Kooperationen mit Kletter- und Boulderhallen 02.04.2019, 09:35 Uhr

Eine erfolgreiche Seilschaft

Das Training in Kletter- und Boulderhallen wird neben dem Besuch von Fitnessstudios immer beliebter. Auch der Sporthandel kann durch Kooperationen mit den Hallen vom anhaltenden Boom profitieren.
Klettern wächst in Deutschland kontinuierlich. Die Sportart, die noch vor ca. zwanzig Jahren den Extremsportlern vorbehalten war, hat sich mittlerweile zu einem Massenphänomen entwickelt, und die Zahl der Kletter- und Boulderhallen steigt. Insbesondere Bouldern erfreut sich immer größerer Beliebtheit, da es ein ideales Ganzkörpertraining ist, bei dem alle wichtigen Muskelgruppen beansprucht werden. Ein weiterer Vorteil von Bouldern: Man braucht keine Vorkenntnisse im Klettern, es ist deutlich weniger gefährlich als Seilklettern und man kann es auch allein ohne Kletterpartner ausüben. So erscheint es nicht verwunderlich, dass sich Boulderhallen zu einem neuen Treffpunkt für eine stetig wachsende Community entwickeln.
Doch nicht nur die Hallenbetreiber, sondern auch der Handel profitiert vom starken Interesse an der beliebten Sportart. „Seit ungefähr drei Jahren macht sich der Trend bei uns mit steigenden Umsätzen bemerkbar“, erklärt Sebastian Finé, Mitarbeiter des Kletterladen.nrw in Düsseldorf-Benrath. Mit 80 Quadratmetern ist der Shop zwar relativ klein, dennoch ist die Auswahl enorm groß: „Wir haben die größte Kletterschuh-Auswahl in Düsseldorf, wenn nicht sogar in Nordrhein-Westfalen“, heißt es auf Website. Neben dem passenden Schuhwerk sollen Kunden hier aber auch sonst alles finden, was das Kletter- bzw. Boulderherz begehrt. Im Shop gibt es sogar eine kleine Kletterwand, an der die Kunden Schuhe oder Zubehör gleich im Laden testen können.
Klein aber fein – auf nur 80 Quadratmetern finden Kletter- und Boulderfans beim Kletterladen.nrw  eine riesige Auswahl an Ausrüstung.
(Quelle: Kletterladen.nrw)
Dem Inhaber Marc Peschel und seinem Mitarbeiter Sebastian Finé, die gemeinsam den Kletterladen führen, liegt sehr daran zu betonen, dass sie sich nicht nur auf die Umsätze konzentrieren, sondern vor allem Teil der Klettergemeinschaft sein wollen „Uns ist es wichtig, dass wir uns in der Community beteiligen. Wir betreiben den Sport ja selbst und ich war auch Trainer in den Kletterhallen Move und Bergstation“, so der 31-jährige Finé.
Der Kletterladen steht derzeit in enger Kooperation mit der 1.000 Quadratmeter großen Superblock-Boulderhalle sowie der Move-Kletterhalle, beide in Düsseldorf-Flingern gelegen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Kletterladen und den Hallen ist ein Geben und Nehmen. Finé und Peschel verkaufen Eintrittskarten und Abos der kooperierenden Einrichtungen, alle DAV-Gruppentrainer sowie andere Trainer bekommen 20 Prozent Rabatt, und Kunden der Kletterhalle erhalten zehn Prozent Rabatt auf ihre Einkäufe. Im Gegenzug dazu darf der Shop in den Hallen seine Werbung aushängen und Flyer verteilen. Zudem kleidet sich das Düsseldorfer DAV-Team zum Beispiel mit Westen beim Kletterhändler ein.

