurzfristig mit großen Nachfragespitzen einhergehen, die einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Jahresergebnis haben können, meint Dominik Wieder.

Freizeit-Eislauf dominiert den Eissport-Markt

Die Schlittschuhe von Roces haben starken Freizeitcharakter und stellen den größten Anteil am Umsatz des Unternehmens dar. „Auch der Gesamtmarkt wird unserer Einschätzung nach in Bezug auf verkaufte Paarzahlen klar vom Freizeit­sektor dominiert, was nicht zuletzt dem hohen Anteil verkaufter Kinderschlittschuhe geschuldet ist“, sagt Wieder.
Bei Intersport hat sich der Verkauf von Produkten für den Eissport bis Weihnachten zufriedenstellend entwickelt. „Insgesamt stellen wir im Segment Eissport bis dato einen leichten Umsatzrückgang fest, der auf die warme Witterung zurückzuführen ist“, sagt Marko Zitzelsberger, Abteilungsleiter Strategische Marken. Das Problem: Eissport kann bei wärmeren Temperaturen nur in Eishallen und auf mobilen Eislaufflächen betrieben werden. Sobald Seen zufrieren, rechnet Intersport allerdings mit einer großen Nachfrage. Der Verband verkauft Schlittschuhe für Eishockey und Schlittschuhe für Eiskunstlauf sowie Freizeiteislaufen im Verhältnis 60:40. „Im Bereich Freizeiteislaufen konnten wir zuletzt einen Zuwachs von über 30 Prozent verzeichnen“, so Zitzelsberger.
Bei Schanner, Distributor von elf Marken aus dem Eishockey- und Funsportsegment, blickt man zufrieden auf die Bereiche Eiskunstlauf, Freizeiteislauf und Eishockey. „Alle drei Kategorien wachsen ­relativ identisch“, sagt Verkaufsleiter Mathias Angele. Es werden vermehrt höherpreisige Produkte nachgefragt. Dies zeige, dass sich Handel und Endverbraucher immer mehr mit dem Thema Eissport beschäftigen und ihr Augenmerk auf Qualität und Performance legen, auch in den Einstiegspreislagen, so Angele. Der Sporthandel könne sich durch eine gute Produktpräsentation, auch mit Accessoires, im Shop abheben und positionieren.
Eher verhalten entwickelt sich dagegen der Markt für Eissportprodukte bei Hudora. Umwelteinflüsse und immer wärmer werdende Winter beeinflussen die Nachfrage und die Absätze, so das Unternehmen. Positiv dagegen sieht Hudora die ­zunehmende Installation mobiler Freilufteisflächen und Kunsteisflächen in den Innenstädten zur Weihnachtszeit. „So können vor allem junge Kunden an den Eissport herangeführt werden“, sagt Christoph Bernsmann, Bereichsleiter Produktmanagement.

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