Interview mit dem bekannten deutschen Tierfilmer 24.07.2019, 11:17 Uhr

Andreas Kieling legt auch bei Outdoor-Ausrüstung den Fokus auf Tierschutz

Schon als kleiner Junge träumte Andreas Kieling von fernen Ländern und wilden Tieren. Der bekannte Tier- und Dokumentarfilmer sprach mit SAZsport über seine Abenteuer und worauf er bei seiner Outdoor-Ausrüstung besonderen Wert legt.
Andreas Kieling wurde 1959 im thüringischen Gotha geboren, und mit 16 Jahren floh er aus der DDR. Seit über 29 Jahren bereist der Naturfotograf und Dokumentarfilmer die ganze Welt und ist heute der bekannteste Tierfilmer in Deutschland. Der 59-Jährige wurde vor allem bekannt durch seine Filme über Eisbären und Grizzlybären, die er in Nord-Kanada und Alaska gedreht hat. Er war der Erste, der mit wilden Grizzlys quasi „zusammengelebt“ hat. Seine Filme wurden vielfach preisgekrönt, für einen ARD-Dreiteiler wurde er mit dem Panda Award, dem Oscar des Tierfilms ausgezeichnet.
 
SAZsport: Herr Kieling, woher kommt Ihre große Leidenschaft für die Natur?
Er war der Erste, der mit wilden Grizzlys "zusammengelebt" hat: Andreas Kieling. "Man sollte für eine nachhaltige Jacke oder Weste gerne mehr ausgeben, wenn man sich dann sicher sein kann, dass dafür Tiere nicht unnötig gequält worden sind", lautet sein Appell an Konsumenten.
Quelle: Andreas Kieling
Andreas Kieling:
Durch meine Mutter, die Kartographin war, entdeckte ich meine Liebe zu Landkarten. Schon als kleiner Junge habe ich sie mir oft angeschaut und angefangen, vom Reisen zu träumen, die für uns damals in Thüringen natürlich undenkbar waren. Ich habe auch viele Abenteuerbücher gelesen, wie beispielsweise „Robinson Crusoe“ oder „Tom Saywer und Huckleberry Finn“. Meine Vorbilder sind Bernhard Grzimek, oder Jacques Cousteau. Aber der eigentliche Auslöser für die Liebe zur Natur war, als der dreijährige Andreas Ameisenhaufen im Wald beobachtete und sich nichts sehnlichster gewünscht hat, als einen eigenen Hund.
 
SAZsport: Für Ihre Expeditionen brauchen Sie gute Ausrüstung. Gibt es etwas, worauf Sie besonderen Wert legen?
Kieling: Nehmen wir zum Beispiel meine Reise zu den Berggorillas im Ostkongo. Da trug ich natürlich einen guten Bergschuh mit viel Griff und atmungsaktive Bekleidung. Doch der Guide neben mir trug eine alte Kalaschnikow über einem Militärumhang und ging mit komplett abgetretenen Gummistiefeln den Berg hoch und fiel kein einziges Mal hin. Da fragt sich der Outdoor-Hightech-Freak, wie so etwas denn überhaupt funktionieren kann. Ich weiß einen guten Schlafsack, eine gute Jacke und auch einen guten Schuh zu schätzen. Aber letztendlich zählt der Mensch, der das trägt und ich halte es für fatal, wenn man sich zu sehr auf seine Ausrüstung verlässt. Ich erlebe immer wieder, dass Touren am dritten Tag in die Brüche gehen, obwohl die Ausrüstung perfekt ist, weil man sich beispielsweise mit den anderen Teilnehmern streitet.
 
SAZsport: Mit welchen Outdoor-Marken arbeiten Sie zusammen?
Kieling: Für mich war von Anfang an die Marke Fjällräven ein treuer Begleiter. Daraus ist eine langjährige, sehr konstruktive Verbindung entstanden. Ich gebe auch Tipps und Hinweise, wie man das eine oder andere Produkt noch verbessern kann. Wenn man in Alaska mit einem Zelt mehrere harte Stürme mit Starkregen, Eis und Schnee erlebt hat, dann weiß man genau, worauf es ankommt oder wo Schwachstellen sind. Bei der Kleidung ist es genauso – da nützt auch die Kältekammer bei Globetrotter nichts. Die finde ich zwar toll, aber das Equipment zeigt seine Schwächen und Stärken erst, wenn es draußen im Einsatz ist.
 
SAZsport: Wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit für Sie?
Kieling: Ich bin Tierfilmer – und das Wohl oder Leid der Tiere interessiert mich sehr. Ich kaufe keine Jacken oder Schlafsäcke mit Daunen, die aus Lebend­rupf stammen. Meine Einstellung ist, – das sollte auch der Endverbraucher honorieren – dass man für eine nachhaltige Jacke oder Weste gerne 20 oder 30 Euro mehr ausgeben sollte, wenn man sich dann sicher sein kann, dass dafür Tiere nicht unnötig gequält worden sind.
In seinen Tierdokumentationen wie beispielsweise für die ZDF-Reihe "Terra X"  nimmt Kieling die Zuschauer mit auf spannende Reisen durch die ganze Welt.
Quelle: Shutterstock/Anna Om

SAzsport: Was war Ihr schönstes Erlebnis auf den vielen Reisen?
Kieling: Mein letztes ganz großes Highlight war eine Elefantengeburt morgens um acht an der Grenze von Kenia zu Tansania. So etwas ist noch nie vorher gefilmt worden. Ich konnte gemeinsam mit meinem Guide dabei zusehen, wie die ganze Elefantengruppe versuchte, den Kleinen aufzurichten. Normalerweise werden Elefanten immer nachts geboren, damit am Morgen die ganze Herde wieder weiterziehen kann. Gleich nach der Geburt musste der kleine Elefant dann mit – ob er wollte oder nicht. Als die Herde an einen kleinen Hügel kam, den der Frischgeborene noch nicht schaffen konnte, haben  die Großenden Hügel mit den Füßen für ihn plattgestampft. Es war wunderschön, so etwas zu erleben und auch filmen zu können.
 
SAZsport: Welche Projekte stehen für Sie in nächster Zeit an?
Kieling: Mein Team und ich arbeiten weiter für die ZDF-Serie „Terra X“ in Co-Produktion mit Arte und National Geographics. Außerdem bereiten wir ein Filmprojekt über Wildkatzen in Deutschland vor. Ich selbst finde deutsche Themen sehr wichtig, spannend und auch sehr anspruchsvoll, weil die Tiere in Deutschland überwiegend nachtaktiv sind und man sie sehr schwer vor die Kamera bekommt. Zudem plane ich ein Projekt über Bienen und Insektensterben in Deutschland. Und ich will nächstes Jahr auch wieder eine große Hallentour in den westlichen Bundesländern machen, für die wir im Übrigen auch noch einen Sponsor suchen.     
               

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