Fitness für zu Hause 08.03.2019, 08:58 Uhr

Hantel und Co: So punkten Händler mit Beratung

Faszienrollen, Schlingentrainer und Co. sind für viele Sportler der Ersatz fürs Fitnessstudio. Für den Handel sind Kleingeräte immer noch ein lohnendes Geschäft.
Die Fitnessbranche wächst weiter kräftig: Laut Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte konnte sie ihr Wachstum der vergangenen Jahre fortsetzen und 2018 mit einem erwirtschafteten Gesamtumsatz von 5,20 Mrd. Euro (für Fitnessanlagen, Mitgliederbeiträge) neue Höchstwerte verzeichnen. Immer häufiger wird das Training im Fitnessstudio auch durch das Workout zu Hause ergänzt – mithilfe von Fitnesskleingeräten, zu denen Kurzhantelstangen, Gewichtsscheiben, Faszienrollen, Kettlebells und Schlingentrainer zählen. Im stationären Handel sind sie als „Mitnahmeartikel“ beliebt, vom Online-Handel werden sie geschätzt, weil sie durch ihre geringe Größe relativ einfach logistisch zu versenden sind. Nach Angaben vieler Hersteller liegt der sta­tionäre Umsatzanteil jedoch noch über 60, teilweise sogar bei 70 Prozent.
Für MTS Sport stellt sich das Sortiment der Fitnesskleingeräte mit der Marke Schildkröt Fitness „sehr erfreulich“ dar. „Der Einsatzbereich für Kleinfitnessgeräte und damit auch die Zielgruppe ist sehr groß und körperliche Fitness ist das Argument für die immer wichtiger werdende ewige Jugend“, erklärt MTS-Geschäftsführer Sebastian Frey. 
Eine ähnlich positive Entwicklung des Sortiments sieht man bei Artzt. „Insbesondere Massagerollen und funktionelle Trainingsgeräte wie zum Beispiel Schlingentrainer waren überproportional stark gefragt“, weiß David Nießing, verantwortlich für Vertrieb und Marketing des Unternehmens. Aktuell stagniere das Geschäft mit Faszienrollen – jedoch auf einem hohen Niveau.
Wieder im Trend: der klassische Medizinball von Artzt.
(Quelle: Artzt)
Bei Kettler spricht man von einem stabilen Umsatzniveau bei Fitnesskleinge­räten. Viele neue Trendthemen hätten jedoch zu Umsatzverschiebungen innerhalb des Sortiments geführt. „Die klassischen Artikel wie Gewichtshanteln, Gymnastikbälle, Expander & Co. werden verdrängt“, erklärt Peter Zierlein, Verkaufsleiter Fachhandel beim Ensener Unternehmen.
Auch bei Intersport waren klassische Hartware-Produkte wie Gewichte oder Hanteln rückläufig, dennoch „sollten sie in einem gut sortierten Sportfachgeschäft nicht fehlen“, wendet Jonathan Palmer ein, Senior Produktmanager für den Bereich Fitness beim Verband. Während sich der Bereich Fitness 2018 insgesamt mit einem Plus von 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr positiv entwickelt hat, gab es bei Kleingeräten ein leichtes Minus. Laut Palmer hat das ehemalige Trendthema Faszientraining seinen Höhepunkt überschritten, dafür würden Gesundheitsthemen wie Yoga oder Functional Training hinzugewinnen. Die Eigenmarke Energetics entwickelte sich auf einem ­hohen Niveau und sei im Verbund die ­umsatzstärkste Marke.

MTS Sport unterstützt die Händler beim Verkauf der Marke Schildkröt Fitness mit Schulungsangeboten und der ansprechenden Präsentation am PoS.
(Quelle: Sport Schneider)
Schulung und Innovationen

Damit der Sporthandel weiter am anhaltenden Fitnessboom partizipieren kann, müssen Händler jedoch entsprechend geschult werden. „Wir geben dem Händler zusammen mit unserem Schildkröt-Fitness-Produkt ein komplettes Konzept mit auf den Weg und lassen ihn auch nach dem Kauf nicht alleine mit unserem Produkt“, erklärt Frey. Kleine Bildanleitungen auf der Verpackung und QR-Codes, die zu ausführlichen Übungsfilmen führen, sollen die Übungsvielfalt der Geräte auf­zeigen. Zudem nimmt MTS an Schulungsinitiativen wie dem VDS-Super-Cup teil, um Händler bei der Fortbildung der Mit­arbeiter und Verkäufer zu unterstützen.
Bei Artzt vertritt man die Ansicht, dass der Sporthandel sich insbesondere durch Expertise und Spezialisierung vom Discounter abheben muss. Durch den demografischen Wandel sieht das Unternehmen hohes Potenzial im Bereich der Best Ager (Zielgruppe 50+), die hochwertige Fitnesskleingeräte verwenden und entsprechend beratungsaffin sind.
Mit der Entwicklung neuartiger Geräte wollen die Hersteller das Sortiment weiter aufwerten. So bringt MTS beispielsweise mit dem „Half-Ball“ (ein Trainingskissen) oder dem Balancekissen „Seat Cushion Fit Plus“ innovative Artikel auf den Markt, mit denen sich der Sporthandel vom Angebot von Aldi, Lidl und Co. absetzen kann.
Bei Artzt setzt man weniger auf neue Technologien, sondern auf neue Konzepte und Übungsformen. „Wie in vielen anderen Bereichen findet bei uns eine Renaissance des Altbewährten und Ursprüng­lichen statt. Der klassische Medizinball ist ein Beispiel dafür“, weiß Nießing.
Intersport will das Sortiment durch den Fokus auf Gesundheitsthemen aufwerten. Dazu hatte der Verband 2016 das FitGesund-Konzept ins Leben gerufen. Die teilnehmenden Händler bieten auf speziellen Flächen eine Vielzahl an Artikeln an, die ­alle Bereiche des gesunden Sports ab­decken. Zudem werden jährliche Test­events veranstaltet, bei denen Kunden die Produkte mit der Unterstützung prominenter Trainer ausprobieren können. „Die Umsätze der teilnehmenden Mitglieder steigen, und die Akzeptanz in der Händlerschaft ist gut. Mittlerweile haben sich dem Konzept über 400 Intersport-Standorte angeschlossen“, so Palmer. 

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