Gegen Wirtshaftsspionage und Mobbing 03.06.2019, 07:36 Uhr

Profilerin Suzanne Grieger-Langer durchleuchtet auch die Sportartikelbranche

Suzanne Grieger-Langer als Personalberaterin zu bezeichnen, wäre zu kurz gegriffen. Ihre Arbeit setzt da an, wo der Job der Headhunter und Personalagenturen endet.
(Quelle: Suzanne Grieger-Langer )
Sie hat Psychologie und Pädagogik studiert, ist zertifizierte Psychotherapeutin und war als Lehrbeauftragte in den Bereichen Wirtschaft und Kriminalistik an verschiedenen Fachhochschulen tätig. Bekannt ist Suzanne Grieger-Langer aber vor allem für ihre Tätigkeit als Profiler für deutsche und internationale Unternehmen.
SAZsport: Sie bezeichnen sich als Profiler. Warum haben Sie diesen Begriff gewählt?
Suzanne Grieger-Langer: Profiler ist der neudeutsche Begriff für Ermittler. Und das mache ich: Ich ermittle hinsichtlich Wirtschaftskriminalität. Mein Job im Rahmen des Recruitings ist die Entlarvung von Betrug. Ich komme dann ins Spiel, wenn eigentlich schon entschieden ist, wer in den Vorstand kommt oder CEO wird. Mit meinem Team mache ich dann einen Hintergrundcheck, ob die Person tatsächlich hält, was sie verspricht und was sich alle von ihr erwarten. Wenn zu Zwecken der Wirtschaftsspionage jemand in ein Unternehmen eingeschleust werden soll, dann wird der Auftraggeber vieles verschleiern. Das können Personalberater gar nicht entdecken, weil sie auf diese Form der Kriminalität nicht vorbereitet sind. In meinem Team sind dann 15 bis 20 Analysten im Hintergrund aktiv. Das sind Ressourcen, die auch kaum ein Unternehmen selbst aufbringen kann.
SAZsport: Gibt es Branchen, für die Sie besonders häufig tätig sind?
Grieger-Langer: Wir arbeiten viel für Banken, denn hier kommen mit Kreditvergabe und Geldwäsche noch weitere Risiken für die Unternehmen hinzu, wenn wirklich der falsche Mitarbeiter am Hebel sitzt. Aber für die Sportartikelbranche war ich auch schon tätig.
SAZsport: Wenn Sie eine Person durch­checken sollen, wo setzen Sie dann an?
Grieger-Langer: Zuerst schickt das Unternehmen Kenndaten der Person und wir werden über Symptome oder einen begründeten Verdacht informiert, inwiefern diese Person dem Unternehmen schaden könnte. Wenn es nur Symptome gibt, gehen wir ins Unternehmen und prüfen diese. Oftmals wissen die Unternehmen aber auch schon, wo es krankt. Wir recherchieren dann, was wirklich vorliegt, suchen ­Beweise und checken außerdem, ob die Informationen des Unternehmens richtig sind. Es könnte ja auch sein, dass ein Konkurrent falsche Tatsachen streut.
SAZsport: Sprechen Sie dann auch mit ­früheren Arbeitgebern der Person?
"Mein Job im Rahmen des Recruitings ist die Entlarvung von Betrug." Suzanne Grieger-Langer, Profiler
(Quelle: Suzanne Grieger-Langer)
Grieger-Langer: Nein, die Recherche erfolgt vollkommen geräuschlos und das ist extrem wichtig. Niemand erfährt, dass wir an einer Person dran sind. Wir arbeiten vorrangig über das Internet. Viele Leute haben ja nach wie vor den Eindruck, dass sie im Internet nirgends zu finden sind. Das ist aber eine ganz große Illusion, denn es gibt vielleicht Zeitungsartikel, in denen man erwähnt wurde, oder jemand postet Fotos von einem Fest, das man besucht hat. Das gehört alles zu dem Material, welches wir sichten. Wenn es keine solche Daten gibt, dann ist das der erste Beweis dafür, dass hier etwas vertuscht wird.
SAZsport: Worin liegen Ihrer Meinung nach die größten Schwierigkeiten, wenn es heute darum geht, qualifiziertes Personal zu finden?
Grieger-Langer: Einerseits werden junge Leute, die jetzt in den Markt kommen, in der Ausbildung nicht gut genug trainiert, um wirklich Leistung zu bringen. Sie bekommen zu viel Motivation und Lob statt echtem Training. Andererseits haben Firmen, für die es schwierig ist, hochqualifizierte Leute zu bekommen, ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Diese Unternehmen versuchen, außen den roten Teppich auszurollen, anstatt innen die Marke groß zu machen. Zum Beispiel Apple: Da buddeln sich die Anwärter sozusagen unterm Asphalt Gänge, um ins Unternehmen reinzukommen. Apple macht die Türen zu statt auf und ist schon deshalb so attraktiv. Es muss also Ziel eines Unternehmens sein, die Marke zu stärken, sodass die Bewerber dort rein wollen. Außerdem muss das Unternehmen bei den Mitarbeitern aussieben und dafür sorgen, dass nur erstklassige Leute im Unternehmen sind. Denn da trifft der Spruch eines Finanzdienstleisters zu, der sagt: „What you tolerate is what you get.“ (Anm. d. Red.: Was du zulässt, ist das, was du bekommst.) Wenn du zweitklassige Mitarbeiter ins Unternehmen lässt, dann werden die auch nur zweitklassige Leistung bringen.
SAZsport: Sie bieten nicht nur Dienstleistungen für Unternehmen, sondern auch für Einzelpersonen, zum Beispiel Ihr Online-Seminar „Deppen-Detox“. Worum geht es dabei?
Grieger-Langer: Das Webinar ist für Privatpersonen gedacht. Ich behaupte immer ganz frech, dass 95 Prozent der Probleme, die man hat, Haare auf dem Kopf hatten oder noch haben. Beim Deppen-Detox geht es darum, diese Delinquenten und ihre Machenschaften zu erkennen und sich insofern davon zu befreien, dass es einem nichts mehr ausmacht. Dabei geht es um Abwehrmechanismen, wenn man fälschlich kritisiert wird, wenn man persönlich angegriffen oder moralisch runtergezogen wird. Aus diesen Situationen soll man gestärkt hervorgehen.
SAZsport: Und dann gibt es noch Ihre Vortragsreihe „Cool im Kreuzfeuer“.
Grieger-Langer: Das ist tatsächlich eine richtige Abendshow. Darin zeige ich in zweieinhalb Stunden, wie man aus den Schlammschlachten des Lebens herauskommt. Darunter verstehe ich unter anderem die neidischen Kollegen oder missgünstigen Menschen, die einem das Leben schwer machen wollen. Ich zeige Wege auf, wie man sich dagegenstellen und aus diesen Situationen befreien kann. Diese Show richtet sich an Personen, die gemobbt werden, vom Schüler bis zum Manager in der Führungsetage. Ich demonstriere dabei an einem großen Fall eine Live-Ermittlung und erkläre auch, wie sehr das ausufern kann, wenn die angegriffene Person sich nicht dagegenstellt.

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