Die Besten der Sportbranche 2018 15.11.2018, 10:02 Uhr

Ein neuer Ausrüster drängt sich an die Spitze

Man könnte fast sagen, der Treffer kam aus dem Nichts: Teamsport-Neuling Craft war zum ersten Mal im Lieferanten-Ranking in dieser Kategorie gelistet und dribbelte sich sofort an allen anderen vorbei auf Platz 1
Der große Überraschungssieger: die schwedische Marke Craft, die gerade einmal eineinhalb Jahre im Teamsport-Segment aktiv ist
(Quelle: Craft)
Es ist gerade mal eineinhalb Jahre her, dass Craft in das Segment Teamsport eingestiegen ist, den entsprechenden Außendienst für den Bereich gibt es seit Februar dieses Jahres. Da darf sich der Sportartikelhersteller durchaus selbst auf die Schulter klopfen, denn er hat offensichtlich von den Wettbewerbern gelernt und auf Anhieb alles richtig gemacht: Der Sporthandel hat den Teamsport-Neuling ohne Umschweife an die Spitze des Lieferanten-Rankings in der Kategorie Teamsport befördert. Mit 1,96 bei der Gesamtnote ist der Abstand zum Zweitplatzierten Erima (1,99) und zum Dritten Puma (2,06) zwar denkbar gering, aber mit dem optimalen Einstieg ins Ranking setzt Craft dennoch ein Zeichen: Mit diesem Lieferanten kann und muss künftig gerechnet werden.

Bestleistung bei Partnerschaft

Sieht man sich die einzelnen Kriterien an, nach denen bewertet wurde, findet man Craft allerdings nicht überall auf dem ersten Rang – ja nicht einmal durchgehend überall in den Top 10. Top-Leistungen erbrachte die schwedische Sportmarke beim partnerschaftlichen Verhalten (1,78) sowie bei Handelsspannen und Konditionen (1,67). In beiden Fällen musste Puma den Platz an der Spitze räumen. Ebenfalls als sehr gut beurteilten die befragten Händler den Service. Zwar landete Craft hier „nur“ auf dem dritten Platz hinter Erima (1,56) und Puma (1,65), doch die Note 1,67 und der geringe Abstand zu den beiden anderen Marken zeigen, dass alle drei Lieferanten sich nahezu auf gleichem Niveau bewegen.
Vergeblich sucht man Craft in den Top 5 beim Kriterium Marke. Die Händler vergaben hier nur eine 2,44 (Rang 8). Das ist allerdings auch wenig verwunderlich, denn nachdem der Lieferant erst seit eineinhalb Jahren im Teamsport-Segment aktiv ist, muss er sich bei den Endverbrauchern in dieser Hinsicht erst noch einen Namen machen. Am entsprechenden Marketing fehlt es ­jedenfalls nicht: Zu Jahresbeginn schloss Craft einen Ausrüstervertrag mit dem Zweitligisten Dynamo Dresden, die Fußballer Sven und Lars Bender – beide beim Erstligisten Bayer 04 Leverkusen – konnten als Testimonials gewonnen werden. Seit April steht außerdem der SV Darmstadt 98 bei Craft unter Vertrag.

