Es geht runter vom Gas 04.02.2019, 08:10 Uhr

Mehr Ski-Neuheiten für Einsteiger

Leicht und einsteigerfreundlich: Zur Saison 2019/20 haben die meisten Hersteller das Tempo ihrer Ski gedrosselt. Eine Marke aber geht einen ganz anderen Weg – und zwar zurück zu ihren Wurzeln.
Die ganz großen Innovationen in der Kategorie Alpinski werden auch im Winter 2019/20 nicht auf den Markt kommen. Das soll keine Kritik an den Entwicklungsabteilungen der Hersteller sein, sondern vielmehr eine nüchterne Feststellung. Womöglich fehlt nach einer zuletzt zwar ordentlichen Saison 2017/18, aber davor relativ schwachen Runde an der einen oder anderen Stelle das Budget, um nach echten Neuerungen zu forschen – wobei die Idee dazu zugegebenermaßen in der heutigen Zeit auch eine riesige Herausforderung darstellt.
Ein grundsätzlicher Trend, der sich einmal mehr durch so gut wie alle Kollektionen zieht, ist das Thema Gewichtseinsparung. Da dieser auch zur Saison 2019/20 wenig überraschend Einzug hält und ohnehin in unserer Branche bei allen Produkten, die draußen in der Natur eine Rolle spielen, aufgenommen wird, soll darauf nicht ausführlicher eingegangen werden. Viel signifikanter ist die Tatsache, dass das Gros der Ski noch einmal deutlich konsumiger daherkommt und sich auch an absolute Neulinge oder Wiedereinsteiger in den Sport richtet.

„Skiing made easy“

Das beste Beispiel dafür gibt Atomic mit seiner brandneuen „Savor“-Kollektion, für die bezeichnenderweise folgender Slogan kreiert wurde: „Skiing made easy“. Zu Deutsch: Skifahren leicht gemacht. „Das ist sicherlich ein Thema, das gut in Richtung Konsument gespielt werden kann“, meint Marko Zitzelsberger, Abteilungsleiter Strategischer Einkauf bei Intersport, dazu. Ralph Letzing, Hartwaren-Einkäufer bei Sport 2000, hält die Grundidee für gut, weil die Kommunikation der Marken „oft zu extrem ausfällt – Race, Freeride, Fels.“ Er verweist jedoch darauf, dass mittlerweile jeder Hersteller solch einen Einsteigerski im Programm habe. Seiner Einschätzung nach liegt der Hauptfokus dieser neuen Kollektion eher bei den Wiedereinsteigern.
Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass Atomic auch neues Futter für die flottere Fraktion mit dem „Redster X7 WB“ und dem „Redster X9 S“ liefert. Beide Ski fallen jedoch etwas breiter aus. Nachgelegt wurde auch in der Allmountain-Linie „Vantage“­ mit den Modellen „79 TI“ und „77 TI W“.
Bereits im vergangenen Jahr hatte Head die einsteigerfreundliche „V-Shape“-Serie präsentiert. Die kleine, aber optisch fast identische Schwester des „Super­shape“ kommt als absolutes Leichtgewicht in ihrer zweiten Auflage. Als Teil der „Lyt-Tech“-Serie konzipiert, soll diese den sportlichen Genuss-Skifahrer ansprechen. Zudem wurde die Damenlinie „Joy“ einem Facelifting unterzogen und die „Kore“-Serie um zwei weitere Modelle, speziell für Damen (leicht veränderter Shape, neue Längen), ergänzt. „Eine klare, straffe Kollektion“, kommentiert der Sport-2000-Mann Letzing. „Die Ski funktionieren und lassen sich gut verkaufen.“
Etwas gedrosselt hat auch der ansonsten so sportliche Fischer das Tempo seiner Ski. „One world, one cosumer“ lautet das Motto des neuen „RC One“. Eine seiner Besonderheiten ist das eingearbeitete Material Bafatex, das unter anderem auch im Segelsport zum Einsatz kommt – mit dem Ziel, das entsprechende Produkt/Gefährt leichter zu machen. „Dieses Modell tritt in große Fußstapfen und man wird sehen, ob dieser Ski genauso erfolgreich ist wie der ‚Progressor 17‘ oder ‚18‘“, bemerkt Letzing, und Zitzelsberger erklärt: „Fischer versucht mit dieser Kollektion, die ganze Breite an Skifahrern abzudecken. Mir gefällt der Ski auf jeden Fall gut.“

