Chance für den Sportfachhandel 06.03.2019, 09:00 Uhr

Sportsfashion im Fokus

Das Thema Sportsfashion wird immer wichtiger. Um im Wettbewerb zu bestehen, wünscht sich der Sporthandel besondere Marken.
Ein Beitrag von Rita Balon
Modeorientierte Sportbekleidung kommt bei den Kunden gut an. Damit steht der Sporthandel allerdings im Wettbewerb mit Modegeschäften und Textilkaufhäusern. Andererseits eröffnet die positive Entwicklung des Marktes auch Chancen. Vor allem Händler mit einem starken modischen Fokus wollen dieses Angebot ausbauen und suchen daher mehr ikonische Marken. Mit Linien, die sich in Style und Schnitt vom klassischen Sportmode-Angebot unterscheiden, sehen sie einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Besondere Marken kommen an

„Es ist wichtig, seine Stärken auszuspielen. Sport hat ein sehr gutes Image, gerade bei modebewussten Menschen“, sagt Bernd Krapp, wozu auch der unaufhaltsame Athleisure-Siegeszug einen nicht unbeträchtlichen Beitrag leiste. Um sich erfolgreich am Markt zu behaupten, setzt der Inhaber von Sportbörse Krapp in Aalen auf Top-Marken, die es nicht überall zu kaufen gibt, wie zum Beispiel Luis Trenker: „Die Kollektion ist zwar supermodisch, passt aber besser in den Sporthandel. Denn im Gegensatz zum Modegeschäft setzen wir die Outfits mit nostalgischen Ski in Szene. Schließlich lebt unser Geschäft von Emotionen, die unter anderem auch ein Umsatzmotor sind“, so der Sporthändler.
Wie so viele Sporthändler, die modisch aufgestellt sind, wünscht sich auch Nino Ardolic mehr ikonische Marken. „Wir bekommen von unseren Kunden sehr viel positives Feedback, weil es bei uns Brands gibt, die man nicht überall sieht und bekommt, die anders sind als im klassischen Sportbereich“, profitiert der Einkaufsleiter bei Sport Mathias Frey in Cham vom Image junger, moderner Labels und nennt ein Beispiel: „SOS und Peak Performance sind sehr coole Marken mit außergewöhnlichem Design und einer guten Passform.“
Eine anspruchsvolle Präsentation steigert das Einkaufserlebnis für die kunden, wie hier bei Sport Frey in Cham.
(Quelle: Mathias Frey)
„Moderner Style verkörpert auch einen gewissen Lifestyle“, bestätigt Bernd Titius, dass Marken mit modischem Anspruch immer häufiger nachgefragt werden und eine wichtige Säule seiner Geschäfte darstellen. In drei Häusern führt die Firma Pecht am Standort Bad Neustadt/Saale diverse Sortimente. Wobei im Modehaus Modemarken und Sportmarken gemischt werden und im Sporthaus auch Modemarken zu finden sind. „Unsere Kunden erwarten von uns eine modisch orientierte Sportwelt, verschiedene Brands für alle Zielgruppen und die direkte Anbindung an unsere Freizeit-Sneaker-Abteilung“, so der Geschäftsführer. Nach seinen Erfahrungen sind die Zeiten des nur funktionell denkenden Sportlers vorbei: „Frei nach dem Motto ‚alles kann – nichts muss‘ suchen unsere Kunden oft sehr individuell ihre Lieblingssportmode aus und kombinieren diese auch mit Teilen aus dem Modehaus.“

Sport Mathias Frey in Cham bekommt viel positives Feedback von den Kunden, weil es hier Brands gibt, die man nicht überall sieht und bekommt.
(Quelle: Sport Mathias Frey)
Gute Präsentation ist wichtig