Erima als verlässliche Konstante

Erima liegt im Lieferanten-Ranking jedes Jahr ganz weit vorne.
(Quelle: Erima)
Wie 2017 konnte sich Erima (1,99) auch in diesem Jahr den zweiten Platz im Teamsport-Ranking sichern. „Guter Innendienst und gute Lieferfähigkeit“, lobt Frank Dildey, Inhaber des gleichnamigen Sportgeschäfts in Lohr, stellvertretend für viele andere Händler das Unternehmen aus Pfullingen. Mit 1,56 für seinen Service erzielte der Teamsport-Ausrüster die beste Einzelleistung in dieser Kategorie. Dass sich das Unternehmen dabei noch einmal leicht verbessern konnte, erkennt man, wenn man die Einzelwertungen für den  Außendienst (1,61), den Innendienst (1,61) und die Lieferpünktlichkeit (1,57) aus dem letzten Jahr damit vergleicht. Hinsichtlich des partnerschaftlichen Verhaltens (1,85) konnte Erima das Niveau vom letzten Jahr halten (1,83).
Beim neu eingeführten Kriterium Produkte, bei dem der Handel den Blick auf Qualität und Innovationen richten sollte, konnte das baden-württembergische Unternehmen mit seiner „top Ware“, wie es Thomas Kolb (Sport Kolb, Altdorf) ausdrückt, punkten und mit der Note 2,08 unmittelbar hinter Puma auf den zweiten Platz springen.
Etwas zurückgefallen ist Erima dagegen bei seinen Handelsspannen und Konditionen. Im letzten Lieferanten-Ranking wurden die Pfullinger dafür noch mit der Note 2,02 und dem zweiten Platz belohnt. In diesem Jahr reichte es mit 2,13 „nur“ für den vierten Platz. Mit dem Spitzenreiter Craft ­zogen auch Jako (2,03) und Uhlsport/Kempa/Spalding (2,10) bei diesem Kriterium an Erima vorbei. Dennoch gibt es Lob vom Handel, von Conni Böhme (Sport Eck, Hoyerswerda) beispiels­weise dafür, dass es „keine festgeschriebene Mindestorder“ gibt, und für die „guten Ausrüsterverträge samt ­Abwicklung“. Nur am Online-Bestellsystem sollte Erima seiner Meinung nach arbeiten, das sei „meist sehr ­langsam und zudem unübersichtlich“.

Kleiner Abstieg für Puma

Vorjahressieger Puma muss hinnehmen, im Teamsport-Ranking von Craft vom Thron gestoßen worden zu sein.
Die Eins vor dem Komma in der Gesamtwertung, die es 2017 noch gab, konnte diesmal nicht erreicht werden, doch die Note 2,06 kann sich – vor ­allem im Vergleich mit anderen Teamsport-Ausrüstern – immer noch sehen lassen. Die eigene Bestleistung erzielte Puma mit 1,65 beim Service (Rang 2). Hier ist nur Erima besser. Sichtbar abgerutscht ist die Raubkatze beim partnerschaftlichen Verhalten. 2017 bewertete der Handel ­dieses noch mit 1,79 und dem ersten Platz, doch aktuell reicht es mit 1,94 nur noch für Rang 4 hinter Craft, Erima und Uhlsport/Kempa/Spalding. Noch schlechter wurde nur die Entwicklung bei den Handelsspannen und Konditionen angesehen. Im letzten Jahr noch mit 1,93 auf dem ersten Platz bei diesem Kriterium, reichte es diesmal nicht einmal für die Top 5. Das ­Ergebnis: mit 2,53 ein siebter Platz.
Den Ausgleich erzielt Puma dann allerdings mit den Produkten und einer Verbesserung hinsichtlich der Markenattraktivität. „Gefragt wie nie zuvor“, weiß zum Beispiel Christoph Hesse von Absolute Teamsport Hesse in Ruppach-Goldhausen. Puma sei im Kinder- und Jugendbereich der große Newcomer. Mit ­ihren Produkten landen die Herzogenauracher mit 2,06 knapp vor Erima auf Platz 1. Hinsichtlich der Markenattraktivität bleibt Puma auf dem dritten Platz, kann sich aber bei der Note von 2,27 auf 2,12 verbessern.

