Komfort als Megatrend 07.03.2019, 08:16 Uhr

Darauf kommt es bei Laufschuhen an

Der Laufschuh der Saison 2019 muss vor allem eines sein: komfortabel. Doch das ist bei Weitem nicht die einzige Entwicklung, die die Sortimente bestimmt. Ein Überblick.
Ein Beitrag von Werner Müller-Schell
Das Sortiment ist bereit für die Saison. Schon seit Wochen laufen bei Sport Ruscher in München die Vorbereitungen auf das Laufjahr 2019 auf Hochtouren, knapp 1.200 Paar Schuhe haben Inhaber Klaus Ruscher und sein Team in den Verkaufsräumen vorrätig – für jede Zielgruppe und jedes Terrain. Seit 1996 gibt es den Laden bereits, der heute zu den bestsortierten Lauffachgeschäften in der bayerischen Landeshauptstadt zählt. Ruscher, der sich bei zahlreichen überregionalen Events engagiert, gilt in der Szene weit über die Münchner Stadtgrenzen hinaus als Experte, der für Trends in Sachen Sortiment auch gerne auf exotischere Marken setzt. „Für dieses Jahr beobachten wir vor allem zwei Entwicklungen: Die Laufschuhe werden markenübergreifend wieder komfortabler. Und außerdem wird die Vielfalt auf dem Markt größer“, sagt das Laufurgestein, das als Kernmarken unter anderem Adidas, Altra, Asics, Brooks, Mizuno, New Balance, On und Saucony führt.
(Quelle: Adidas)
Komfort und Vielfalt – in der Tat sind es diese zwei Megatrends, die die Laufsortimente 2019 marken- und Schuhtypen-übergreifend ausmachen. „Im Rahmen dessen gibt es natürlich viele weitere Entwicklungen: Aufgrund neuer Materialien haben sich die Dämpfungen der Schuhe verbessert. Viele Hersteller haben zudem an ihren Passformen – etwa am Schaft – gearbeitet. Das Stichwort heißt ‚Fast Fitting‘ – der Laufschuh 2019 soll nämlich schon beim Anprobieren perfekt sitzen“, fährt Ruscher fort, um sogleich hinzuzufügen, dass der Hype um Barfuß- und Minimallaufschuhe wieder rückläufig sei. „Die neuen Schuhe sind nach wie vor leicht – punkten aber trotzdem mit Komfort.“
Wie wichtig die Themen Dämpfung und Komfort sind, zeigt ein Blick auf die diesjährigen Sortimente. „Neben dem Thema Cushion geht der Trend bei uns – aber auch im Markt – deutlich Richtung Ener­gize, also Modellen mit hohem Energy Return“, erklärt beispielsweise Lara Hasagic, Marketingmanagerin von Brooks Running. „Die Läufer laufen aus unterschiedlichen Motivationen heraus und wollen während des Laufens unterschiedliche Lauferfahrungen sammeln. Hier bieten wir die komplette Auswahl an. Daher ist und bleibt Energierückführung ein großes Thema. Ebenso stellt jedoch das Thema Komfort einen wichtigen Trend dar. Tendenziell werden die Schuhe von der Dämpfung her alle weicher“, fährt sie fort.

