Gute Margen, wenig Fläche 19.03.2019, 08:22 Uhr

„Der Freizeit-Tischtennismarkt ist eine stabile Nische“

Der Sport ist auf jedem Schulhof zuhause, gehört oftmals zum Sportunterricht und ist von Freizeitanlage und Spielplätzen nicht wegzudenken. Dennoch geht das Sortiment bei manchen Händlern unter. Ein Hersteller erklärt, wieso der Handel mit Tischtennis punkten kann.
(Quelle: Donic-Schildkröt )
Von 2002 bis 2018 ist die Mitgliederzahl des Deutschen Tischtennis Bundes von 688.000 auf 550.000 gesunken. Doch entgegen dieser anhaltenden Abwärtstendenz können Händler mit der Sportart immer noch punkten. Sebastian Frey, Geschäftsführer von MTS Sport, erklärt, warum das Sortiment nach wie vor interessant ist.
SAZsport: Herr Frey, inwieweit findet der Verkauf von Tischtennisartikeln aus dem Freizeitbereich heute noch stationär statt und was passiert online?
Sebastian Frey: Der Verkauf von Freizeit-Tischtennisschlägern, Sets und Zubehör läuft heute in den meisten Fällen über den stationären Sportfachhandel. Die Sortimente stehen nicht wirklich im Preisvergleich, und der kurzfristige Bedarf wird dem persönlichen Budget entsprechend befriedigt. Für das oft vergleichsweise niedrigpreisige Sortiment fallen bei vielen Webshops außerdem Versandkosten an, weshalb der Online-Kauf für den Kunden oft unattraktiv wird. Bei Tischtennisplatten ist die Situation eine andere. Einerseits gibt es nur noch selten eine Präsentation von Platten im Laden. Andererseits führen der hohe Preis mit dem damit einhergehenden intensiveren Preisvergleich und der praktische Transport bis vor die Haustüre zu einem hohen Marktanteil im Online-Handel.
Sebastian Frey, Geschäftsführer von MTS Sport
Quelle: MTS Sport
SAZsport: Welchen Marktanteil hat Donic-Schildkröt in Deutschland hinsichtlich Tischtennisschlägern?
Frey: Im Fachhandel ist Donic-Schildkröt ganz weit vorne mit dabei. Wir wissen von den Einkaufsverbänden im Sport, dass wir einen Marktanteil von deutlich über 50 Prozent haben. Wenn man dann noch die Eigenmarken der Verbände mit ca. 30 Prozent Marktanteil abzieht, bleibt nicht mehr viel übrig vom Kuchen. Aber es gibt natürlich noch diverse andere Kanäle neben dem Fachhandel, über die heute Freizeit-Tischtennisartikel, in der Regel Sets, in den Umlauf gebracht werden – allerdings keine Markenware.
SAZsport: Produkte aus dem Segment Tischtennis werden über viele verschiedene Kanäle verkauft, auch über Warenhäuser oder Online-Händler. Wie groß ist bei Donic-Schildkröt der Anteil, der über den klassischen Sporthandel abgesetzt wird?
Frey: Wir unterscheiden nur stationär und online, und da liegt das Verhältnis etwa bei 70 zu 30 Prozent. Die Differenzierung zwischen Warenhaus mit möglicherweise einer Intersport-Abteilung und Sportfachhandel ist meines Erachtens nicht mehr zeitgemäß.
SAZsport: Wieso ist der Own Retail (eigener Online-Shop) für die Marke Donic-Schildkröt notwendig?
Frey: Es ist korrekt, dass wir von MTS einen eigenen Schildkröt-Online-Shop betreiben. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es Kunden gibt, die aus dem kompletten Sortiment auswählen möchten und gerne beim Hersteller direkt kaufen. Diesen Kunden wollen wir zufriedenstellen. Da wir ausnahmslos zu UVPs verkaufen und noch Versandkosten dazukommen, sind wir aber eher die „Apotheke“ im Online-Bereich, und ein attraktiverer Preis ist meist nur zwei Klicks weit entfernt. Dementsprechend ist unser Umsatzanteil in diesem Bereich verschwindend gering. Unsere Kernkompetenz, auch die unseres Lagers, ist klar das B2B-Geschäft, aber so ganz kommt man an B2C heute nicht mehr vorbei.
Besonders öffentliche Freizeitanlagen sind ohne Tischtennisplatte gar nicht denkbar.
Quelle: Donic-Schildkröt
SAZsport: Gerade im Freizeitsegment gelten Tischtennisschläger eher als Mitnahmeartikel in der Kassenumgebung. Inwieweit stimmen Sie da zu? Wie sollten Tischtennisschläger Ihrer Meinung nach optimal präsentiert werden?
Frey: Möchte man Tischtennis als Sporthändler ordentlich präsentieren, benötigt man ein bis zwei Quadratmeter Wand, frei zugänglich und bitte vor allem nicht hinter der Kasse. Im Fachhandel sollten fertige Schläger in den Preislagen von zehn bis vielleicht 70 Euro vorhanden sein, in manchen Fällen auch bis 100 Euro. Unsere Donic-Schildkröt-Schläger verfügen über tolle Technologien. Der geschulte Verkäufer kann problemlos jeden Zehn-Euro-Preissprung über das Mehr an Ausstattung argumentieren. Zusätzlich zwei bis drei Tischtennissets, Bälle, Netze, Schlägerhüllen und einen Belagreiniger. Das war?s dann schon. Wir bieten dem Händler sehr gute Margen, und Tischtennis benötigt vergleichsweise wenig Fläche. Auf alle Fälle ein lohnenswerter Bereich für den Sportfachhandel – und im Regelfall ohne Preisdiskussionen mit dem Kunden.
SAZsport: Wie wichtig ist die Präsenz bekannter Profispieler in den Medien für die Marktentwicklung im Tischtennissegment? Oder anders gefragt: Fehlen eventuell junge Nachwuchstalente, die durch ihre Erfolge dem Sport einen neuen Aufschwung geben?
Frey: Erfreulicherweise berichtet selbst die „Tagesschau“ über Tischtennis-Großereignisse, das hilft natürlich der Sportart Tischtennis. Da wir gleichzeitig über Donic mit Dima Ovtcharov auch einen der ganz großen deutschen Spieler unter Vertrag haben, freut uns diese mediale Präsenz natürlich doppelt. Parallel üben die vielen öffentlichen Tischtennisplatten in Parks, Freibädern oder auch Pausenhöfen eine magische Anziehungskraft aus und werden rege genutzt. Dass zusätzlich in den Schulen sehr häufig Tischtennis in den Sportunterricht integriert ist, hilft auch enorm. Ich würde sagen, dass wahrscheinlich jeder Teenager irgendwann mal einen Tischtennisschläger kauft und viele zumindest gelegentlich gerne eine Runde spielen. Deshalb ist auch der Freizeit-Tischtennismarkt seit Jahren eine stabile Nische.

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