Interview mit Profi-Gewichtheberin 05.11.2018, 16:05 Uhr

Starkes Leichtgewicht

Die Südafrikanerin Mona Pretorius spricht über ihre Karriere als Gewichtheberin, ihre sportlichen Ziele und den weiblichen Nachwuchs in ihrer Sportart
(Quelle: Mona Pretorius )
Man sieht es der kleinen, blonden Frau nicht gleich an, welche Kraft in ihr steckt, doch Mona Pretorius kann bereits auf eine 18-jährige Karriere im Bereich Gewichtheben, CrossFit und Karate zurückblicken. Die 30-Jährige ist sechsfache Karate-Weltmeisterin, mehrmalige afrikanische CrossFit-Meisterin und gewann in diesem Jahr die African Championships und eine Bronzemedaille bei den Commonwealth Games. Zurzeit nimmt sie an der Weltmeisterschaft im Gewichtheben in Turkmenistan teil.
SAZsport: Frau Pretorius, Gewichtheben wurde erst im Jahr 2000 bei den Olympischen Spielen in Sydney für Frauen zugelassen. Wie sind Sie zu dieser für Frauen eher unüblichen Sportart gekommen?
Mona Pretorius: Ich war zwölf Jahre alt, als ich mit dem Gewicht­heben angefangen habe. Das war allerdings nicht meine eigene Entscheidung, sondern die meines Vaters, der auch mein Trainer war. Ich werde ihm aber immer dankbar dafür sein, dass er mich dazu gedrängt hat, denn ich bin sechsfache Karate-Weltmeisterin, Athletin bei den CrossFit-Games und Profi-Gewichtheberin. Ich liebe den Sport und die Herausforderungen, die damit verbunden sind. Mein Vater hat viel dazu beigetragen, dass ich auch in schwierigen Zeiten motiviert war.
SAZsport: Werden Frauen in dieser männlich dominierten Sportart eigentlich ernst genommen?
Pretorius: Ja, mittlerweile schon. Um 2000 haben Frauen langsam damit angefangen, schwere Gewichte zu heben, und mit der Jahrtausendwende gab es dann auch eine Wendung in der Akzeptanz. Das Aufkommen des CrossFit-Trends hat viel dazu beigetragen, dass die Anzahl der Gewicht­heberinnen enorm gewachsen ist. Heute ist es fast selbstverständlich und gehört mit zum modernen Lifestyle, dass Frauen irgendeine Art von Gewichttraining machen, weil sie daraus zahlreiche gesundheitliche und körperliche Vorteile ziehen.
SAZsport: Wie sieht es mit dem weiblichen Nachwuchs beim Gewichtheben aus?
Pretorius: Frauen zeigen ein wachsendes Interesse an der Sportart. Mädchen fangen bereits im Alter von acht oder neun Jahren mit dem Training an. Zunächst lernen sie jedoch die Techniken nur mithilfe eines Besenstiels und machen reine Körpergewichtsübungen, damit sie sich nicht verletzen. Ich trainiere zwar auch mit älteren Athleten, die in Südafrika bei internationalen Wettkämpfen vertreten sind, aber es macht mir am meisten Spaß, Kinder zu coachen und ihnen zu helfen, sich im Sport zu entwickeln.
SAZsport: Wie sieht Ihre Wettkampf-Vorbereitung aus? Gibt es eine bestimmte Diät, um das Wettkampf-Gewicht von 63 kg zu halten?
Pretorius: Ich trainiere ca. 20 bis 25 Stunden pro Woche, mit Ausnahme des Sonntags als Ruhetag. Die Trainingseinheiten dauern etwa zwei bis drei Stunden. Es ist sehr wichtig, auch Erholungszeiten einzuhalten, damit man verletzungsfrei bleibt. Ich esse viel Proteine, Gemüse und Kohlenhydrate, hauptsächlich Reis und Kartoffeln. Da ich eine Naschkatze bin, versuche ich, mich von Süßem fernzuhalten, damit mein Gewicht für den Wettkampftag perfekt ist (schmunzelt).
SAZsport: Für die Wettkämpfe reisen Sie viel durch die Welt. Fühlen Sie sich manchmal einsam?
Pretorius: Vor drei Jahren habe ich meine Heimat Südafrika verlassen und bin in die USA gezogen. Einmal im Jahr versuche ich, meine Familie zu besuchen, was sehr kostspielig ist, weil ich meine Wettkämpfe selbst finanzieren muss. Wenn ich lange weg war, vermisse ich meine Familie, aber es juckt mich auch schnell, wieder zu reisen. Im Sport fühlt man sich nie wirklich einsam, weil man so viele Freunde findet.
SAZsport: Welche der Eigenschaften, die Sie zum Gewichtheben brauchen, nützen Ihnen auch in Ihrem täglichen Leben?
Pretorius: Am meisten natürlich eine harte Arbeitsweise und ein starker Wille. Vor einem Wettkampf dreht sich das ganze Leben nur ums Training und um gesunde Ernährung. Das stört mich aber nicht, weil ich Routine liebe und gerne feste Pläne und Ziele habe. Die gleichen Prinzipien übertrage ich auch auf meine Tätigkeit als Trainerin oder mein Studium. Man sollte nichts halbherzig tun, sonst wird man nie die Spitze erreichen. Disziplin ist etwas, das man sich selbst beibringen muss, es gibt keine Abkürzungen (lacht)!
SAZsport: Wie sehen Ihre nächsten sportlichen Ziele aus?
Pretorius: Als Nächstes steht die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio an. Dafür muss ich an sechs internationalen Vorentscheidungen teilnehmen. Ich bin vor Kurzem nach Rumänien gezogen, wo ich mit dortigen Trainern zusammenarbeite, um in den nächsten zwei Jahren das Beste aus mir herauszuholen.
SAZsport: Wie sehen Ihre Pläne für die Zeit nach Ihrer Profi-Karriere aus?
Pretorius: Ich habe vor, meinen Doktor in Sportpsychologie machen, um danach junge Athleten zu trainieren, insbeson­dere in ihren mentalen Fähigkeiten. Ich möchte das, was ich in meiner sportlichen Karriere erreicht habe, nutzen, um es an sie weiterzugeben.

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