Energy Return für alle Leistungskategorien

Gerade das Thema Energierückgabe (Energy Return) spielt neben den Dämpfungseigenschaften bei den meisten Herstellern eine immer wichtigere Rolle. „DNA AMP ist unsere Dämpfung mit der höchsten Energierückführung. Das ist ein nagelneues Polyurethan-(PU)-Dämpfungssystem, das strategisch konstruiert wurde, um einen nie dagewesenen Energy Return zu ermöglichen. Der PU-Schaum dehnt sich natürlich aus und gibt die Energie zurück, wenn Kraft auf ihn ausgeübt wird. DNA AMP ist so in einer thermoplastischen PU-(TPU)-Umhüllung eingepackt, dass es sich nicht horizontal ausdehnen kann und die Energie direkt an den Läufer zurückführt“, erläutert Hasagic und verweist auf das neue Modell „Levitate 2“.
Formel-1-Pilot Lewis Hamilton vertraut auf Pumas "Hybrid Runner Unrest".
(Quelle: Puma)
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Puma, wo mit dem „Speed Sutamina“ unter anderem ein neuer Einsteigerschuh präsentiert wird: „Unsere Technologien sind Profoam für sehr hohe Energierückgabe und ein Optimum an Dämpfung sowie Ignite, ein PU-basiertes Dämpfungsmaterial, welches durch seine hohe Energierückgabe sowie seine langlebigen Mate­rialeigenschaften überzeugt“, erklärt Benjamin Ebel, Teamhead im Bereich Merchandising Footwear und Accessories.
Auch Asics will mit dem Thema Energy Return bei der Kundschaft punkten: „Prägende Technologien unserer Top-Modelle sind unter anderem Asics’ Flytefoam für die größtmöglich bereitgestellte Rückstellenergie beim Laufen“, sagt Ralf Schön, Senior Buying Manager North. Nun ist mit dem „MetaRide“ ein komplett neues Modell an den Start gegangen (siehe rechte Spalte). Adidas verpasst der seit fünf Jahren exis­tierenden Boost-Technologie ein Update: „Im nächsten Jahr werden die neuen Modelle eine weiterentwickelte Boost-Variante enthalten“, so Alexander Oberhofer, verantwortlich für Produktmarketing von Adidas Running in Deutschland.
(Quelle: Asics)
Zum Bereich Komfort zählt nicht nur die Dämpfung, sondern auch die von Händler Klaus Ruscher eingangs angesprochene, immer bessere Passform der Runner. Auch hier haben die Hersteller für die 2019er-Laufschuhgeneration viel Entwicklungsarbeit investiert: „Ein anschmiegsames Upper und der individuell perfekte Sitz inklusive Fußbettung, die wie eine zweite Socke gestaltet sein sollte, sind kaufentscheidend. Auch die Haptik spielt eine wichtige Rolle – das betrifft sowohl das Upper als auch das Padding und Lining“, bestätigt Asics-Experte Ralf Schön.
Bei Tecnica geht man hierfür ganz neue Wege – das Motto: Origin. „Wir bringen mit den ‚Origin‘-Trailrunning-Schuhen eine Produktlinie mit einem komplett neuen Ansatz auf den Markt. Es ist die erste Linie, bei der eine Anpassung direkt vor Ort im Laden und innerhalb nur weniger Minuten möglich ist – für eine hundert Prozent maßgeschneiderte Passform und Performance“, berichtet Federico Sbrissa, Business Unit Manager bei Tecnica Outdoor. Auch bei Mizuno wolle man das persönliche Wohlempfinden eines jeden Läufers in den Vordergrund rücken, wie Jochen Jöhring betont. „Getreu dem Motto ‚What feels right, is right‘. Der Läufer muss mit dem Schuh laufen und nicht gegen den Schuh“, sagt der Categorymanager Running. Für die Sommersaison 2019 setzt die japanische Marke auf die Weiterentwicklung von Produkten wie dem „Wave Horizon 3“ und dem „Wave Inspire 15“.
Nachhaltigkeit wird wichtiger
2019 stärken gleich mehrere Laufschuhhersteller das Thema Nachhaltigkeit: Asics positioniert etwa das Modell „DynaFlyte Sound“ mit vermehrt nachhaltigen Materialien und verwendet bei mehreren Top-Modellen recycelte Materialien. Platzhirsch ist aber weiterhin Adidas: „Unser Ziel ist es, 100 Prozent recyceltes Polyester in jedem Produkt und bei jeder Anwendung einzusetzen, für die es bis 2024 eine Lösung gibt. Unser Sortiment für Frühjahr/Sommer 2019 enthält bereits etwa 41 Prozent recyceltes Polyester“, so der Adidas-Experte ­Alexander Oberhofer.

Neue Kategorien für den Handel

Der dritte große Trend des Modelljahres 2019: Vielfalt. Dabei wollen einige Hersteller ihre Sortimente sogar übersichtlicher kategorisieren. „Wir stellen uns in der Laufschuh-Kategorisierung ganz neu auf mit unserem neuen Rückwandkonzept und dem dazugehörigen ‚Decision Tree‘, den wir auf der Basis von aktuellen Studien zum Einkaufsverhalten präzise entwickelt haben. Die neue Kategorisierung ist entscheidend Konsumenten-freundlicher und viel näher am Bedarf des Läufers ausgerichtet“, sagt etwa Ralf Schön, der erklärt, dass sich die Schuhe so nach Geschlecht, Oberfläche, Lauferfahrung, Sohlentyp und Komfort-Level kategorisieren lassen.
Ähnlich agiert man auch bei Mizuno, wo die Themen Komfort und Effizienz beim Laufen noch mehr in den Mittelpunkt rücken sollen. „Für Herbst/Winter 2019 werden wir eine neue Kategorisierung präsentieren. Es geht weniger darum, alles bisher Dagewesene vollkommen infrage zu stellen und aufzugeben, sondern mehr um eine neue Betrachtungsweise der verschiedenen Läufertypen“, so Jochen Jöhring.
Für den Handel werde es 2019 damit nicht unbedingt übersichtlicher – aber auch nicht schwieriger, glaubt Klaus Ruscher. „Für uns als reiner Laufschuhspezialist ist diese Entwicklung aber sogar gut – denn so können wir noch mehr mit unserer guten Beratung punkten. Im Jahr 2019 wird man nämlich auch für Problemfüße mit Sicherheit einen ­passenden und vor allem komfortablen Schuh finden.“
Zum neuen Asics
Für einen Laufschuh von Asics hat der „MetaRide“ einen neuen ungewohnten Look. Ralf Schön, Senior Buying Manager North bei Asics, erklärt was unter der Haube des neuen Modells steckt. „Der Metaride unterscheidet sich fundamental von jedem bekannten Asics-Modell. Die ‚Guidesole‘ trägt mit einer präzise gekrümmten Formgebung dazu bei, dass der Körperschwerpunkt sich schnell und effizient über den Laufschuh bewegt und nach vorne treibt. So bietet er ein völlig neues Laufgefühl und steigert zudem deutlich die Laufökonomie, was zu spürbar mehr Power beim Laufen beiträgt. Die Muskelermüdung und Bewegung im Sprunggelenk werden reduziert, die Abdruckphase wird dynamischer, wodurch Energie eingespart wird. Dieser Produktvorteil ist absolut einzigartig und wird hohe Aufmerksamkeit und Begehrlichkeit in Läuferkreisen erzeugen. Dieses Premium-Produkt wird zu einem UVP von 250 Euro ohne Mengenvorgaben für die nächsten zwei Jahre im Programm bleiben und wird rein selektiv vertrieben.“

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