Neymar überholt Ronaldo 05.07.2018, 15:16 Uhr

Die neuen Champions im Trikotverkauf

Welche Spieler die Trikot-Verkaufscharts beim schwäbischen Fußballhändler 11teamsports anführen – und was Vereinserfolg und die sozialen Medien damit zu tun haben
Kaum ein Zweikampf im Fußball elektrisiert die Fans weltweit so sehr wie der zwischen Cristiano Ronaldo von Real Madrid und Lionel Messi vom FC Barcelona: Wer schießt mehr Tore? Wer ist der beste Spieler der Welt oder sogar aller Zeiten? Auch bei 11teamsports, Deutschlands größtem Fußballhändler, steht dieses Duell der beiden Superstars im Fokus. Hier natürlich verbunden mit der Frage: Welches Trikot wird häufiger verkauft? Zumindest in der Saison 2017/18 fiel die Antwort eindeutig aus: „CR7“ hat „LM10“ ein ganzes Stück weit hinter sich gelassen.

Neymar entthront Ronaldo

Allerdings – und das sorgte auch bei den Leuten von 11teamsports mit Blick auf die Zahlen für einige Überraschung – ist die portugiesische Tormaschine aktuell nicht mehr die Nummer eins. Mit dem Brasilianer Neymar von Paris St. Germain (PSG) gibt es tatsächlich einen neuen Trikot-Champion. Was auf der einen Seite ein bisschen verwundern mag, war der französische Topclub doch bereits im Achtel­finale der Champions League gescheitert (gegen Real Madrid) und damit zwangsläufig aus dem Blickfeld des interessierten Fußballpublikums geschossen worden. Auf der anderen Seite stieg Neymar im August des letzten Jahres durch seinen Wechsel von Barca zu PSG zum teuersten Kicker aller Zeiten auf. „Dieser 220-Millionen-Deal ging sechs, acht Wochen durch die Zeitungen und durchs Netz – mit einem jungen Spieler (Anm. d. Red.: 26 Jahre), der nach Ronaldo und Messi der dritte Topstar auf diesem Markt ist“, begründet Dennis Schröder, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb bei 11teamsports, den Hype um das Trikot des Brasilianers. Dazu verfügt der Kicker über den nötigen Glamour- und Coolness-Faktor und hat eine enorm hohe Reichweite – auf Instagram folgen ihm Stand Ende Juni 96,9 Millionen Menschen, sogar mehr als Lionel Messi.
Dass Selbstvermarktung natürlich einen großen Einfluss auf den Konsumenten hat, speziell auf Kinder und Jugendliche, zeigt das Beispiel Zlatan Ibrahimovic. Durch seinen Wechsel von Manchester United zu Los Angeles Galaxy hat der Altstar, mittlerweile 36, scheinbar nichts von seinem Status eingebüßt. „Obwohl er nicht mehr das Alter unserer Zielgruppe hat – wir wollen in erster Linie den 15- bis 17-Jährigen ansprechen, der auf Youtube und Co. unterwegs ist –, ist Zlatan Ibrahimovic hier in Deutschland noch immer extrem präsent“, betont Schröder. So bemühen sich die Manager von 11teamsports derzeit, einen Container an Trikots des Schweden über den großen Teich zu bekommen. Denn „die Nachfrage“, so vermutet der Sales-Boss, „scheint relativ hoch zu sein“. Er glaubt, in einer Saison 1.000 Stück davon verkaufen zu können.
Der sportliche Erfolg eines Vereins ist das eine, der bereits angesprochene Glamour-Faktor und die Anzahl der Instagram-Follower das andere und oft Entscheidende, was Trikotverkäufe angeht. Dies zeigt sich nicht nur bei Neymar – PSG hat seinen letzten großen internationalen Triumph vor über 20 Jahren gefeiert –, sondern auch bei einem Spieler, der in Deutschland von Fans und Medien häufig sehr kritisch gesehen wird: Mesut Özil. Der in Gelsenkirchen geborene Linksfuß türkischer Abstammung steht seit fünf Jahren in Diensten des europäisch gesehen eher zweitklassigen Arsenal London, beschert 11teamsports aber die stärksten Trikotverkaufszahlen eines deutschen Spielers. Das hat nicht nur mit dem hohen Migrantenanteil hierzulande zu tun, der Özil als einen der „ihren“ sieht, sondern auch mit dessen viralem Online-Auftritt: Knapp 17 Millionen Abonnenten verfolgen dort im Bild und manchmal auch Video, was
der Spieler auf dem Platz, aber auch abseits davon so treibt. Die Plätze zwei bis vier in den Verkaufscharts bei 11teamsports belegen Thomas Müller (FC Bayern München; 5,7 Millionen Follower), Toni Kroos (Real Madrid; 18,4 Millionen Follower) und Jo­shua Kimmich (FC Bayern München; 1,9 Millionen Follower).

