Badminton nach wie vor ein stabiles Sortiment 31.08.2018, 09:51 Uhr

Mit neuen Konzepten auf Nachwuchsjagd

Badminton ist weiterhin eine beliebte Sportart. Die Hersteller versuchen, mit innovativen Produkten und Konzepten den Nachwuchs zu begeistern.
Auch wenn die Mitgliedszahlen des Deutschen Badminton-Verbands in den letzten Jahren gesunken sind, erfreut sich das vor über 2.000 Jahren erfundene Rückschlagspiel in Deutschland großer Beliebtheit und ist aus dem Sortiment des klassischen Fachhandels nicht wegzudenken. „Wir sind ­absolut zufrieden mit der tollen Position, die wir uns in den letzten 20 Jahren in Zentraleuropa aufgebaut haben“, freut sich Geschäftsführer Sebastian Frey über die Stellung der von MTS Sport vertriebenen britischen Marke Talbot-Torro. Ähnlich ­Positives hört man von Jan Beutler, dem deutschen Geschäftsführer des in Taiwan ­gegründeten Badminton-Spezialisten Victor-Sport. „Auf nationaler Ebene haben wir 2017 wieder ein Plus verzeichnen dürfen. Der internationale Badmintonmarkt hat sich darüber hinaus sehr positiv entwickelt, sodass wir im vergangenen Jahr in diesem Bereich ein starkes Wachstum ­erzielen konnten“, so Beutler.
Oliver Sport, australischer Hersteller von Badmintonartikeln, konnte im gleichen Zeitraum in Deutschland ebenfalls eine marktführende Position erreichen. „Der deutsche Badmintonmarkt war für Oliver Sport mit einigen Ups and Downs auch im letzten Jahr eine konstante Größe“, weiß Wolfgang Pelshenke, Verkaufsleiter des Unternehmens in Deutschland. „Dennoch betreffen die negativen Entwicklungen, die wir inzwischen in fast allen Sportarten beobachten können, leider auch den Badmintonmarkt“, schränkt er ein. Weniger Mitglieder in den Verbänden, weniger Mannschaften, Überalterung, fehlende Nachwuchsarbeit und ehrenamtliche Helfer spiegelten sich zwangsläufig in der Nachfrage wider. Der Oliver-Geschäftsführer fürchtet, dass auch der zu früh eingesetzte Sommer 2018 Spuren bei allen Anbietern hinterlassen wird, die sich mit dem Thema Indoor-Sportarten befassen. „Da wir aber durch unser überzeugendes Programm und unsere strategischen Maßnahmen gut aufgestellt sind, planen wir auch weiterhin mit einer kon­stanten Umsatzgröße“, ist Pelshenke ­positiv für die Zukunft gestimmt.

Umsätze des Vereinsmarkts liegen bei 15 bis 18 Mio. Euro 

Genaue Zahlen, die das Gesamtvolumen des deutschen Markts für die Sportart ­belegen würden, nennt keiner der erwähnten Hersteller. „Mit Discountern und Supermärkten gibt es zu viele verschiedene Vertriebswege, über die keine Zahlen bekannt sind. Auch ist die Abgrenzung zwischen Sommer-Freiluft-Federball und Badminton in der Halle schwer und verzerrend“, äußert sich Frey über fehlende Umsatzzahlen. Auch Pelshenkes wendet ein, dass sich die Frage nach dem Gesamtvolumen schwer beantworten lasse, „da es keine verlässlichen Zahlen dazu gibt und alles auf Annahmen beruht“. Er schätzt den Badminton-Vereinsmarkt jedoch auf ein Volumen von ca. 15 bis 18 Mio. Euro ein, was die Erlöse aus dem Verkauf von Schlägern, Bällen, Schuhen, ­Taschen, Bekleidung und Zubehör betrifft. „Beim Freizeitmarkt ist es fraglich, was tatsächlich dazugezählt werden kann, da der Freizeitsportler in der Regel das Equipment auch für andere Aktivitäten nutzt. Beschränkt man die Auswertung nur auf Schläger und Bälle, stellt sich die Frage, ob man die Billigschläger, die über Supermärkte, Discounter etc. vertrieben werden, mit einrechnet“, so Pelshenke. 

