Die Generation Z im Fokus der Arbeitgeber 22.05.2019, 09:04 Uhr

So gewinnt und hält man die Generation, die nicht arbeiten will

Nach Traditionalisten, Babyboomern, Generation X und Generation Y folgt tritt nun die Generation Z in die Arbeitswelt ein. Das erfordert eine Anpassung der Personal- und Marketingmaßnahmen.
Ein Beitrag von Sina Rieger
Der allseits bekannte demographische Wandel und der damit einhergehende Fachkräftemangel erhöht den Druck auf Unternehmen, sich für jüngere Generationen attraktiv zu positionieren. Aktuell rückt deshalb die Generation Z immer mehr in den Fokus der Arbeitgeber. Zur Generation Z zählen alle, die im Zeitraum von 1995 bis 2010 geboren sind. Laut Statistischem Bundesamt (2015) gehören 12,2 Millionen Deutsche (ca. 15 Prozent der Bevölkerung) zu dieser Altersgruppe. Um die jungen Talente für sich zu gewinnen, ist es notwendig, die Bedürfnisse und Werte dieser Generation zu kennen. Dabei stellt sich die Frage, ob die Generation Z wirklich so verweichlicht und arbeitsscheu ist, wie es überall dargestellt wird. Vorurteile wie „Geld für Rucksackreisen, aber kein Geld für die Altersvorsorge“ oder „Auf der Suche nach der Selbstverwirklichung ohne Lust auf Pflichten“ stehen im Raum. Doch tickt die Generation Z wirklich so, wie alle vermuten?
Generationen werden kleiner
Während der Generation X (Geburtenjahrgänge 1965 bis 1979) rund 16,8 Millionen Deutsche angehören, zählt die Generation Y (Jahrgänge 1980 bis 1994) laut Statistischem Bundesamt nur 15,1 Millionen Bundesbürger. Noch kleiner ist die Generation Z (Jahrgänge 1995 bis 2010): Sie umfasst nur noch 12,2 Millionen Deutsche.

