Aus dem Fernsehen ins Sportgeschäft 28.08.2018, 08:26 Uhr

Darts versprechen guten Umsatz auf kleiner Fläche

Am Hype rund um Darts kommt auch unsere Branche nicht vorbei. Ein Intersportler hat seine Abteilung deshalb aufgerüstet. Zur Einweihung erschien sogar ein WM-Star.
Bereits seit 2004 überträgt Sport 1 die Darts-WM. Bei der letzten Auflage 2017/18 – das Turnier geht traditionell von Mitte Dezember bis Anfang Januar über die Bühne – feierte der Münchner Spartensender seinen bisher größten Quotenerfolg in dieser Sportart: Im Schnitt verfolgten 2,15 Millionen Fans die Live-Übertragung aus dem Londoner „Ally Pally“ (umgangssprachliche Abkürzung für den Alexandra Palace), dem Mekka der Szene. In der Spitze schalteten sogar 2,73 Millionen Zuschauer ein. An diesem ­Rekord hatte auch ein deutscher Spieler seinen Anteil: In der ersten Runde des Wettbewerbs war es dem Bochumer Kevin Münch gelungen, den ehemaligen Weltmeister Adrian Lewis aus dem Turnier zu befördern. Viele Beobachter sprachen damals von einer der größten Sensationen in der Geschichte des Sports, und natürlich befeuerte dieser überraschende Sieg den Hype, der nicht erst seit dieser Zeit durch die deutsche Medienwelt waberte, noch einmal stärker. Zuvor war Münch ein Niemand in der Szene, doch nach seinem Coup wurde der gelernte Landschaftsgärtner nicht nur für die Journaille, sondern auch für Werbepartner interessant – und dazu für Sporthändler.

PR-Aktion mit WM-Star

Ende des vergangenen Jahres hatte das Sporthaus Saemann in seinem Profimarkt (2.500 qm) die neue Darts-Abteilung eingeweiht. Zum Eröffnungsturnier war auch Kevin Münch erschienen – nach seinem Ausscheiden bei der WM – und hatte dort Autogramme geschrieben. Ein bisschen „Ally Pally“ in Heilbronn. Hausleiter Hannes Maier schwärmt noch heute von dieser PR-Aktion, bedeutete diese doch den ersten großen Wurf für das Geschäft mit den Pfeilen und Scheiben. Die Saisons zuvor hatte das Intersport-Mitglied nur das Standardprogramm aus dem Zentrallager der Verbundgruppe geführt, die Aufmerksamkeit rund um den Sport hatte aber zu einem Umdenken geführt – und das dann nach dem Motto „Richtig oder gar nicht“. „Wir nennen uns Intersport Profimarkt, und der Kunde erwartet etwas von einem Profi. Demnach brauchen wir Warengruppen und Sortimente, in denen wir gut bestückt sind“, begründet Maier das neue starke Engagement. Es sei einfach nicht mehr zeitgemäß, eine Warengruppe „so ein bisschen und am Rande weiterzuführen“. Zumal es seiner Rechnung nach im Raum Heilbronn über 250 Dart-Vereine geben soll, und zu einigen „Dart-Heroes“ hat das Sporthaus schon gute Kontakte aufgebaut. „Wir bedienen nicht nur die breite Masse der Kundschaft, sondern auch den Turnierspieler“, betont Maier. „Da geht viel übers Internet, aber mittlerweile kaufen die auch bei uns ein.“
So zeigt sich der Einkäufer ein dreiviertel Jahr nach der Neueröffnung der Abteilung „nicht unzufrieden“. Mit dem Thema Darts wird das Unternehmen in diesem Jahr einen gut fünfstelligen Umsatz erzielen. „Kein so hoher Euro-Betrag pro Teil, aber als Frequenzbringer ist das Sortiment richtig gut“, bemerkt Maier. Eine hohe LUG, normale Margen, wie sie im Hartwarenbereich gängig sind, und Verkäufe zum UVP: Das Engagement in diesem Bereich lohnt sich. Bisher ist das Intersport-Mitglied eines der wenigen Häuser im Verbund, die das Sortiment intensiv bespielen. „Einige Kollegen machen sich immer mehr Gedanken darüber“, weiß Maier jedoch. In seinem Kopf schwirrt derzeit der Gedanke umher, die Redblue für eigene Zwecke zu nutzen – und zwar um dort eine Stadtmeisterschaft zu veranstalten. Mit dem Ziel, „im Gespräch zu bleiben und die Leute ins Haus zu locken“, wie der Händler erklärt.
Solche (Groß-)Kunden aus dem Sporthandel würde sich Hermann Stiens in größerer Anzahl wünschen. Bereits seit 1989 ist er mit Embassy Sports (Münster) im Darts-Geschäft unterwegs. Sein Hauslabel Bull‘s sowie die Distributionsmarken Unicorn und XQ-Max finden mittlerweile auch immer mehr Abnehmer in unserer Branche. „Der Sporthandel hat in den letzten vier, fünf Jahren aufgeholt, die Händler sind offener geworden“, meint Stiens. Das größte Geschäft läuft natürlich nach wie vor über die Darts-Spezialisten – rund 100 an der Zahl, eher selten ein Ladengeschäft betreibend. Deren Umsatzanteil sieht er im gesamtdeutschen Markt bei 40 %. Dann aber folgt bereits der Sporthandel inkl. Kaufhäusern und entsprechender Abteilung mit 30 % vor dem Spielwarenhandel mit 15 bis 20 %. Den Rest teilen Discounter und Stahlwarenhändler unter sich auf. Hierzulande beliefert Embassy im Darts-Geschäft 1.800 Türen, tatsächlich kommt die Hälfte aus dem Sporthandel. Stiens schränkt jedoch ein, dass nicht alle Kunden aufgrund des NOS-Lagerprogramms der Verbände direkt vom Unternehmen versorgt würden. Mit Bull‘s, Unicorn und XQ-Max sieht er sich in Deutschland bei einem Marktanteil von 60 %. 

Mehr Engagement erwünscht

Auch wenn der Vertriebsprofi vorhin zufrieden bemerkt hatte, dass der Sporthandel aufgeholt habe – etwas mehr Engagement bei Darts würde er sich dennoch wünschen. „Es ist teilweise sehr unverständlich, dass das Thema trotz ständig wachsender Umsätze und hoher TV-Präsenz immer noch etwas stiefmütterlich behandelt wird“, moniert Stiens und wagt den Blick über den großen Teich: „Das ­wäre in den USA undenkbar: Da springt man sofort auf alles, was sich verkaufen lässt.“ Seitdem das DSF, der heutige Sender Sport 1, mit den Darts-Übertragungen begonnen habe, sei der Umsatz im Hause Embassy permanent gesteigert worden. „Man kann darüber streiten, ob Darts jetzt ein Sport ist oder nicht“, räumt Stiens ein, um aber im selben Atemzug zu betonen: „Wer Darts als Sortiment im Sporthandel nicht akzeptiert, den kann ich wirklich nicht verstehen.“

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