Zahmerer Dobermann

Auch der aufsehenerregende „Dobermann“ von Nordica gibt sich 2019/20 etwas zahmer. Die konsumigere „Spitfire“-Reihe wurde um die Modelle (sprich Mittelbreiten) „72“, „76“ und „80“ ergänzt. Als moderat, vielseitig und fehlerverzeihend gilt dabei die 76er-Version. „Es tut der ‚Dobermann‘-Linie gut, dass sie ausgebaut wurde und noch ein paar Brüderchen bekommt“, findet Zitzelsberger, und Letzing lobt: „Genau die richtige Richtung – passt. Für den Sport-2000-Einkäufer stellen diese Ski sowie die der Schwester Blizzard, beide in Mittersill gefertigt, ohnehin höchste Qualität in Sachen Bauweise dar.“
Apropos Schwester: Diese konzentriert sich auch in der kommenden Saison auf die Top-Linie „Quattro“ und die im letzten Jahr wieder neu aufgelegte „Firebird“-Serie. Erstere wartet mit neuem Shape, einem neuen Dämpfungssystem und neuen Technologien auf. „Die Kollektion bleibt das Maß für Highperformance-Ski im Hause Blizzard“, heißt es aus Mittersill. Dazu gibt es den „Firebird“ in einer neuen „HRC“-Version. „Blizzard hat bei Intersport eine gute Entwicklung genommen – die Marke arbeitet sich nach vorne“, betont Zitzelsberger, meint aber auch bedauernd: „Sie bleibt eine Nischen- und Liebhabermarke.“
Sein bekanntes Erfolgsmodell „Race­tiger“, konkret die Versionen „RC“ und „SC“, hat Völkl noch einmal überarbeitet. Nun sind auch diese Ski mit den Technologien UVO 3D und 3D Glass ausgestattet. Im vergangenen Jahr hatte Deutschlands einziger großer Skifabrikant mit „Deacon“ die Nachfolgerin der „RTM“-Serie vorgestellt. Im Winter 2019/20 bekommt die Familie Zuwachs um vier neuen Modelle und gleichzeitig Mittelbreiten: „75“ im Bereich Allmountain-Race, „80“ und „84“ für Allmountain-Piste und „84“ für die Einsteigerkategorie Allround (auch „X“ genannt). „Diese Kollektion ist breit aufgestellt – sehr gut“, zeigt sich Intersport-Manager Zitzelsberger angetan. Und er berichtet, dass einige seiner Kollegen über Weihnachten mit den „Deacon“-Modellen unterwegs gewesen seien – das Ergebnis: „Alle waren begeistert.“ Sein Sport-2000-Pendant Ralph Letzing verrät, dass Völkl im Verbund auch aktuell sehr gut unterwegs sei – und vor Atomic und Head die Poleposition innehabe.