Durch Services Kundenfrequenz

In engem Kontakt zu Kletterhallen steht auch Bergsport Maxi aus Kempten, der sich als kleiner lokaler Händler einen Namen in der Allgäuer Klettersportszene gemacht hat.  „Mit der Sektion Allgäu-Kempten des DAV sind wir seit Langem verbunden und kooperieren eng mit dem Kletterzentrum Swoboda alpin in Kempten“, erklärt Hubert Sauter, der seit 27 Jahren als zweiter Geschäftsführer beim Outdoor-Ausrüster tätig ist. Der Händler ist Servicestelle für den Ausrüstungsverleih und unterstützt das Kletterzentrum bei Veranstaltungen und Aktionen. Zudem bietet Bergsport Maxi auch einen Neubesohlungsservice an. Mindestens dreimal die Woche fährt Sauter in die Halle, um die Schuhe abzuholen, ca. zehn bis 15 Paar werden wöchentlich besohlt – und dieses Angebot ist für die Kletterfans völlig umsonst. „Das ist reiner Service von uns“, verrät der 58-Jährige. Doch dies würde sich durch höhere Kundenfrequenz im Laden definitiv auszahlen.

Micro-Shop in der Kletterhalle

Bergsport Maxi ist im Swoboda alpin auch mit einem „Micro-Shop“ vertreten. Auf kleinstem Raum bietet der Händler hier vor allem Zubehör wie Chalkbags oder Sicherungsgeräte an. Den Verkauf für diese Artikel übernimmt das Thekenpersonal der Kletterhalle. Beratungsintensivere Sortimente, also Kletterschuhe und Bekleidung, würde Sauter in der Halle selbst nicht verkaufen wollen. „Ich habe schon viele Kletterhallen besichtigt und dabei die Erfahrung gemacht, dass ein Shop in der Halle nur dann sinnvoll ist, wenn er in eigenen Räumen untergebracht ist. Der Magnesiumstaub lagert sich überall ab, die Ware ist voll davon.“
Von Shops in den Kletterhallen hält auch Sebastian Finé nicht viel. „Wir haben festgestellt, dass der Service in Kletterhallen, insbesondere was die Beratung von Kletterschuhen betrifft, nicht ausreichend ist. die Mitarbeiter sind auf 450-Euro-Basis angestellt, besitzen kein umfassendes Training, was die Produkteangeht, und müssen zudem an der Theke abkassieren, Ausrüstung ausgeben und Kaffee kochen.“
Der Kletterladen.nrw bietet für Kletterfans regelmäßig Veranstaltungen wie den Sicherungsgerätetag im Landschaftspark Duisburg Nord an.
(Quelle: Kletterladen.nrw)

Events für Boulderfans

Dafür bietet der Düsseldorfer Shop Veranstaltungen wie den Sicherungsgerätetag im Landschaftspark Duisburg Nord. Hier stehen Peschel und Finé den Teilnehmern mit Rat und Tat zur Seite und informieren über alles Wissenswerte rund um das Thema Sicherungsgeräte. Hersteller wie Black Diamond und Mammut stellen für diese Veranstaltung ihre neuesten Geräte zum Testen zur Verfügung. „Weitere Kooperationen bestehen mit den DAV Sektionen Duisburg, Düsseldorf, Köln und Solingen, etwa in Form von Sponsoring oder Sourcing für Projekte“, so Finé.
Die Zukunft sieht für den Düsseldorfer Shop gut aus. „Wir wollen flächenmäßig expandieren und das Sortiment vergrößern. Die Hersteller schlafen auch nicht und entwickeln neue Produkte mit hohem Mehrwert, die wir dem Kunden natürlich auch anbieten wollen. Auch unser Online-Shop soll ausgebaut werden.“      
Bedarf an Kletterhallen vervielfacht
Das Interesse am Klettern & Bouldern nahm in den letzten Jahren stark zu. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Zahlen wider, die der Deutsche Alpenverein (DAV) in verschiedenen Leserbefragungen und Studien erhoben hat. So wie die Zahl der Aktiven in den letzten drei Jahrzehnten stark zugenommen hat, ist auch die Zahl der Kletterhallen gestiegen: Laut DAV sollten es bis Ende 2018 insgesamt 500 Anlagen geben. (Während es 1989 nur 20 Klettereinrichtungen in Deutschland gab, stieg die Zahl im Jahr 2000 auf 180, 2015 gab es bereits 440. Davon sind ein Drittel in erster Linie Seilkletterhallen, etwa ein Drittel sind reine Boulderhallen.)
 

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