Um modische Sportbekleidung gut zu verkaufen, braucht es Fläche. Je größer das Ladengeschäft, desto größer kann auch die Auswahl an Trend- und Premium-Marken sein. „Ebenso braucht es eine ansprechende Präsentation, weil es auch immer um das Einkaufserlebnis geht. In einem vollgestopften Laden oder an Stangen, die mit Ware vollgeklatscht sind, gibt es keinen Platz für modische Teile, um zur zu Geltung kommen“, erläutert Bernd Krapp sein Motto ‚weniger ist mehr‘. In seinem Geschäft ist deshalb jedes Bekleidungsteil maximal zweimal zu sehen, die verschiedenen Größen hängen im Lager. „Wir fangen jeden Kunden ab und beraten ihn individuell, welcher Style zum Oberteil oder der Hose passt, welche Farbe et cetera. So kann der Berater gezielt die gewünschte Ware aus dem Lager holen“, legt Krapp großen Wert auf die stilsichere Kompetenz seiner Mitarbeiter und investiert gerne viel Zeit in Kundengespräche.
Gleichzeitig ist Kreativität gefragt, um sich vom Wettbewerb zu unterscheiden. Das Mode- und Sportgeschäft Burkhard im bayerischen Aichach rückt den Fashion-Aspekt in den Fokus. Sogenannte Highlight-Ständer an exponierten Plätzen im Geschäft sollen mit wöchentlich wechselnder Mode Anreize schaffen und dem Kunden dazu inspirieren, auch mal etwas einzukaufen, was er nicht auf dem Zettel hat. Aber nicht nur die modisch dekorierten Ständer fallen ins Auge. „Parallel werden diese Outfits auf unserer Website als ‚Outfit der Woche‘ veröffentlicht. Damit wollen wir auch einem internetaffinen Publikum Lust auf ein neues Outfit machen, was auch bei neuen Kunden sehr gut ankommt“, so Harry Borosch.
Das Team des Mode- und Sportgeschäfts Burkhard im bayerischen Aichach rückt mit Highlight-Ständern den Fashion-Aspekt in den Fokus.
(Quelle: Sport Burkhard)
Emotionalisierung und Inszenierung sind die Stichwörter. Schließlich geht es bei den modeorientierten Linien nicht nur um das Produkt, sondern auch um die Story. „Vor allem die Zielgruppe Instagram, für die die modischen Aspekte eine große Rolle spielen und die solche Themen postet, wollen wir für uns gewinnen“, sagt Nino Ardolic. Er sieht Social Media als eine wichtige Inspirationsquelle für den Konsumenten. Ebenso wie Kampagnen rund um die Produkte, die von der Industrie mit Influencern realisiert werden und Begehrlichkeiten wecken und damit nicht zuletzt dem stationären Handel zu mehr Umsatz verhelfen.

Athleisure hat Potenzial

Fragt man die Sporthändler, welche Bereiche sie gerne aufstocken würden, sehen die meisten im Athleisure-Bereich das größte Potenzial. Unisono heißt es, dass tolle Umsätze gemacht sowie gute Zuwächse verzeichnet werden. Differenzierter ist die Aussage des Handels beim Thema Skibekleidung. „Damit der Kunde auch schon im November sein Ski-Outfit kauft, brauchen wir im modischen Bereich coolere und spannendere Sortimente. Bei der klassischen Skiwear wartet er ohnehin, bis sie runtergesetzt werden, zumal in den letzten Jahren die Winter erst spät einsetzten“, sieht Nino Ardolic kein Aufstockungspotenzial hierfür in seinem Geschäft.
Anders Alfred Fischer vom gleichnamigen Sportgeschäft in Abensberg: „Obwohl wir bereits sehr gut aufgestellt und sortiert sind, gibt es schon noch Wunschmarken. Spyder ist so eine, die wir ab nächsten Winter führen werden.“ Auch beim Mode- und Sportgeschäft Burkhard wird laut Harry Borosch aufgestockt: „Ellesse kommt im Frühjahr mit Streetwear und Athleisure. Wir halten auch auf dieser ISPO wieder die Augen offen nach neuen modischen Highlights.“ Doch nicht jede Marke, die der Sporthandel gerne führen möchte, bekommt er auch. Diese Erfahrung machte Bernd Titius (Sport- und Modehaus Pecht): „Adidas Originals und Reebok Classics sind momentan gerade bei unseren jungen Kunden sehr gefragt. Leider müssten wir, um diese beiden Marken aufzunehmen, eine separate Sneaker-Fläche im Modehaus zur Verfügung stellen. Dies ist aktuell aus Flächengründen allerdings nicht möglich.“

Sportsfahion ist eher in der Stadt gefragt

Dass Sporthändler in und um Großstädte, wo die Kaufkraft am höchsten ist, ihr Sortiment wesentlich spitzer und modischer ausrichten können als in ländlichen Regionen, liegt auf der Hand. Dennoch hat auch bei Sport Lang in der kleinen Oberpfälzer Gemeinde Vohenstrauß nach Worten von Juliane Lang der modische Aspekt zugenommen. „Bei uns im ländlichen Raum ist eine gesunde Mischung aus klassisch und modisch wichtig, weil wir ein breites Publikum ansprechen. Wobei ich sagen muss, dass sich modische Modelle viel unkomplizierter verkaufen lassen als Funktionsteile. Wenn’s gefällt, spielt der Preis keine Rolle.“        

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