Neuer Flügelmann

Vom Podium sind die Slowenen von Elan relativ weit entfernt. Dennoch erfreut sich die Marke bei den Händlern, die sie führen, höchster Wertschätzung – aufgrund ihrer Fachhandelstreue, verbunden mit der vorhandenen Preisstabilität und der in die Kollektionen gesteckten Innovationen mitsamt der chic-eleganten Designs. Zumindest für großes Aufsehen hatte vor fünf Jahren die Allmountain-Serie „Amphibio“ gesorgt, und diese wird zur kommenden Saison in der dritten Generation auf den Markt gebracht. Als Flaggschiff gilt dabei das Modell „18 Ti 2“ mit einer Mittelbreite von 73 Millimetern und fünf verschiedenen Längen. Ganz neu ist eine Kollektion mit dem interessanten Namen „Wingman“ (zu Deutsch Flügelmann). Die Allmountain-Serie besteht aus sechs Modellen mit den drei verschiedenen Mittelbreiten 86, 82 und 78 Millimeter. Zwei davon sind neben Carbon auch mit Titanal verstärkt. „Eine ganz tolle Kollektion“, schwärmt Letzing. Leider habe Elan in Deutschland noch nicht die große Marktbedeutung, wie die Kollektion es eigentlich verdient hätte. Auch Zitzelsberger hält große Stücke auf die neuen Ski der Slowenen: Diese seien technisch gut ausgereift und funktionierten dementsprechend gut. Zudem habe der Hersteller „ein super Händchen“, was Covers angehe.
Als Nachfolger von der „Pursuit“-Kollektion stellt Rossignol zur Saison 2019/20 die „React“-Linie vor. Der „React R8 Ti“ richtet sich an anspruchsvolle Skifahrer, die „den Spirit des Rennsports“ erleben möchten, wie es heißt. Gesetzt ist natürlich nach wie vor der bei den Franzosen so erfolgreiche „Hero“. „Rossignol macht einen sehr guten Job“, lobt Letzing. „Die Marke ist absolut auf dem Weg nach oben.“ Bei Sport 2000 haben sich die Franzosen mittlerweile unter die Top 5 geschoben. In Heilbronn scheint die Entwicklung nicht ganz so rasant zu verlaufen. Zwar bescheinigt ihnen auch Zitzelsberger eine positive Entwicklung, allerdings auf einem überschaubaren Niveau. „Rossignol hat eine super Vertriebsmannschaft, die unheimlich engagiert ist, aber der Konsument hat die Marke nicht so auf dem Schirm“, meint er. Das mache es natürlich auch dem Einkäufer schwer.
Im Vergleich zu vielen Mitbewerbern ist Salomon nur bedingt vom Gas gegangen. Der neue „S/Force Bold“ mit den Mittelbreiten 84, 80 und 76 Millimeter ist zwar für etwas entspannteres Skifahren geeignet, bleibt aber auf der absolut sportlichen Spur. Zielgruppe: fortgeschrittene Pistenfahrer. Nach „S/Race“ und „S/Max“, präsentiert im vergangenen Jahr, ist „S/Force“ damit die dritte Kollektion der „S“-Reihe. „Bei Intersport ist Salomon im Alpinskibereich nach wie vor eher klein aufgestellt“, erklärt Zitzelsberger, was im Umsatz-Ranking Platz sechs bedeutet (die Intersport-Eigenmarke Tecnopro sei hier außen vor gelassen).

Zurück zu den Wurzeln

Einen ganz eigenen Weg geht K2, aber dafür war der US-amerikanische Hersteller auch schon immer bekannt. Etwas überraschend ist es allerdings dann doch, dass man zur Saison 2019/20 sein Umsatzheil vor allem abseits der Piste suchen wird. So wird die neue Freeride-Serie „Mindbender“ als das „absolute Highlight-Thema“ ausgewiesen. Mit der Begründung, dass Freeriding die DNA von K2 sei – „das, was uns über all die Jahre so erfolgreich gemacht hat“. Wichtig dabei zu erwähnen: Exklusive Produkte der neuen Kollektion können bereits in diesem Monat bei ausgewählten Händlern angeboten werden. Im Damenskibereich bringt K2 die „Anthem“-Serie an den Start. Inspiriert und mitentwickelt wurde diese von der Women’s Alliance, einem Team aus Meinungsbilderinnen im Skisport für die Marke. Teile der Erlöse aus dem Verkauf von Damenski, speziell „Luv“ und jetzt auch „Anthem“, sollen an die Breast Cancer Foundation gehen, eine Non-Profit-Organisation im Kampf gegen Brustkrebs.

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