Wegen Direktverkauf auf Amazon 18.04.2019, 14:18 Uhr

Top-Dive-Gruppe wirft Suunto raus

Der Deal ist abgeschlossen: Anta Sports hat Amer Sports für eine Summe von rund 4,6 Mrd. Euro gekauft. Wie geht mit dem deutschen Fachhandel weiter? Im Tauchsport kam es zu einem Zwischenfall.
Die zum Teil führenden Marken im Portfolio von Amer Sports, namentlich Atomic, Salomon, Wilson, Suunto, Peak Perfomance, Precor und Arc'teryx, sind nun nach der kompletten Übernahme von Amer in der Hand von Anta Sports, dem größten chinesischen Sporthändler und -hersteller. Vor allem in Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking spielt diese Akquisition eine große Rolle.  Daniel Sprung, Countrymanager Deutschland von Amer Sports, geht nicht davon aus, „dass der Eigentümerwechsel wesentliche unmittelbare Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit, das Anlagevermögen, die Führungspositionen oder den Geschäftssitz unseres Unternehmens haben wird“.
Amer Sports solle als eigenständiges Unternehmen mit Hauptsitz in Helsinki, Finnland, fortgeführt werden. Das Konsortium plane, erhebliche finanzielle und andere Ressourcen zu investieren, um das Wachstum weltweit zu beschleunigen. „Wir werden auch in Zukunft ein starker und zuverlässiger Geschäftspartner bleiben“, versichert Sprung. „Für unsere deutschen Fachhandelspartner wird die aktuelle Übernahme durch das Konsortium keine merklichen Änderungen verursachen. Wir bauen nach wie vor auf die starken Partnerschaften und die gemeinschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Handelspartnern. Unser Omnichannel-Modell funktioniert nicht ohne den Fachhandel. Diesen verstehen wir als zentralen Berührungspunkt zum Kauf, und somit bilden unsere Handelspartner mittelfristig eine unabdingbare Säule unserer Strategie.“

Top Dive zieht die Leine

Neuprodukte wie die "Suunto D5" wird zunächst vom Fachhandel promotet und danach übernimmt Amazon den Verkauf und zieht die Preise in die Tiefe, sagt der Fachhandel.
(Quelle: Suunto)
Doch jetzt hat die Top-Dive-Händlergruppe bei der Amer-Marke Suunto (Sportuhren, Tauchinstrumente, Kompasse) zum April den Schlussstrich gezogen und sie aus ihrem Sortiment genommen. Ihr Grund: Der direkte Verkauf von Suunto an den Konsumenten auf Amazon. Top Dive ist ein Fachhändler-Zusammenschluss von derzeit bundesweit elf Tauchsport-Stores, die allesamt zu den 50 größten deutschen Tauchgeschäften zählen. Neben dem gemeinsamen Einkauf zu konkurrenzfähigen Preisen sowie der Durchführung von Tauchsport-Events und Tauchreisen für Endverbraucher, die ein einzelner Händler alleine gar nicht durchführen könnte, versteht sich die Top Dive vor allem als Interessenvertretung des Tauchsport-Einzelhandels gegenüber Lieferanten, erklärt ihr Sprecher Martin Schlifski. Die Geschäftsstelle der Top Dive GmbH ist in Wuppertal. Geschäftsführer sind Brigitte Palm (Wuppertal), Felix Kolschegg (Hamburg) sowie Martin Schlifski (Oldenburg und Bremen).
Tauchsport-Spezialisten
Das sind die Top-Dive-Händler
Top Dive
Taucherzentrum Planet Scuba (Hamburg), Tauchertreff Dekostop (Bremen), Tauchertreff Dekostop (Oldenburg), Unterwasserladen (Kassel), Tauchschule Dresden, Tauchen und Freizeit (Wuppertal), Bluesub (Rosenheim), Dive for fun (Frankfurt), Dive 4 life (Siegburg), Gerusa (Saarbrücken).
Der Tauchsport-Markt in Deutschland habe ein Volumen von ca. 90 Mio. Euro im Endverbraucher-Umsatz, schätzt Schlifski, davon entfallen etwa fünf bis sieben Prozent auf Tauchcomputer. „Von diesen ohnehin schon geringen Umsätzen dem Fachhandel nun noch die Volumen-Produkte, auf die Amazon üblicherweise abzielt, zu nehmen, ist nicht mehr tragbar“, erklärt er. „Durch die direkte Belieferung von Amazon sehen wir das Vertrauensverhältnis zwischen Lieferant und Fachhändlern in einer sehr kleinen und sehr speziellen Branche nicht mehr gegeben. Was wir als Top-Dive-Gruppe nicht mehr mitmachen werden, ist, den Markennamen Suunto in unseren Fachgeschäften und über unsere Tauchlehrer zu präsentieren und darüber salonfähig zu machen und uns zeitgleich an allen anderen Stellen die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Jahrelang waren die Top-Dive-Fachhändler auch Service-Partner und haben unter anderem mit großem personellen Aufwand und nur minimaler finanzieller Unterstützung seitens Amer Sports unter anderen Rückrufaktionen bearbeitet. Künftig dürfen dann gerne Amazon oder Amer Sports selber Batteriewechsel sowie Rückrufaktionen für fehlerhafte Produkte durchführen.“

