Nationaltorhüter Manuel Neuer im Interview 26.03.2019, 09:00 Uhr

Die deutsche Nr. 1 im Tor

Manuel Neuer hat die Rolle des Torwarts neu interpretiert und sieht sich als aktiver Teil der Mannschaft. Der Nationaltorhüter über schwierige Situationen und seine Vorbilder.
Manuel Neuer gilt als einer der besten Torhüter seiner Zeit. Insbesondere die offensive Interpretation der Torwartrolle des gebürtigen Gelsenkircheners wird als revolutionär angesehen. Der 33-Jährige ist viermaliger Welttorhüter und wurde bisher zweimal zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er 2014 in Brasilien Weltmeister, seit September 2016 ist er Kapitän der Nationalmannschaft. Trotz seines großen Erfolgs hat Neuer einen Blick für diejenigen bewahrt, die nicht auf der Gewinnerseite des Lebens unterwegs sind: Mit der „Manuel Neuer Kids Foundation“ setzt sich der Star für bedürftige Kinder in seiner Heimatstadt ein.
 
Manuel Neuer hat in seiner Profikarriere alles erreicht und ist einer der geachtetsten Sportler seiner Zeit.
Quelle: Shutterstock/Anton Ivanov
SAZsport: Herr Neuer, Sie gelten als bester Torhüter aller Zeiten – wann haben Sie eigentlich das erste Mal im Tor gestanden?
Manuel Neuer: Das geschah schon sehr früh in meiner Kindheit. Im Alter von vier Jahren bin ich von meinem damaligen Trainer als Neuling ins Tor gestellt worden und habe meine Sache wohl ganz ordentlich gemacht.  
 
SAZsport: Bis zu Ihrem 14. Lebensjahr spielten Sie auch Tennis auf Vereinsebene. Warum fiel dann doch die Entscheidung für eine Fußball-Karriere?
Neuer: Nun, eine Entscheidung musste natürlich her. Beide Sportarten parallel sind ab einem gewissen Niveau nicht mehr zu bestreiten. Ich kann sicher behaupten, dass ich ein guter Tennisspieler war, der es bis in die Bezirksauswahl geschafft hat. Aber im Fußball war mein Talent doch noch deutlicher zu erkennen. Nun bereue ich diese Entscheidung natürlich auch nicht mehr, obwohl es mich schon interessieren würde, wie weit ich es im Tennis geschafft hätte.
 
SAZsport: Um benachteiligten Kindern zu helfen, haben Sie die „Manuel Neuer Kids Foundation“ gegründet und sind auch Pate der Bundesliga-Stiftung zur Förderung junger Menschen. Wie wichtig ist es in der heutigen Zeit, ein Vorbild für Kinder zu sein?
Neuer: Ich halte das für sehr wichtig. Gerade wir Fußballprofis stehen sehr stark im Blickpunkt der Gesellschaft und genießen viele Privilegien. So sehe ich mein Engagement auch als Möglichkeit, etwas zurückzugeben.
 
SAZsport: Welche Vorbilder hatten Sie selbst in Ihrer Jugend?
Neuer: Meine größten Vorbilder waren meine Eltern. Natürlich schaut man als Fußballer dann auch auf jene, die gerade aktuell sind. Aber ein richtiges Vorbild war nicht darunter. Das war im Tennis anders. Da habe ich schon versucht, Boris Becker einiges auf dem Tennisplatz abzuschauen.
 
SAZsport: Bis zum Frühjahr 2017 waren sie nie ernsthafter oder länger verletzt, doch dann hat es sie richtig „erwischt“. Wie haben Sie es geschafft, diese schwierige Zeit durchzustehen?
Neuer: Irgendwann erwischt es jeden. So heißt es doch, oder? Ich bin hier meiner Frau, der Familie und meinen Freunden sehr dankbar, denn es war für sie nicht immer leicht. Natürlich verdanke ich auch viel dem Verein, der mir jegliche Hilfe geboten hat.
 
SAZsport: Ihr Vorgänger Jens Lehmann ist bekannt geworden durch seinen berühmten Spickzettel bei einer Elfmeter-Situation. Haben Sie ein eigenes Mantra für solche schwierigen Spielsituationen?
Neuer: Ich bemühe mich dann sofort um möglichst große Konzentration und gehe vor meinem inneren Auge Spielszenen oder Bewegungsabläufe meiner Kontrahenten durch. Das hilft mir ungemein.
 
SAZsport:
Wenn Sie auf Ihre bisherige Karriere zurückblicken, was war der schönste Moment für Sie?
Neuer: Da sticht natürlich der WM-Titel 2014 heraus. Doch jeder Titelgewinn hat seine eigene Geschichte und somit auch seine eigene Bedeutung.
 
SAZsport:
Sie werden oft dafür gelobt, sehr intelligent zu spielen und die Torwart-Rolle wie niemand zuvor weiterentwickelt zu haben. Schreiben Sie das harter Arbeit oder eher Ihrer Intuition zu?
Manuel Neuer: Da gehört sicher vieles dazu: Arbeit, Intuition, Talent, aber auch gute Trainer.
 
SAZsport:
Treiben Sie in Ihrer Freizeit auch viel Sport? Oder haben Sie darüber hinaus andere Hobbys?
Neuer: Ich treibe sehr viel Sport, ob Tennis, Stand-up-paddling, Radfahren, ich wandere sehr gerne. Man kann sicher sagen: Sport erfüllt mein Leben.
 
SAZsport:
Sie haben in Ihrer Profikarriere alles erreicht, sind Champions-League-Sieger, Weltmeister und einer der geachtetsten Sportler Ihrer Zeit – haben Sie schon Ziele für Ihr Leben nach der Profi-Karriere?
Neuer: Meine Karriere soll noch etwas andauern. Da sind voreilige Pläne in der schnelllebigen Zeit nicht angebracht. Aber so viel kann ich verraten: Ideen habe ich viele…

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