Ein neues Lebensgefühl 03.07.2019, 11:02 Uhr

Der Lululemon-Effekt: Fitnessbekleidung wird zum Fashion-Trend

Noch vor einigen Jahren war es undenkbar, Sportkleidung im Alltag, geschweige denn im Büro zu tragen. Heute gehört Fitnessbekleidung, die Funktionalität, Komfort und modernes Design vereint, zu den wachstumsstärksten Segmenten der Sportindustrie.
(Quelle: Mandala )
Der athletische Freizeitlook „Athleisure“ ist bei Fashionistas nicht mehr wegzudenken. Auch Männer kombinieren Trackpant oder Hoody mit Streetstyle-Outfits. Gestartet ist der Trend in den Straßen der Metropolen wie New York, jetzt ist die Lifestyle-Bewegung nicht mehr aufzuhalten.

Fashion und Sport

Dass Sportmode schöner und somit alltagstauglich wird, liegt vor allem an der wachsenden Bedeutung der Zielgruppe Frau.
Yoga-Styles sind auch als Fashion-Statements beliebt.
(Quelle: Prana)
Das kanadische Label Lululemon war eine der ersten Sportmarken, die Fitness-, Lauf- und Yoga-Outfits auf den Markt brachten, die so gut aussahen, dass man sie am liebsten den ganzen Tag tragen möchte. Den Erfolg gründete der Pionier Chip Wilson auf einer bei Frauen besonders beliebten Sportart: Yoga. Mehr noch: Zum Konzept des 1998 gegründeten Unternehmens gehört eine Gemeinschaft. So entstand durch gemeinsame Yoga­stunden und Events eine treue Fangemeinde, sozusagen ein Lulu­lemon-Feeling, und eine starke Loyalität gegenüber der Marke. Die relativ hohen Durchschnittspreise (Pants beginnen bei 100 Euro), nehmen Kunden zwar angesichts der guten Qualität der Produkte in Kauf, in erster Linie aber auch aufgrund der Strahlkraft der Marke. Yoga-Bekleidung wurde zu einem Premium-Produkt. „Potenzielle Verbraucher legen viel Wert darauf, Teil der Community zu sein und dennoch einzigartig zu bleiben. Die Entwicklung zeigt, dass viele Produkte der Sportmarken sowohl in den Bereich Fashion als auch Sport eingeordnet werden können“, analysiert Julien Durant, Co-Founder Picture Organic Clothing.
Die Trends für Frauen
  • Schlanke Aerobic-Silhouetten
  • Offene Rückenausschnitte bei den Oberteilen
  • Luftdurchlässige Netz-Materialien
  • Große Logo-Prints
Die Trends für Männer
  • Multifunktionalität und Crossover-Training
  • Klare Silhouetten mit kleinen Farbakzenten in Form von Paspeln, Tapes und Drucken
  • Hoodies, Shirts und Windbreaker

Frauen im Fokus

Für die Gründerin und Designerin des Yoga-Labels Mandala, ­Nathalie Prieger, sind Sport- und Yoga-Bekleidung kein Fashion-Trend, sondern ein Lebensgefühl, das immer mehr an Wichtigkeit gewinnt.
Die neuen Styles erweitern das ästhetische Spektrum der Sportkollektionen.
(Quelle: Mandala)
„Sportmarken sind heutzutage Lifestyle. Es kommt sehr auf das Image der Marke an und wie sich die Kundin auf deren Werte beziehen kann. Frauen sind mobil, sie sind im Job, machen Sport und bewegen sich mehr mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Dafür müssen sie bequem angezogen sein. Mit Leggings und coolen Sneakern sehen sie super­easy aus. Der Look vermittelt das Gefühl von Sportlichkeit und Körperbewusstsein“, so Prieger, die mit ihrem Label bereits vor über 15 Jahren eco-faire Yogamode nach Deutschland brachte.
Frauen stehen auch auf der Agenda der großen Sportkonzerne ganz oben. In keiner Management-Präsentation der Branchenführer fehlt der Hinweis, wie enorm das ­Potenzial in dieser Zielgruppe tatsächlich ist. Mit Stella ­McCartney holte sich Adidas als einer der Ersten am Markt eine Designerin ins Haus, die das ästhetische Spektrum einer Sportkollektion über den Leistungssport und die Funktionsbekleidung hinaus erweiterte.

