Der österreichische Darts-Profi im Interview 13.05.2019, 12:28 Uhr

So macht sich Mensur Suljovic fit fürs Dartspielen

Mensur Suljovic entdeckte im Kaffeehaus seines Bruders, dass er ein großes Darts-Talent ist. „The Gentle“ spricht über seine Karriere und wie wichtig mentales Training ist.  
Der Darts-Profi Mensur Suljovic flüchtete als junger Mann während des Balkankrieges nach Österreich. Seit 1989 spielt der 46-Jährige Darts, der un­ter dem Spitznamen „The Gentle“ bekannt ist (was übersetzt soviel wie „der Freund­liche“, der „Sanfte“ oder „der Höfliche“ heißt). Sul­jo­vic gehörte zu den besten E-Darts-Spielern aller Zeiten, bevor er zur Professional Darts Corporation (PDC) wechselte. 2011, 2016 und 2018 erreichte er das Achtelfinale der Weltmeisterschaft. Am 25. Mai 2018 ­gewann er das German Darts Masters, das mit 20.210 Besuchern in der Gelsenkirchener Veltins-Arena einen neuen Zuschauerrekord aufstellte.
SAZsport: Herr Suljovic, wie sind Sie überhaupt zum Darts gekommen?
Mensur Suljovic: Als ich von Serbien nach Österreich gekommen bin, hatte mein Bruder einen elektronischen Darts-Automaten in seinem Café. Dort lernte ich das Dartspiel kennen und lieben.  
Hier freut sich Mensur Suljovic mit seinen Freunden über einen Erfolg - die großen Erwartungen der Zuschauer bedeuten jedoch auch großen psychischen Druck den 46-Jährigen, den er mit Mentaltraining zu überwinden versucht.
(Quelle: Embassy Sports)
SAZsport: Sie tragen den Spitznamen „The Gentle“ – wie kam es dazu?
Suljovic: Dafür kann ich mich bei dem Management meines Sponsors Bull’s bedanken, insbesondere bei Hermann Stiens. Er war es, der mir erklärte, dass jeder guter Darts-Spieler einen Spitznamen hat. Er meinte, dass dieser Name zu mir passt. Mehr kann ich dazu nicht sagen, dass müssen schon die anderen tun (lacht)!
 
SAZsport: Was unterscheidet einen durchschnittlichen von einem Weltklassespieler?  Kann letztlich jeder Mensch Profi werden und erfolgreich sein, wenn er viel trainiert?
Suljovic: Ich denke, dass das jeder schaffen könnte, der diszipliniert und hart trainiert.  Aber wer Erfolg im Darts haben will, braucht unbedingt einen Mental Coach. Viele verwechseln diesen gleich mit einem Psychologen und trauen sich nicht, diesen Weg zu gehen. Der Coach öffnet einem den Weg nach vorne. Jeder kann Darts spielen, aber die kleinen Doppelfelder zu treffen erfordert mentale Stärke.
 
SAZsport: Wie sieht Ihr Training aus?
Suljovic: Man sollte fünf bis sechs Stunden am Tag trainieren. Leider schaffe ich wegen der Familie etwas weniger, aber drei bis vier Stunden muss ich trainieren, denn sonst wäre ich zu unsicher. Zusätzlich mache ich jede Woche Mentaltraining, das ist insbesondere vor den Wettkämpfen wichtig. Man macht Konzentrationsübungen und bespricht die Schwierigkeiten, die man z.B. beim Double oder Triple hat. Man redet auch über die  Angst vor g­ewissen Gegnern, zum Beispiel vor Weltmeistern wie Phil Taylor oder Raymond van Barneveld. Über solche Probleme sollte man offen und ehrlich sprechen, damit man sie in den Griff bekommt
 
SAZsport: Muss man sich auch körperlich fit halten für die Turniere?
Suljovic: Auf jeden Fall. Aber ich laufe eigentlich schon genug auf Flughäfen herum (lacht). Nein, das ist natürlich nur ein Spaß. Ich gehe mit meiner Familie sehr viel spazieren. Training im Fitnessstudio wäre kontraproduktiv, weil die Muskeln sich verspannen und man dann ganz anders spielen würde. Das Darts-Training hat seine besonderen Abläufe, die durch Fitnesstraining gestört werden würden. Aber Laufen in der Natur ist natürlich gut, am liebsten mit Musik.
 
SAZsport: Bei den Weltmeisterschaften haben Sie bisher nur die Achtelfinale erreicht. Woran hat es gehapert?
Suljovic: Eine Weltmeisterschaft ist für mich jedes Mal ein riesengroßer Druck. Immer wieder spreche ich mit meinem Mental Coach darüber. Die Medien, Freunde – alle erwarten von dir, dass du Weltmeister wirst. Das ist mental ein großes Problem für mich. Für die nächste Weltmeisterschaft habe ich mir geschworen, mich anders zu verhalten, nicht so viele Interviews zu geben und mich noch mehr zu fokussieren und zu konzentrieren. Ich hoffe, dass ich das Halbfinale erreiche – das wäre ein Traum für mich.
 
SAZsport: Die Darts-Pfeile von Bull’s tragen Ihren Namen. Wie sieht hier die Zusammenarbeit aus? Fließen Ihre Erfahrungen mit in die Entwicklung neuer Produkte ein?
Suljovic: Auf jeden Fall. Ich arbeite bereits seit 2001 mit Bull’s bzw. mit Embassy Sports zusammen und das Verhältnis ist sehr gut. Herrman Stiens und ich sind sehr gute Freunde geworden. Immer, wenn ich mir zum Beispiel einbilde, dass die Darts kürzer oder länger sein sollten oder eine andere Farbe haben müssten, dann sag ich Bull’s Bescheid – und sie gehen immer auf meine Wünsche ein. Dafür bin ich sehr dankbar, denn es ist sehr wichtig, dass die Darts gut in der Hand liegen.
 
SAZsport: Wie sieht es mit dem Darts-Nachwuchs aus? Wir haben gehört, dass Sie eine Darts-Schule eröffnen wollen?
Suljovic: Ich werde hundertprozentig mal eine Darts-Schule eröffnen, das habe ich schon länger im Kopf und werde das auch umsetzen. Aber zurzeit ist meine Darts-Karriere sehr stressig und ich habe noch keine Zeit dazu. Für den Nachwuchs sollte man sich aber viel Zeit nehmen. Wenn ich eine Darts-Schule eröffne und nie da ­wäre, dann wäre das für mich keine gute Schule. Solange ich unter den Top 16 bin, fokussiere ich mich weiter auf meine Karriere. Danach werde ich mich dann auf die Darts-Schule konzentrieren. Aber bei uns in Wien tut sich einiges im Verein und es gibt guten Nachwuchs.
 
SAZsport: Wie sehen Ihre Ziele für die nächste Zeit aus?
Suljovic: Ich hatte viele Erfolge in meiner Karriere, aber bei den Weltmeisterschaften bin ich nie nach ganz vorne gekommen. Wenn der Druck so groß ist, spiele ich sehr schlecht. Daher hoffe ich, dass es das nächste Mal klappen wird.

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