DFB-Trikot: Kroos die Nr. 1

Etwas anders gestaltet sich die Rangliste in Sachen DFB-Trikot: In den vergangenen Monaten ging das mit der Nummer 8 von Toni Kroos am häufigsten über die Ladentheke. Hinter dem Mittelfeldspieler platzierten sich Thomas Müller, Mesut Özil, Joshua Kimmich und Mats Hummels. Von diesen Top 5 wurden jeweils weit mehr als 1.000 Exemplare verkauft. Dass Jérôme Boateng, der auf Instagram rund 5,5 Millionen Follower hat, nicht in diesen Ranglisten auftaucht, wird den einen oder anderen überraschen. 11teamsports-Manager Schröder erklärt das wie folgt: „Obwohl Boateng einen hohen Glamour-Faktor hat – mit eigener Brillenkollektion, lässt sich von Rapper Jay-Z in den USA vermarkten – und viele Instagram-Follower, merkt man, dass er Verteidiger ist und wenig Tore schießt. Somit fällt er selten spektakulär auf dem Rasen auf.“

Frühes WM-Aus schockt den Sporthandel

Noch nie ist Deutschland bei einer Fußball-WM bereits nach der Vorrunde ausgeschieden. Umso mehr zeigten sich nicht nur Fans, sondern auch (Sport-)Händler geschockt von der Blamage in Russland gegen Südkorea. Die bange Frage, die sich alle stellten und stellen: Wie werden wir jetzt nur unsere DFB-Trikots los?
Da wusste er noch nicht, was seiner Mannschaft blüht: Mittelfeld- und Führungsspieler Toni Kroos bei ­einem Fotoshooting vor der WM.
(Quelle: Adidas)
Bei 11teamsports hat sich die Stimmung wieder etwas aufgehellt – zumal die Verantwortlichen im Haus gut vorbereitet durch die Gruppenspiele gegangen waren. Am Ende des Tages sei man mit einem blauen Auge davon­gekommen, verrät Dennis Schröder, Geschäftsführer für Marketing und Vertrieb. Schon nach der ersten Begegnung (Anm. d. Red.: 0 : 1 gegen Mexiko) habe man Worst-Case-Szenarien durchgespielt. So konnte kurz nach dem Schlusspfiff gegen Südkorea rea­giert werden, und es gelang, die „kri­tischen Mengen“ abzuverkaufen – natürlich zu Rotstiftpreisen. „Wir haben jetzt einen Lagerbestand, mit dem ich durchaus leben kann“, meint Schröder erleichtert. „Natürlich wäre es schön gewesen, wenn wir weitergekommen wären, weil wir dann deutlich profitabler hätten abverkaufen können. Aber es ist definitiv nicht so, dass uns das in ein großes Loch stürzt.“
Durchaus überraschend: Auch nach dem WM-Aus habe man „nicht schlecht“ verkauft, berichtet Schröder, der dies nicht nur auf Preisreduzierungen in Höhe von 40 oder 50 %, sondern auch auf eine Jetzt-erst-recht-Mentalität der deutschen Fans zurückführt. Das ausgegebene Ziel, die Trikots von Kroos, Müller & Co. in insgesamt fünfstelliger Stückzahl abzusetzen, hat 11teamsports trotz der Vorrunden-Pleite der Mannschaft sogar erreicht.

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