It-Pieces und Emotionen

Um sich in diesem immer enger werdenden Markt von der Konkurrenz abzugrenzen, arbeiten spe­ziell die Branchenriesen mit bekannten Designern und Celebritys aus dem Showbusiness zusammen.
(Quelle: Selena Gomez / Puma)
So auch Puma. „Sport- beziehungsweise Yoga-Bekleidung ist dank des riesigen Athleisure-Trends der letzten Jahre stark in der Fashion-Welt verankert. Jetzt heißt es, sich von anderen Marken abzuheben und einzigartige Looks für die Kunden zu kreieren. Dabei sind auch Kooperationen mit bekannten Designern oder Testimonials ein super Katalysator für die Entwicklung von Trends. Durch unsere Zusammenarbeit mit der international bekannten Schauspielerin und Sängerin Selena Gomez konnten wir zum Beispiel echte It-Pieces schaffen, die sehr begehrt bei der Zielgruppe und im Handel sind“, betont Hannelore Weiss, Head of Merchandising DACH.
Auch die funktionellen Styles werden immer modischer. Viele Yoga-­Marken legen zudem großen Wert auf Nachhaltigkeit
(Quelle: Picture Organic Clothing)
Mit Authentizität und Emotionen punkten vor allem kleinere Labels bei der weiblichen Klientel. Geprägt von der gleichnamigen norwegischen Skiathletin richtet sich Kari Traa von jeher an die aktive und sportliche Frau, die Wert auf einen ausgewogenen und gesunden Lebensstil legt. „Wir sind eine Marke von Frauen für Frauen. Jede hat ihren Stil und ihre ganz besondere Personalität. Frauen sind komplex und wandelbar, und genau das will Kari Traa hochleben lassen“, so Nathalie Meinfelder, Sales & Marketing Manager Deutschland und Österreich. Die Kollektion im Trainingsbereich wird bei der norwegischen Marke in fünf Frauentypen unterteilt: die starke Frau, das abenteuerlustige Outdoor-Girl, die sportliche Frau, die ganz Verspielte und die bewusst lebende Frau, die gerne beim Yoga den Ausgleich findet.
Auch das kalifornische Sportswear-Label Prana setzt mit Emotionen Fashion-Statements. „Der Trend entsteht durch die ‚good vibrations‘, die von einem Kleidungsstück auf den Träger übergehen. Wer sich wohlfühlt, der teilt das gerne mit. Sieht ein Sportoberteil so cool aus, dass man es gerne herzeigt – warum sollte man es dann in seinem Einsatz limi­tieren“, erklärt Stefanie Donner die Entwicklung.

Funktion plus Optik

Was es braucht, damit Sport- und Yoga-Bekleidung zum Fashion-Trend wird, verdeutlicht Adidas-Mann Ralf Gärtner, Go-to-Market-Stratege für den Bereich Training in DACH: „Es darf keine Kompromisse geben, wenn wir über Leistungsfähigkeit der Produkte und eine tolle Optik sprechen.
Fitnessbekleidung ist heute eines der am schnellsten wachsenden Segmente in der Sportindustrie.
(Quelle: Puma)
Der Konsument von heute möchte eine Kombination aus beidem. Dabei sind interessante Detaillösungen wie versteckte Träger oder Taschen gefragter als offensichtliche Produktfeatures. Im Trendfokus stehen ­außerdem ganzheitliche Konzepte mit kompletten Outfits, die aufei­nander abgestimmt sind und eine Geschichte erzählen.“
Den Fashion-Trends stets einen Schritt voraus zu sein ist das Ziel von Fila. Das italienische Sportlabel, das einmal das Design des Tennis­sports revolutionierte, feierte mit seiner Rückkehr auf der Mailänder ­Fashion Week ein Comeback in der Sportfashion-Branche. Mit neuen Farben, Designs, Schnitten und Materialien erweitert Fila stetig sein Produktportfolio. „Durch moderne Schnitte und außergewöhnliche Designs verschwimmen die modischen Grenzen zwischen Gym und Straße“, heißt es aus dem Headquarter.

Kräftige Farben, schlanke Silhouetten

Wie sich der Markt entwickelt hat, wird anhand der neuen Styles deutlich. Der Fashion-Faktor spielt in den Kollektionen 2020 eine ebenso große Rolle wie funktionale, flexible sowie atmungsaktive Materialien. Es geht um Tragekomfort, den der Konsument von einer Sport- beziehungsweise Yoga-Bekleidung erwartet. Sie soll angenehm und eng anliegend sein, damit man sich gut bewegen kann – egal ob auf oder neben der Yoga-Matte.
Die Damen-Kollektionen zeichnen sich durch schlanke Aerobicformen aus. Topaktuell sind offene Rückenausschnitte, Tights aus Vier-Wege-Stretch, kastige Oberteile und Crop-Silhouetten, die den trainierten Bauch in den Fokus setzen. Luftdurchlässige Netz-Materialien sind funktionell und sehen sexy aus. Ebenso angesagt sind für Activewear eher untypische, tiefe V-Ausschnitte sowie trendige, halsnahe Formen. Über Bras, Bralettes und Cropped-Tops werden weit fallende T-Shirts oder Tanktops mit extra großen Arm- oder Halsausschnitten getragen, damit das Darunter sichtbar wird. Elegant und trotzdem sportlich sind Trackpants mit weitem Bein und Streifen an den Seiten. Besonderes Key-Item bei den Frauen sind Bikeshorts. Der Hoody ist der Liebling der Designer mit Kapuze oder Zipper, aus weicher Baumwolle oder atmungsaktiven Multifunktions-Stoffen.
Der Sommer 2020 wird bunt. Auffallend sind verschiedene Lilatöne, kombiniert mit klassischem Weiß und Schwarz sowie Indigo und Gelb. Schwarz kommt in Kombination mit leuchtendem Koralle und kräftigem Mintgrün. Metallic-Drucke treffen auf weiche und natürliche Farben wie Mocca, grauweißes Steinblau, Midnight Blue und zartes Rosa. Neon-Sprühfarben und metallischer Logoprint unterstreichen den sportlich urbanen Touch. Die „Logo-Mania“ wird bei Damen und Herren weiter fortgeführt. Nach wie vor im Trend ist auch der Ton-in-Ton-Look. Die sportliche Kombination aus Crop-Top und Leggings in derselben Farbe oder aus der gleichen Farbfamilie sieht einfach edel aus.
Die Must-haves
  • Bikeshorts
  • Bauchfreie Crop-Tops
  • Feminine Leggings mit besonderen Details am Saum als Blickfang
  • Weit fallende T-Shirts oder Tanktops, mit extra großem Arm- oder Halsausschnitt, die den Bra darunter sichtbar machen
(Autorin: Rita Balon)

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