Neue Tarifrunde 22.08.2019, 10:16 Uhr

IG BCE fordert sechs Prozent mehr Entgelt in der Sportartikelindustrie

Heute (22. August 2019) beginnen in Würzburg die Tarifverhandlungen für die Schuh- und Sportartikelindustrie. Die IG BCE will für die rund 12.000 Beschäftigten unter anderem eine Lohnerhöhung von sechs Prozent herausholen. Zudem soll die Ausbildung aufgewertet werden.
Mit einer Reihe von Forderungen geht die IG BCE (Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie)  heute in die Tarifverhandlungen für die Schuh- und Sportartikelindustrie: Sechs Prozent mehr Entgelt für die rund 12.000 Beschäftigten in dieser Branche sowie eine Aufwertung der unteren Entgeltgruppen und der Ausbildung, die sich für jeden Beschäftigten der Entgeltgruppen 1 bis 4 und für die Azubis in mindestens 120 Euro mehr Lohn im Monat auswirken soll. Für Auszubildende im ersten Lehrjahr würde dies ein Plus von 16 Prozent bedeuten. Die Laufzeit des Tarifvertrags wird abhängig sein vom Gesamtpaket.
„Allein von Luft und Liebe zur Marke können die Beschäftigten nicht leben", sagt IG-BCE-Verhandlungsführer Frieder Weißenborn. "Es wird Zeit, dass die Branche ihren Premiumanspruch auch an die eigene Entgeltpolitik stellt.“ Insbesondere blickt er dabei auf die Sportartikelindustrie, bei der, wie die IG BCE in einer Mitteilung schreibt, überdurchschnittliche Renditen an der Tagesordnung seien, die aber hinsichtlich der Tariflöhne anderen Industrien hinterherhinke. "Eine Forderung von sechs Prozent ist mehr als berechtigt in einer Branche, der es gut geht", so Weißenborn.
Als Beispiel kann hier Adidas angeführt werden. Der Konzern hat zu Monatsbeginn die Geschäftszahlen des zweiten Quartals und des ersten Halbjahres bekannt gegeben. Im zweiten Quartal 2019 konnte das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum seinen Gewinn aus fortgeführten Geschäftsbereichen um zehn Prozent auf 462 Mio. Euro steigern. Für das erste Halbjahr 2019 liegt die Steigerung des Gewinns gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar bei 14 Prozent; erzielt wurden 1,09 Mrd. Euro (Vorjahreszeitraum: 960 Mio. Euro).
7.000 der rund 12.000 Beschäftigten, die von der aktuellen Tarifrunde betroffen sind, arbeiten bei Adidas in der Zentrale in Herzogenaurach, in den Logistikzentren und in den Stores. Umso erstaunlicher die Erklärung von Weißenborn: „Völlig unverständlich ist für uns, dass Adidas nach unseren Informationen keine eigenen Vertreter in die Tarifverhandlungen entsendet, obwohl der Konzern der mit Abstand größte Arbeitgeber in der Branche ist. Wer sich weltweit zu seiner sozialen Verantwortung bekennt, kann sich bei Tarifrunden am Heimatstandort nicht hinter den Wehklagen von 100-Mann-Betrieben verstecken.“
Neben Adidas betreffen die Tarifverhandlungen unter anderem Unternehmen wie Puma oder die Schuhhersteller Lloyd und Ara.

... weitere interessante SAZsport Themen