Auch für Sport- und Outdoor-Händler interessant 24.09.2018, 18:07 Uhr

Paddle Expo präsentiert neue Trends der Paddel-Branche

Ende dieser Woche trifft sich die Paddel-Branche in Nürnberg. Diese Trends können auf der Messe nicht nur für Spezialisten, sondern auch für Sport- und Outdoor-Händler spannend sein.
Da hat jemand ein glückliches Händchen bewiesen: Wenn vom 5. Oktober (Freitag) bis 7. Oktober (Sonntag) die Paddle Expo im Messezentrum Nürnberg über die Bühne gehen wird, dann hat sich der Sommer endgültig aus Deutschland verabschiedet und der Herbst Einzug gehalten. Man stelle sich vor, die Veranstaltung wäre, wie in den Jahren zuvor großteils geschehen, auf den September terminiert worden. Dann würde Horst Fürsattel sicher den einen oder anderen Fachbesucher weniger in seiner Halle 7A begrüßen dürfen – nämlich die Bootsvermieter, die Kanu-/Kajak-Händler und die SUP-/Surf-Anbieter. So zeigt sich der Ausrichter der Paddle Expo „heilfroh“ über die Entscheidung – „bei dem Wetter, das wir im September draußen vor der Tür hatten“. Auch in diesem Jahr ist es ihm wieder gelungen, die gesamte Paddel-Industrie nach Nürnberg zu holen – und sogar noch ein paar Hersteller mehr. Die 16. Auflage der Messe wartet mit 157 Unternehmen und 308 Marken auf, was einen Rekord bedeutet. So betont Fürsattel nicht ohne Stolz, dass es „auf diesem Planeten nichts Vergleichbares“ gebe, „wo auch nur annähernd so viele Marken aus dem Paddelsport zusammen sind wie in dieser einen Halle“. Das Rahmenprogramm wird wie gehabt aus einem Get-together an diversen Ständen am Abend des ersten Messetages und der Industrie-Party mit Buffet, Musik und Filmen am Abend des zweiten bestehen.

Übers Wasser schweben

Keine Veränderungen gibt es 2018, was große Trends in der Paddelbranche betrifft. Immer stärker setzen die Naishs, die Fanatics und die Starboards auf das Thema Hydrofoil (zu Deutsch Tragflügel) in Verbindung mit SUP und Surfen. Diese Foils verlängern das Brett vertikal unter Wasser – wie ein Arm, der nach unten zeigt, verbunden mit einem flugzeugähnlichen Gestell –, sodass dies bei einer bestimmten Geschwindigkeit abhebt, und man damit förmlich über den See oder das Meer schwebt. „Foilen ist gerade der angesagte Trend schlechthin“, heißt es aus dem Hause Fanatic. So werden die Japaner zur kommenden Saison zwei brandneue Modelle auf den Markt bringen, die speziell zum Foilen entwickelt wurden: das „Sky SUP“ und das „Sky Surf“. SUP-Foils bewegen sich im VK durchschnittlich bei 1.500 Euro. Ob auch der Sport- und Outdoor-Handel hier schon aktiv werden sollte? Das Thema sei im Gespräch und ein Blickfang, meint Fürsattel dazu und betont: „Ganz ignorieren sollte das der Händler nicht. Es wäre mit Sicherheit gut, wenn er zumindest mal ein Flaggschiff-Modell im Laden stehen hat.“

Weniger Gewicht

Natürlich weiß auch der Branchenexperte, womit die Paddel-Industrie derzeit das meiste Geld verdient: mit den klassischen SUPs, speziell den Inflatables. Hier fokussieren sich die Hersteller vornehmlich auf Gewichts- und Packmaßreduzierung. Der Marke BIC (Vertrieb: Choppy Water, Stein/Schleswig-Holstein) z.B. gelang es, in ihren SUP‘s der 2019er „Tough-Tec“-Range jeweils noch einmal 2,7 kg einzusparen. Diese Modellreihe setzt sich aus den Kategorien Performer (Allround Surf, drei Größen) und Cross (Allround Flachwasser sowie Fitness, zwei Größen) zusammen.
Dagegen werden die Briten von Red Paddle ein SUP auf den Markt bringen, das sich in unaufgeblasenem Zustand gewissermaßen halbieren lässt: Das „Compact 9‘6““ soll ein noch kleineres Packmaß durch die integrierte PACT-Technologie, einem Material mit einer neuen Webtechnik, bieten. 
Das dritte große Thema im Markt sind zweifellos die Packrafts – leichte, aber stabile Schlauchboote, die sich unaufgeblasen im Rucksack verstauen lassen. In dieser Kategorie legt die Out-Trade GmbH (Ulm) mit ihrer Hausmarke Nortik zur kommenden Saison nach und erweitert das Sortiment um zwei Modelle mit eingebauten Taschen, die wasserdicht verschlossen werden können. Diese sind Teil der „Expedition“-Linie – neben dem „Familiy Raft“ und dem „City Raft“. Geschäftsführer Steffen Sator und sein Team buhlten damit weniger um Wassersport-Spezialisten, sondern um den Sport- und Outdoor-Handel.„Gerade das Thema Packraft ist eines für die breite Masse“, meint er. „Der Kunde ist hier ganz überwiegend kein Kanute, sondern im Gegenteil, er kommt aus dem Trekking-/Outdoor-/Sportbereich.“ Von Handelsseite zählen dazu sowohl ein großer Filialist wie Globetrotter als auch ein regionalerer Anbieter wie Sport Kiefer aus Freiburg. „Die Händler, die das Thema verstanden haben, sind damit erfolgreich und haben Kunden, die wissen, dass es bei ihrem Händler eben mehr gibt als den überall erhältlichen Einheitsbrei“, betont Sator.

„Potenzial nicht genutzt“

Allerdings hat man den Eindruck, dass die Packrafts noch nicht wirklich im Markt angekommen sind. Horst Fürsattel sieht das genauso: Das Potenzial, das darin stecke, werde bei Weitem nicht genutzt – aus Gründen, die er nicht nachvollziehen könne. Schließlich werde das Thema vom Endverbraucher noch nicht so angenommen. „Die Verbreitung ihrer Sache haben die Stand-up-Paddler damals etwas schneller und besser hinbekommen“, bemerkt Fürsattel in Richtung der Industrie. Möglicherweise hilft aber auch die Paddle Expo, dass dieser spannende Trend so langsam auf Touren kommt – mit tatkräftiger Unterstützung des Handels.

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