Einflüsse auf die Generation Z

Die Generation Z ist von Anfang an in einer Welt mit rasant fortschreitenden technologischen Entwicklungen groß geworden. Durch die Flut an digitalen Informationen über Smartphone, TV, Laptop, Tablet und Smartwatch, und die Möglichkeit, ständig online zu sein, sind die jungen Menschen autodidaktisch veranlagt; sie wissen, wo sie welche Informationen finden. Das Aufwachsen in einer Welt von Finanz- und Wirtschaftskrisen lässt die Generation Z allerdings skeptisch auf Politik und Unternehmen blicken. Hinzu kommt, dass Arbeitskrankheiten wie Burn-out für diese Altersgruppe gut bekannt sind, meist direkt aus dem eigenen Bekannten- oder Freundeskreis. Die Eltern der Generation Z geben ihren Kindern den notwendigen Halt in den sich schnell ändernden Zeiten. Allerdings nehmen sie ihnen fast zu viel Verantwortung ab und zeigen ihnen keine Handlungsrichtlinien oder Grenzen auf. Folgen sind ein hohes Selbstbewusstsein, die mangelnde Fähigkeit, mit negativer Kritik umzugehen, und das Bedürfnis nach Bestätigung und Anerkennung. Letzteres erhalten sie hauptsächlich – neben dem Lob ihrer Eltern – durch Facebook-Likes und Instagram-Herzchen in den sozialen Medien.
Die sozialen Medien haben die Generation Z stark geprägt.
(Quelle: Shutterstock / Rawpixel.com)
Dies alles beeinflusst unter anderem auch die berufliche Einstellung und das Werteverständnis der Generation Z. Während die Generation Y für neue Erfahrungen noch sehr offen ist, gibt sich die Generation Z eher zurückhaltend und sachlich. Sie sehnt sich in einer Welt der unendlichen Möglichkeiten nach Stabilität, Sicherheit, Struktur, Ordnung und Harmonie. Trotz des Gedankens an eine sichere Zukunft mit unbefristeten Arbeitsverträgen ist der Wunsch nach Abwechslung bei der Generation Z so groß wie nie. Eine „Kurzzeitbeziehung“ zum Arbeitgeber ist keine Seltenheit mehr. Diese Kurzzeitbeziehung trifft aber nicht auf das Privatleben zu. Langzeitbeziehungen zu Freunden und Familie sind der Generation Z äußerst wichtig. Auch ein Grund dafür, warum die Generation Z für eine Trennung von Beruf und Privatleben ist: Die Arbeitszeit soll wieder klar geregelt „Nine-to-Five“ sein, ohne Wochenendarbeit oder 24/7-Erreichbarkeit. Außerdem soll die Arbeit sinnstiftend und spaßbringend sein – Maßnahmen, die als Prävention gesehen werden, um sich vor Arbeitskrankheiten wie Burn-out zu schützen. Des Weiteren sind Selbstbestimmung und die persönliche Entwicklung sehr wichtig, Führungsverantwortung wird abgelehnt, dafür werden Projekt- oder Teamverantwortung mit Fachaufgaben und flachen Hierarchien verlangt. Das bereits angesprochene Bedürfnis nach Facebook-Likes und Instagram-Herzchen führt dazu, dass die Generation Z auch im Berufsleben ständig Lob, Bestätigung und Feedback fordert.
Personenbezogene Einflussfaktoren Arbeitssituationsbezogene Einflussfaktoren Organisationsbezogene Einflussfaktoren
Persönliche Entwicklung: Trainings, Coaching, Weiterbildung Arbeitsaufgabe: klar und strukturiert, sinnvoll und spaßbringend, abwechslungsreich, herausfordernd, Projektarbeit HR-Praktiken: Mentoring, Entwicklungsperspektiven
Zufriedenheit und berufliche Identifikation: Übereinstimmung von Tätigkeit und Wertvorstellung, sinnstiftende Arbeit Beziehung zum Vorgesetzten: lobendes Feedback, Aufmerksamkeit seitens der Führungskraft Transparenz: Nachvollziehbarkeit, Kommunikation
Harmonie: Kollegialität, Vertrauen Führungsstil: klare Zielvermittlung und Anforderungserwartung, Lob bei Erfüllung, Mentoring Positive Unternehmenskultur: gesellschaftliches Engagement, ökologisch vertretbares Handeln
Anerkennung und Wertschätzung: Lob, Prämien Mitarbeiterumgang: keine teaminternen Wettbewerbe, Zusammenhalt Partizipation: Einflussnahme über Meetings, Mitarbeiterbefragungen
Freiheit und Selbstbestimmung: Entscheidungsfreiheit, eigene Karriereplanung Verantwortung: wenig bis keine Führungsverantwortung Work-Life-Balance: Feste Arbeitszeiten (9-to-5), keine 24/7-Verfügbarkeit, Trennung von Berufs- und Privatleben
Fürsorge: Nähe zu Führungskraft, regelmäßiges Feedback Entlohnung: fixes Gehalt mit Anstieg, keine variable Vergütung
Sicherheit: unbefristeter Arbeitsvertrag, Arbeitsplatzsicherheit Arbeitsplatzausstattung: moderne Technologien
Ordnung und Struktur: geregelte Arbeitszeiten, fester Arbeitsplatz
Personenbezogene Einflussfaktoren Arbeitssituationsbezogene Einflussfaktoren Organisationsbezogene Einflussfaktoren
Persönliche Entwicklung: Trainings, Coaching, Weiterbildung Arbeitsaufgabe: klar und strukturiert, sinnvoll und spaßbringend, abwechslungsreich, herausfordernd, Projektarbeit HR-Praktiken: Mentoring, Entwicklungsperspektiven
Zufriedenheit und berufliche Identifikation: Übereinstimmung von Tätigkeit und Wertvorstellung, sinnstiftende Arbeit Beziehung zum Vorgesetzten: lobendes Feedback, Aufmerksamkeit seitens der Führungskraft Transparenz: Nachvollziehbarkeit, Kommunikation
Harmonie: Kollegialität, Vertrauen Führungsstil: klare Zielvermittlung und Anforderungserwartung, Lob bei Erfüllung, Mentoring Positive Unternehmenskultur: gesellschaftliches Engagement, ökologisch vertretbares Handeln
Anerkennung und Wertschätzung: Lob, Prämien Mitarbeiterumgang: keine teaminternen Wettbewerbe, Zusammenhalt Partizipation: Einflussnahme über Meetings, Mitarbeiterbefragungen
Freiheit und Selbstbestimmung: Entscheidungsfreiheit, eigene Karriereplanung Verantwortung: wenig bis keine Führungsverantwortung Work-Life-Balance: Feste Arbeitszeiten (9-to-5), keine 24/7-Verfügbarkeit, Trennung von Berufs- und Privatleben
Fürsorge: Nähe zu Führungskraft, regelmäßiges Feedback Entlohnung: fixes Gehalt mit Anstieg, keine variable Vergütung
Sicherheit: unbefristeter Arbeitsvertrag, Arbeitsplatzsicherheit Arbeitsplatzausstattung: moderne Technologien
Ordnung und Struktur: geregelte Arbeitszeiten, fester Arbeitsplatz
Die Erwartungen und Wertvorstellungen der Generation Z können laut Isabell Brademann und Rüdiger Plorr in drei Bereiche gegliedert werden, die Entscheidungen hinsichtlich der Karriere beeinflussen.
(Quelle: Generation Z – Analyse und Bedürfnisse einer Generation auf dem Sprung ins Erwerbsleben; Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, 2018)