Neue Materialien und Designs

Durch die Positionierung von Talbot-Torro als Marke für ambitioniertere Freizeitsportler liegen die Haupt-VK-Preislagen zwischen 40 und 70 Euro. Für Winter 2018 stellte die Marke ein neues ­Design-Konzept mit starken, kräftigen Farben vor, das für 2019 nochmals aufgefrischt wurde. Eines der neuen Schlägermodelle, der „Isoforce 1011“, wurde dafür mit dem renommierten Red Dot Design Award ausgezeichnet. Die Badminton-Varianten Speed-Badminton, Badminton am Strand auf Sand oder auch Federball bei Nacht stellen wichtige und originelle Erweiterungen für das Sortiment dar. Das Federballset „Magic Night“ soll mit im Ball integrierten LEDs für ein magisches Spiel bei Dunkelheit sorgen. Frey beschreibt das Set als ein Produkt, „das der Verbraucher so noch nicht kennt und über das sich der Fachhändler dann profilieren und positionieren kann.“
Das originelle "Magic Night Set" von Talbot Torro will den Nachwuchs begeistern.
Das Sortiment von Oliver deckt die Preisspanne von Freizeitschlägern für 10 Euro bis zum High-End-Schläger für 179 Euro ab. Das größte Volumen steckt in der „Club Line“, welche die Preisspanne von 20 bis 60 Euro umfasst. In den letzten Jahren sei vor allem die Nachfrage nach leichten Badmintonschlägern (75 bis 84 g) deutlich gestiegen. „Wir bieten hier schon auf dem Preispunkt 45 Euro (Modell „Fetter Smash“) bzw. 60 Euro (Modell „Supralight S4.2“) zwei neue Schläger mit überzeugenden Spieleigenschaften an“, so Pelshenke.
Ein preislich breit gefächertes Angebot an Schlägern findet man ebenfalls bei Victor. „Für den Schulsportbereich bieten wir bereits Schläger ab 10 Euro an. Unsere Top-Schlägermodelle im Premiumbereich haben Preise bis zu 259 Euro“, erklärt Beutler. Mit dem Modell „Carbonsonic“ haben wir eine neue Kategorie von Badmintonbällen entwickelt“, berichtet der Victor-Geschäftsführer. Das leichte Carbongestell mit Schaumstofffedern ermögliche ein völlig neues Spielgefühl. Zusammen mit spezialisierten Ingenieuren arbeite die Marke darüber hinaus an marktfähigen Alternativen zum Naturfederball.
Dass die Nachfrage nach Schlägern im mittleren Preisbereich am höchsten ist, weiß Torsten Bonacker, Geschäftsführer von Dunlop. „Unsere neue ,Kinesis‘- Schlägerrange verfügt mit japanischen High-Modulus-Carbon über ein extrem widerstandsfähiges Graphit“, erläutert Bonacker den Einsatz von neuen Materialien bei den Schlägern.  Neu sei auch die „Multitwist“-Technologie im Schlägerkopf: Hier ist der Rahmen in sich verwunden und soll dadurch den Luftwiderstand ­erheblich reduzieren.

Händlerunterstützung am PoS und Online

Beim Vertrieb setzt MTS nach wie vor auf den stationären Fachhandel. „Wir leisten uns fünf angestellte Reisende allein in Deutschland und gehen mit den beiden großen Sport-Einkaufsverbänden mittlerweile absolut innovative Wege im Bereich NoS: Der Fachhändler definiert ein Sortiment mit MTS und bekommt über EDV-Schnittstellen die automatische Nachbestückung ab Lager“, schildert Frey. Für die Verkäufer im Fachhandel organisiert MTS regelmäßig Schulungen, bei denen der Außendienst „auch mal zum Testen mit Verkäufern in eine Badmintonhalle geht“. Zudem seien aus Gründen der Übersichtlichkeit alle Podukte mit kleinen Schaftsymbolen ausgestattet, die Auskunft über die Features geben. So kann der Verkäufer diese während des Kundengesprächs ­unauffällig ablesen.
Da sich auch im Badminton-Markt der Online-Handel in den letzten Jahren massiv entwickelt hat, stehen Einzelhändler und Hersteller gleichermaßen vor neuen Herausforderungen. „Zwar ist der stationäre Handel je nach Zielgruppe weiterhin die erste Anlaufstelle für Käufer, jedoch informieren sich Sportler zunehmend auch gezielt auf Online-Plattformen über Produkte und neue Technologien“, weiß Beutler. Daher seien die richtigen Multichannel-Strategien gefragt, um Kunden nicht nur vor Ort, sondern beispielsweise auch über den eigenen Online-Shop oder über die sozialen Netze zu erreichen. „Wir haben das früh erkannt und unterstützen unsere Händler bereits seit Jahren aktiv bei der Online-Präsentation und bei allen Fragen rund um den Online-Handel“,so  der Victor-Geschäftsführer.