Erst Fachhandel, dann Amazon

Stein des Anstoßes: Der Direktverkauf auf Amazon hat bei den Top-Dive-Händlern das Vertrauen in Amer Sports zerstört. Damit wurde auch die Zusammenarbeit mit der Amer-Marke Suunto beendet.
(Quelle: Amazon.de)
Laut Schlifski soll einzelnen Fachhändlern auf der Messe Boot gesagt worden sein, dass man damit den Fachhandel unterstützen wolle. Dieser Argumentation konnten sich aber die Top-Dive-Fachhändler überhaupt nicht anschließen. Ihnen sei auch empfohlen worden, sich nur noch auf die Neuprodukte („Suunto D5“) zu konzentrieren, wegen der Preisstabilität. Dieses Vorgehen, so Schlifski, zeuge von vollständiger Unkenntnis der tatsächlichen Marktgegebenheiten im Tauchsportmarkt: Neue Produkte seien im ersten halben bis Dreivierteljahr zwar in der Regel tatsächlich preisstabil, aber umsatzschwach. Während dieser Zeit würden die Produkte von den Fachverkäufern und Tauchlehrern der Tauchschulen promotet und am Markt platziert. Sobald die Umsätze wachsen, gehe der Preis runter, Amazon trete auf den Plan und löse den Fachhandel bei den Umsätzen ab. „Wir werden uns künftig auf Marken und deren Produkte konzentrieren, bei denen der Begriff Fachhandelstreue tatsächlich noch so gemeint ist. Wir bedauern diesen Schritt, aber aus den zuvor genannten Gründen ist dieses Vorgehen alternativlos.“
Mit diesem Schritt konfrontiert, antwortet Daniel Sprung auf SAZsport-Anfrage: „Wir bedauern die Entscheidung von Top Dive natürlich, sind aber offen, gemeinsam an möglichen Lösungen zu arbeiten, welche sich im Rahmen unserer Gesamtstrategie für Suunto umsetzen lassen.“ Dafür war eigens Suunto-Verkaufsleiter Marco Rose nach Bremen gefahren, um die Top-Dive-Händler umzustimmen. Doch die Argumentation, dass Amazon das Schaufenster für den Fachhandel sei, damit Endverbraucher sich dort informieren können und dann im Fachhandel zum Kauf kommen, konnten die Händler nicht nachvollziehen. Deshalb blieb das Gespräch ohne Einigung.

„Reichweite nutzt Händlern“

Daniel Sprung, Countrymanager bei Amer Sports, sieht im direkten Verkauf bei Amazon auch einen Nutzen für den Fachhandel.
(Quelle: Amer Sports)
Das Statement von Daniel Sprung zum Verhältnis Amer Sports, Amazon und Fachhandel lautet: „Für Amer Sports im Allgemeinen und Suunto im Speziellen ist der Sportfachhandel ein strategisch entscheidender Vertriebskanal, auf den wir uns konzentrieren. Suunto unterstützt dabei auch die Händler, die dem Konsumenten ein hervorragendes Einkaufserlebnis bieten. Diesen Handelspartnern helfen wir gerne bei der Verbesserung ihrer Instore-Excellence, beispielsweise durch zusätzliche Marketing-Aktivierungen, in Form von Aktionen auf der Fläche und Events oder aber auch durch zusätzliche Test-Produkte und Produkttrainings. All diese Ideen entwickeln wir in Abstimmung mit unseren Handelspartnern, um letztendlich dem Konsumenten ein noch besseres Einkaufserlebnis zu bieten. Damit schaffen unsere Handelspartner die Differenzierung von reinen Online-Diensten wie zum Beispiel Amazon. Natürlich hat sich das Shopping-Verhalten insgesamt geändert und Konsumenten fühlen sich beim Kauf von Sportuhren und Wearables online wohler als noch vor ein paar Jahren. Nichtsdestotrotz ist gerade Dive eine sehr beratungsintensive Kategorie und das Einkaufserlebnis im Laden ein entscheidender Faktor für den Kauf dort. Genau aus diesem Grund unterstützen wir auch unsere Fachhandelspartner mit den oben genannten Maßnahmen. Fakt ist auch, dass Amazon ähnlich wie Google im Produktbereich wie eine Suchmaschine genutzt wird und sich Konsumenten auf diesem Wege über Produkte informieren. Deswegen gewährleisten wir durch die direkte Zusammenarbeit mit Amazon, dass unsere Marke auf der Plattform im Sinne unserer Markenwerte dargestellt wird. Eine Steigerung der Online-Reichweite und damit der Bekanntheit unserer Marke(n) und Produkte nutzt letztendlich auch dem Fachhandel. Unseren Informationen zu Folge informieren sich 80 Prozent der Kunden online und nur 20 Prozent dieser Kunden kaufen auch online.“

... weitere interessante SAZsport Themen