Der Liebling des Handels

Obwohl Jako im Teamsport-Ranking hinsichtlich der Noten nicht zu den Spitzenreitern gehört, ist die Marke dem Handel doch ungemein wichtig – deutlich erkennbar an den zahlreichen Kommentaren, die dazu abgegeben wurden.
„Gute Produkte mit guten Konditionen und guter Lieferfähigkeit“, führt Wolfgang Herrmann vom gleichnamigen Sportgeschäft in Ludwigslust stellvertretend für viele andere Händler als Gründe dafür an, dass Jako zu den Besten der Branche zählt. „Immer verfügbare Artikel, auch in großen Mengen“, lobt Stefan Geiger (Sport 2000 Geiger, Eppingen). Und Thomas Gerards von ­Düssel-Sport Helmreich in Düsseldorf hebt die „perfekte Außendienstbetreuung“ und die „nicht zu hohen Mindestordnern“ hervor. Explizit genannt wurden von den Händlern außerdem die „schnelle und unkomplizierte Reklamationsabwicklung“ und die „Top-Qualität der Produkte“.
Mit all diesen positiven Aspekten schafft es Jako bei fast ­allen Kriterien in die Top 5, hinsichtlich Handelsspannen und Konditionen mit 2,03 sogar auf den zweiten Platz hinter Craft. Dass die Gesamtnote dann nicht besser ausfällt, liegt am partnerschaftlichen Verhalten, bei dem es nach Ansicht der Händler noch Nachholbedarf gibt. Hier wird Jako mit 2,40 bewertet und kommt damit auf Rang 6. Der Abstand zu Dunlop (2,00) auf Platz 5 ist deutlich.

Dauerabo für die letzten Plätze

Um ein möglichst repräsentatives Ranking zu erhalten, wurden beim Teamsport wie in den anderen Kategorien nur Lieferanten berücksichtigt, die mindestens 20 Stimmen erhalten haben. Dadurch hat sich in diesem Jahr das Ranking auf jene Marken beschränkt, die in die Top 10 gekommen sind. Im letzten Jahr gab es übrigens nur acht Lieferanten, die sich für das Teamsport-Ranking qualifizierten.
Die letzten beiden Plätze in der Gesamtwertung haben auch in diesem Jahr Adidas und Nike fest für sich gebucht. Die Schwachpunkte von Adidas aufzuzählen sei reine Zeitverschwendung, wettert Lothar Müller (Lothars Sport-Ecke, Ebermannstadt). Harry Remane (Harrys Sport Shop, Laupheim) holt dann dennoch dazu aus: „Fachhandelstreue katastrophal! ­Lieferfähigkeit unterirdisch! Außendienst – gibt’s so was bei Adidas?“ „Nike ist auf allen Ebenen total abgehoben“, meint Ralf Ross (Sport Ross, Bebra). „Da zählen nur noch die Großen.“ Günther Dufter vom Hörginger Sporthaus in Siegsdorf-Eisenärzt macht den Rundumschlag über die beiden ungeliebten Marken: „Adidas und Nike haben im Übereifer des Gefechtes vergessen, wer sie groß gemacht hat.“ Dazu ergänzt Ingrid Metzger (Leder-Schuhe-Sport Metzger, Wilhelmsdorf): „Man hat den Eindruck, dass kleinere Geschäfte systematisch kaputt gemacht werden sollen. Kundennummern werden gestrichen, weil man angeblich nicht spezialisiert genug ist.“
Der große Unmut des Handels schlägt sich dementsprechend auch in den Noten nieder, die Adidas und Nike erhalten. In der Gesamtwertung liegen sie mit 3,40 bzw. 3,45 nahezu gleichauf und landen auf den letzten beiden Plätzen. Die schlechtesten Noten kassieren die beiden Marken erwartungsgemäß für ihr mangelndes partnerschaftliches Verhalten: Adidas mit 4,61 vor Nike mit 4,71. Auch die Produkte fahren
alles andere als Top-Bewertungen ein. Hier gibt es mit Dunlop (2,88) allerdings noch einen Lieferanten, der schlechter als Nike (2,61) und Adidas (2,76) bewertet wird. Nur hinsichtlich der ­Markenattraktivität schaffen es die beiden Marken in die Top 5 – da allerdings Nike mit 1,78 auf den ersten Platz, deutlich vor Adidas mit 2,02.

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