Interview mit Frank Metzler, Mr. Olympia 11.03.2019, 09:00 Uhr

Trendsport ohne Drogen: Natural Bodybuilding

Frank Metzler ist Mr. Olympia im Natural Bodybuilding. Als Marketingmanager bei Sportnahrungs-Spezialist Dymatize hat er sein Hobby zum Beruf gemacht.
Der 33-jährige Natural Bodybuilder „Pumping“-Frank Metzler, wie er sich selbst auf Instagram nennt, hatte schon immer eine Leidenschaft für Sport. Im Alter von 18 Jahren wollte er mit einer Größe von 1,70 Meter und einem Gewicht von 55 Kilogramm etwas an seinem äußeren Erscheinungsbild ändern. Ab diesem Zeitpunkt begann seine Karriere als Kraftsportler, deren Krönung der erste Platz bei Natural Olympia 2018 in den USA/Las Vegas war.
SAZsport: Wie sind Sie überhaupt zum Natural Bodybuilding gekommen?
"Puming" Frank Metzler, Mr. Olympia im Natural Bodybuilding
(Quelle: Frank Metzler)
Frank Metzler:
Mit ca. 18 Jahren habe ich mit dem Kraftsport angefangen – damals noch mehr oder weniger ohne Erfolg. Ich bin „pumpen“ gegangen, hatte aber keine Ahnung von der richtigen Ernährung. Ich dachte damals, wenn ich nach dem Training einen Eiweiß-Shake trinke, dann bekomme ich gleich „einen dicken Ärmel“ (lacht). Erst mit Mitte 20 habe ich angefangen, mich mit dem Thema Ernährung auseinanderzusetzen. Weil das Thema Bodybuilding negativ belegt ist, habe ich mich für die Men’s-Physique-Klasse entschieden, in der es eher auf gute Proportionen ankommt. Ich wollte einfach gut aussehen, eben eine typische Strandfigur haben, aber keine schädlichen Dopingmittel zu mir nehmen. Ich dachte mir: „Warum sollte ich für einen billigen Blechpokal meine Gesundheit aufs Spiel setzen?“ So bin ich zur German Natural Bodybuilding & Fitness Federation e.V. (GNBF) gekommen. Der Verein wurde 2003 gegründet und fördert gesundes, dopingfreies Bodybuilding.
SAZsport: Allgemein ist der Fitnesstrend in Deutschland ungebrochen – nimmt die Zahl der Natural Bodybuilder zu?
Metzler: Dieser Trend wird immer stärker, und die Mitgliederzahlen explodieren. Nichtsdestotrotz sieht man in den Social Media Fotos von Leuten, bei denen man ­sicher weiß, dass sie es nicht ohne „Hilfsmittel“ geschafft haben. Es ist ein Problem, dass Jugendliche sich solche Bilder anschauen und denken, dass sie so aus­sehen könnten, wenn sie eine Hantel in die Hand nehmen und hinterher einen ­Eiweißbeutel trinken. Dann sind sie frustriert, wenn das nicht der Fall ist. So landen sie ganz schnell in diesem negativen Fahrwasser. Das ist fatal.
 
SAZsport: Was waren Ihre größten Erfolge als Wettkampf-Bodybuilder?
Metzler: 2017 war ich Erster bei der Deutschen Meisterschaft. Dadurch habe ich mich für die WM in Rimini qualifiziert und so das Ticket für Natural Olympia in Las Vegas bekommen. Das Event habe ich dann gewonnen und darüber die ProCard gelöst, was schließlich der größte Erfolg meiner sportlichen Karriere war.
 
SAZsport: Haben Sie bestimmte Vorbilder?
Metzer: Ich habe schon immer dem ästhetischen Look nachgeeifert, also breite Schultern und eine schmale Taille, eben eine klassische V-Form. Ein Vorbild von mir ist zum Beispiel der kalifornische Bodybuilder Jeremy Buendia.
 
SAZsport: Was gibt es bei der Ernährung beim Natural Bodybuilding zu beachten?
Metzler: Grundsätzlich gibt es bei der Ernährung immer zwei Phasen. In der Aufbauphase werden durch Kalorienüberschuss Muskeln aufgebaut, in der Diät-phase soll das Fett über den Muskeln abgetragen werden. In der Aufbauphase
decke ich meinen Proteinbedarf, da bin ich nicht so streng mit mir und esse auch mal Schokolade, wenn ich Lust dazu habe. Fast Food mag ich zum Glück sowieso nicht. In der Diätphase muss man jedoch sehr genau sein. Das Problem ist, dass man es nicht schafft, eine Diät ohne Muskelabbau zu überstehen. 
Die richtige Ernährung ist das A und O beim Natural Bodybuilding – aber ein Eiweißshake allein reicht nicht aus, um Muskeln aufzubauen.
(Quelle: Shutterstock/Petejerkk)
SAZsport: Haben Sie ein besonderes Geheimrezept für Wettkämpfe? 
Metzler: Ich manipuliere mit dem Salz-­Kalium-Haushalt, um das letzte Wasser aus dem Körper zu bekommen. Das ist meine persönliche Vorgehensweise, die oldschool ist und für mich immer funk­tioniert hat. Andere Athleten fahren aber auch ohne diese Prozedur sehr gut.
 
SAZsport: Wie oft trainieren Sie?
Metzler: Das kommt darauf an, ob ich in der Aufbauphase oder in der Diätphase bin. In der Massephase sollte man weniger trainieren, weil man sich regenerieren muss, um Muskeln aufzubauen. In der ­Diätphase trainiere ich an sechs Tagen.  Ansonsten gehe ich als Cardiotraining im Sommer laufen.
 
SAZsport: Bis zu welchem Alter kann man Natural Bodybuilding machen?
Metzler: Das Schöne am Natural Bodybuilding ist, dass es keine Altersbeschränkung gibt. Bei den Grand Masters sind Leute dabei, die über 75 Jahre alt sind. Sich in diesem Alter noch solchen extremen körperlichen Strapazen auszusetzen, ist wirklich bewundernswert.
 
SAZsport: Wie sehen Ihre nächsten Ziele im Bodybuilding aus?
Metzler: Ich habe im Amateursport alles erreicht, sodass ich demnächst anfange, mein Profidebüt vorzubereiten. Aber ich will meine Profikarriere erst starten, wenn ich wirklich vorne mitmischen kann.
 
SAZsport: Was würden Sie einem Anfänger als Rat mit auf den Weg geben?
Metzler: Es ist ganz wichtig, die wesentlichen Basics der Ernährung zu beherzigen. Der Sport besteht nicht nur aus Training, sondern auch aus vielen Faktoren, die zu beachten sind, um Erfolg zu haben. Es geht darum, aus seinen gegebenen Möglichkeiten das Beste herauszuholen. Leider ist dieser Sport nicht gerecht, da jeder mit einem anderen genetischen Potenzial ausgestattet ist. Ein entscheidender Faktor ist aber die Kontinuität in der Ernährung und auch im Training. Motivation muss zur Gewohnheit werden. Viele werfen die Flinte zu früh ins Korn.
 
 

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