Neue Recruiting-Methoden

Diese Einstellungen, Bedürfnisse und Werte stellen Unternehmen bei der Rekrutierung vor neue Herausforderungen. Zunächst ist es wichtig, die Generation Z so früh wie möglich anzusprechen, sei es durch digitale Events, Ausbildungsbotschafter in Schulen oder das Angebot von Schülerpraktika, denn sie wünscht sich Hilfe und Orientierung bei der Berufswahl. Da die Generation Z außerdem genau weiß, wo sie online Informationen findet, ist eine transparente und einheitliche Arbeitgeberdarstellung über alle Kanäle notwendig. Unterstützt wird diese beispielsweise durch ein responsives Design der Stellenanzeigen und der Unternehmens-Homepage, da der Online-Kontakt zum Unternehmen vielfach vom Smartphone ausgeht. Bei Stellenanzeigen sollten Unternehmen darauf achten, dass die Aufmerksamkeitsspanne für Online-Content bei der Generation Z bei nur acht Sekunden liegt (Generation Y: zwölf Sekunden). Visuelle Botschaften sind demnach angebrachter als seitenlange Stellenbeschreibungen. Ebenso wird durch Podcasts eine erfolgreiche Zielgruppenansprache gewährleistet, da jeder Dritte der Generation Z diese regelmäßig nutzt. Außerdem gewinnt Influencer Marketing an Bedeutung, denn Testimonials in den sozialen Medien stellen für junge Menschen oft den ersten Kontakt zu Unternehmen dar. Noch einen Schritt weiter gedacht, könnten künftig sogar Bewerbungsverfahren über WhatsApp in die Überlegungen einbezogen werden. Allerdings ist der Kontakt zu einem persönlichen Ansprechpartner für die Generation Z genauso wichtig wie für Bewerber aller anderen Generationen. Weiterhin ist zeitnahes und transparentes Feedback gestern wie heute der Schlüssel zum Erfolg.

Motivierende Angebote

Die Generation Z ist nicht arbeitsscheu oder faul, sie hat nur eine andere Grundeinstellung und muss folglich anders motiviert werden. Ansatzpunkte der Motivation sind neben den genannten Aspekten beispielsweise das Angebot eines Ausbildungsplatzes mit Auslandsaufenthalt, das Aufzeigen von Perspektiven (zum Beispiel die Verknüpfung von Ausbildung und Studium), das Angebot interessanter Projektarbeit mit wechselnden Herausforderungen und ein Führungsstil, der auf Austausch, Anerkennung und eine fürsorglichen Grundhaltung beruht. Unternehmen sollte klar werden: Statt Status zählen bei der Generation Z eine gerechte Entlohnung, Selbstverwirklichung, Spaß, ein gutes Arbeitsklima und Arbeitsumfeld und eine Arbeit, die Freude, Perspektive und Sinnhaftigkeit bietet.
Sind diese Faktoren gewährleistet, so ist die Leistungsbereitschaft der Generation Z hoch. Problematisch wird es nur bei „lästigen Pflichten“ wie Abrechnungen schreiben, Meetings protokollieren oder Kundenbesuche um 8 Uhr, also bei jenen Dingen, die der Arbeitsvertrag festhält, die ihren Wunsch nach Selbstverwirklichung und Flexibilität aber einschränken. Vielleicht ein Aspekt, warum die Generation Z für andere als arbeitsscheu gilt.

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