Fokus auf den Nachwuchs

Um den dringend notwendigen Nachwuchs für das beliebte Rückschlagspiel zu fördern, lassen sich die Hersteller einiges einfallen. Mit dem ELI-Konzept (Easy Learning Initiative) bietet MTS eine Weiterentwicklung des etwas in die Jahre gekommenen BISI-Konzepts (Badminton Into Schools Initia­tive). Hierbei soll ein ­innovatives Griffband dem Schüler die korrekte Fingerposition zeigen (Selbstkontrolle) und durch eine unterschiedliche Farbgebung der beiden Schlägerseiten die Fremdkontrolle durch den Trainer ermöglichen. „Wir möchten mit unserem ELI-Konzept einmal mehr den Einstieg in Badminton und ­damit letztendlich den so wichtigen Breitensport fördern, von dem auch gerade der Fachhändler lebt und profitiert“, ­erläutert Frey das neue Konzept von MTS zur Nachwuchsförderung.
Um möglichen neuen Talenten nahe zu sein, präsentiert sich Oliver bei allen wichtigen Sportevents in Deutschland, wie den Deutschen Meisterschaften, Länderspielen, Racketlon Weltmeisterschaften und den European Club Championships. „Oliver sponsert weit über 150 Meinungsbildner (Trainer/Spieler) und viele Bundesligavereine in Deutschland. Ein besonderes Augenmerk gilt der Nachwuchsförderung im Oliver-Junior-Team“, so Pelshenke.
Auch Victor pflegt seit Jahren eine enge Kooperation mit dem Deutschen Badminton-Verband (DBV) und unterstützt die Landesverbände bei Turnieren und anderen Events. „Zudem arbeiten wir mit vielen Vereinen partnerschaftlich zusammen, unterstützen die Nachwuchsarbeit und sponsern Trainer, Spieler und auch ganze Vereine. Darunter auch diverse Bundes­liga-Mannschaften“, erklärt Beutler.

   
„Mach mit – spiel dich fit!“

Obwohl die Mitgliederzahlen beim Deutschen Badminton-Verband (DBV) 2017 erneut gesunken sind (187.464 Mitglieder), erfreut sich die Sportart im Sportunterricht größter Beliebtheit und ist in allen Schulcurricula der Bundesländer für die weiterführenden Schulformen verankert. Die ganzjährig durchführbare Schulsport­aktion (jeweils auf ein Schuljahr bezogen) hat zum Ziel, Schülerinnen und Schüler in den Badmintonsport einzuführen und sie für das beliebte Rückschlagspiel zu begeistern. Die Aktion wird sehr gut angenommen, durchschnittlich nehmen pro Schuljahr etwa 35 Schulen mit ca. 400 Klassen und 9.200 Schülerinnen/Schülern teil.
Der Verband plant, ab September 2018 für Grundschulen ein ­Paket zur Einführung in das Spiel mit Übungen (angelehnt an das Badminton-Spiel- und -Sportabzeichen) und Urkunden anzubieten. Dieses Paket wird ebenfalls Vereinen, die Badminton in den Grundschulen bekannt machen wollen, zur Verfügung gestellt. Ansonsten führen viele Badminton-Landesverbände Schulsportaktionen für unterschiedliche Schulformen durch.
 
 

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