Studie zu ortsbasierten Diensten im Handel 04.11.2018, 16:08 Uhr

WLAN im Laden wird immer wichtiger

Händler und Marken nutzen ortsbasierte Dienste, um der Online-Konkurrenz zu begegnen und den veränderten Kundengewohnheiten zu entsprechen. Deutsche Händler sind dabei einer Studie zufolge führend.
Ein Beitrag von Maximilian Feigl
Ortsbasierte Dienste nutzen verschiedene Sensoren, um den Standort eines Verbrauchers oder eines Produktes zu ermitteln. Dieses Wissen wird dann auf verschiedene Arten genutzt. So können zum Beispiel Kunden beim Betreten eines Ladens mit einer Nachricht auf ihrem Handy begrüßt werden. Oder der Wareneingang im Lager wird digitalisiert, sodass Mitarbeiter nicht jede Lieferung von Hand überprüfen müssen. Darüber hinaus versteht man unter den ortsbasierten Diensten oft noch mehr: Innovative digitale Lösungen, die vor Ort neue Einkaufserlebnisse schaffen.
Ein gutes Beispiel für die Implementierung solcher Lösungen ist Sport Förg aus Friedberg. Der Gewinner in der Kategorie Out of Line beim diesjährigen "Store of the Year 2018"-Award des Handelsverbands bietet seinen Kunden mit einem Skisimulator ein ungewöhnliches Erlebnis. Steigt ein Kunde in dessen Bindungen, beginnen Motoren damit, die Abfahrten nachzustellen. Mit einer Virtual-Reality-Brille sieht er diese dabei vor sich. So stellt der Nutzer des Tools nicht nur sein Können unter Beweis, sondern kann auch das Equipment testen. Die Berater von Sport Förg geben dabei Feedback und helfen bei der Optimierung von Fähigkeiten und Ausrüstung.

Deutschland führend im Einsatz ortsbasierter Technologien

Grundlage für solche Lösungen sind natürlich die nötigen Technologien, wie zum Beispiel WLAN im Laden, über das sich die Geräte mit dem Internet verbinden und die nötigen Informationen abrufen können. Im „Global Location Trend Report 2018“ (4. Auflage) untersuchte die weltweit aktive Location Based Services Association (LBMA) wie weit verbreitet diese Technologien inzwischen sind. Auch die Dienste, die auf ihnen aufbauen, wurden betrachtet. Hierfür wurden Verantwortliche aus über 600 Unternehmen befragt, die in Deutschland, den USA, Kanada, Großbritannien oder Singapur ihren Sitz haben. Das Ergebnis: In Deutschland verwenden bereits 89 % der befragten Unternehmen ortsbasierte Dienste. Das entspricht einer Steigerung um acht Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr und platziert Deutschland an der globalen Spitze.
Zum Vergleich: Im Studien-Durchschnitt verwenden 77 % der Unternehmen ortsbasierte Technologien oder Dienste. Im zweitplatzierten Singapur nutzen aktuell 88 % der Befragten ortsbasierte Daten. Die USA verharren mit 74 % weiter im Mittelfeld, gefolgt von Kanada mit 69 % und Schlusslicht Großbritannien mit 63 %.

Einsatz verschiedener Technologien

(Quelle: Location Based Services Association)
WLAN wird dabei von den meisten Befragten bereits genutzt. Unter den deutschen Umfrageteilnehmern haben bereits 66 % ein drahtloses Netzwerk im Einsatz. Auch die Ortung per GPS wird von der Mehrheit (63 %) genutzt. Hier geht es meistens darum, Kunden, die sich in der Nähe eines Geschäftes befinden, auf dieses aufmerksam zu machen. Dies geschieht häufig per SMS oder über eine Nachricht innerhalb einer App – sofern der Nutzer diese installiert hat. Noch deutlich weniger im Einsatz sind Beacon-Technologie (39 %) und Near Field Communication (NFC, 38 %). Bei erstere handelt es sich um kleine Geräte, die konstant ein bestimmtes Signal aussenden. Dieses wird zum Beispiel vom Smartphone eines Kunden wahrgenommen, woraufhin eine Aktion ausgelöst wird. Der Funkstandard NFC der RFID-Technologie (RFID = Radio Frequency Identification) wiederum wird meist mit kontaktlosen Zahlungen in Verbindung gebracht.
Wie der Einsatz solcher Technologien vor Ort aussehen kann, demonstriert Vaude. Der Anbieter funktioneller Produkte für Berg- und Bikesportler stellt Sporthändlern eine App zur Verfügung, die alle Informationen zu seinen Produkten enthält. So können die Verkäufer jederzeit auf jedes Detail zugreifen. Dazu muss das Verkaufspersonal lediglich mit der App die EAN am Produkt einscannen, schon zeigt das Display das Produktprofil mit sämtlichen von Vaude zur Verfügung gestellten Bildern, Texten und Videos.
(Quelle: Location Based Services Association)
Generell sind sich die Unternehmen weltweit einig, dass sie vor allem bei der gezielten Kundenansprache von standortbasierten Angeboten profitieren. Deutsche sehen zudem verstärkt Vorteile bei sinnvollen Personalisierungsoptionen (49 %) und für eine Umsatzsteigerung am Point of Sale (48 %). Außerhalb des Marketings kommen die Dienste vor allem im Kundenservice (Deutschland: 71 %) zum Einsatz, zudem werden sie hierzulande verstärkt für die Planung von Filial-Layouts (56 %) und für Sicherheitsmaßnahmen (44 %) genutzt.

LOCA Conference in Wiesbaden

Wer mehr über Technologien zur Digitalisierung des Handels erfahren möchte, kann sich auf der nächstjährigen LOCA Conference am 6. und 7. Februar in Wiesbaden ausgiebig informieren.  Unter dem Motto „Digital Locations – Konsumsteigerung durch On- und Offline-Vernetzung“ werden dort aktuelle Trends und die neuesten ortsbasierten Technologien präsentiert. Das branchenübergreifende Konferenzprogramm ermöglicht es allen Akteuren, mit Entscheidern aus anderen Industrien in Kontakt zu treten und sich auszutauschen. Ein Höhepunkt des ersten Tages wird die Vorstellung der Ausgabe 2019 des  „Global Location Trend Report“ sein. Am zweiten Programmtag können die Veranstaltungsteilnehmer zudem die beliebte Retailtour miterleben, bei der diverse Unternehmen in und um Wiesbaden in ihren Räumen innovative Lösungen und Anwendungen aus dem Location-Bereich präsentieren. Weitere Informationen zur „LOCA Conference - Location Technologien, Marketing und Services for Retail, Advertisement and Industry” gibt es unter www.loca-conference.com

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