Ohne Berührungsängste 06.03.2019, 08:24 Uhr

Sporthändler richten ihre Sortimente immer öfter modisch aus

SAZ Sports & Fashion fragte Händler: Wie wichtig sind Sportswear- oder Athleisure-Marken und modische Optik für Ihr Geschäft, und wie kommen diese Themen bei Ihren Kunden an?
Viele der von uns befragten Sporthändler sehen große Chancen in modischen Sortimenten. Diese führen sie zum Großteil schon, sagen sie. Allerdings nicht von Modemarken, sondern von Sportmarken, denn Funktion muss mit dabei sein. Modische Optik wird dazu aber auch immer wichtiger, denn wenn ein Bekleidungsteil gefällt, spielt der Preis keine so große Rolle mehr. Ein paar Händler wollen allerdings bei der Funktion bleiben und mit beratungsintensiver Ware punkten.
Dirk Iserlohe, Sportsworld Lingen, Lingen
Da sind wir vermutlich in einer Zwickmühle: Auf der einen Seite streben die Textiliten in sportive Themen. Warum also sollten wir Beißhemmungen haben, in modische Themen zu gehen? Auf der anderen Seite
laufen wir dann Gefahr, unsere Identität zu verwässern. Da muss jeder mit sehr viel Fingerspitzengefühl an seinem Standort schauen, wie viel Mode es in welchem Segment sein darf, um noch als authentisches Sportgeschäft wahrgenommen zu werden.
Ilka Neinhardt, Bluesky, Hannover
Bei uns ist das ein großes Thema, das wir aber durch unsere Outdoor-Marken besetzen können.
 
Norbert Gebhardt, Sport Gebhardt, Bad Sobernheim
In Zeiten voller Schränke ist attraktive modische Optik unverzichtbar. Je modischer und damit kurzlebiger solche Teile sind, desto schwieriger wird es aber, diese Teile auch genauso schnell abzuverkaufen.
 
Andrea Bermig, Endspurt, Hermsdorf
Der Trend zeichnet sich seit einiger Zeit ab, dass Funktionalität und Style einhergehen. Viele Firmen haben diese Entwicklung erkannt und stellen entsprechende Sortimente zur Verfügung. Wir bedienen diese Konzepte seit mehreren Jahren und sehen eine weiter ansteigende Tendenz.
 
Marcus Freitag, MF Sport, Berg
Dieses Thema habe ich bereits vor circa acht Jahren aufgegriffen, es ist ein fester Bestandteil des Sortiments. 
Beim Thema Sportswear oder Athleisure-Marken im Store gehen die Meinungen der Sporthändler auseinander.
(Quelle: Shutterstock/Alena Ozerova)
Ralf Meyer, Barnstorfer Mode- und Sporthaus, Barnstorf
Ich praktiziere das schon seit über zwei Jahren. Bei unseren Kunden kommt es grundsätzlich gut an, da wir so das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden. Der Kunde kommt wegen ein paar Fußballschuhen und geht am Ende aber noch mit einer Jeans und einem T-Shirt nach Hause. Wir mixen so unser Sortiment und erhöhen die Verweildauer und den Durchschnittsbon. In diesem Bereich arbeiten wir mit Marken wie Jack & Jones, S.Oliver, Only etc. und Adidas, Nike, New Balance, Hummel, Champion, Fila etc.
 
Peter von der Wippel, Sport Peter. Bad Tölz
Modische Optik ist sehr wichtig. Grundsätzlich kann man mit unbe­kannten Marken hervorragende Erträge erzielen, wenn die Optik und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen und sie eine gute Geschichte haben.
 
Andreas Krautkrämer, Balance Action-Mountainsports, Saarlouis
Sind wir doch mal ehrlich – modische Aspekte spielen immer eine Rolle! Ein Artikel kann noch so funktional sein – wenn er optisch nicht gefällt, wird er (meist) nicht gekauft. Auch im Outdoor-Segment sind modische Gesichtspunkte ganz klar wichtig und werden ja von den Herstellern mittlerweile über die Funktion gestellt. Dies sehe ich kritisch, da es langsam zu sehr in die Mode geht. Allerdings werden natürlich auch die meisten Produkte für den Alltag verkauft, also ist es wiederum berechtigt, darauf Wert zu legen. Reine Modemarken führen wir wenig, werden aber das Thema mit der neuen Innenstadtlage im nächsten Jahr analysieren.
 
Funktionalität geht immer häufiger mit Style einher – so wie bei diesem Modell von Vaude.
(Quelle: Vaude)
Florian Bechert, Boardshop BF, Freiburg
Über Mode generieren wir circa 70 Prozent des Umsatzes. Sport rückt zunehmend in den Hintergrund. Faire und Organic-Marken wie Skunkfunk liegen im Trend.
 
Armin Weber, Sack&Pack, Krefeld
Wir fahren Mode immer stärker zu Gunsten von Dauerhaftigkeit, Nachhaltigkeit und Funktion zurück.
 
Maik Trinkner, Sport Trinkner, Löchgau
Wir konzentrieren uns auf Sport, weniger auf Mode. Unsere Chance sind beratungsintensive Artikel, modische Ware wird inzwischen sowieso in Innenstadtlagen oder Online gekauft.
 
Katja Mendel, AlpenStrand, Landshut
Wir spielen diese Themen schon seit Jahren. Wir nennen es #AlpenStrandStyle und machen unsere Farbthemen in unserem Haus mit unseren Lieferanten. Von Outdoor über Athleisure bis Sportswear.

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