Brand Experience Store in München 09.08.2019, 10:00 Uhr

Salomon will den Konsumenten jetzt auch stationär aktivieren

Am 8. November wird Salomon seinen ersten Monomarken-Store in Deutschland eröffnen. Warum die Amer-Sports-Tochter jetzt auch diesen Weg geht, verraten Countrymanager Daniel Sprung und Marketingleiterin Julia Schehl im Exklusiv-Interview.
Lässt man die vier Outlets einmal außen vor, dann wird der französische Outdoor- und Running-Spezialist Salomon in Deutschland tatsächlich sein Monomarken-Store-Debüt geben. Standort ist die Sendlinger Straße (Hausnummer 19), eine der belebtesten Einkaufspassagen Münchens und pikanterweise nur zwei Häuser vom eigenen Shop des Mitbewerbers The North Face entfernt. Eröffnet werden soll das Geschäft, das zwischen 200 und 250 Quadratmeter Verkaufsfläche bietet und dem 100 bis 150 Quadratmeter Lagerfläche angeschlossen sind, am 8. und 9. November. Das Ziel lautet, der sportlichen Outdoor-Szene als Treffpunkt zu dienen und diese wöchentlich mit Kursen, Workshops, Vorträgen und gemeinsamen Events, bei denen zum Beispiel Athleten von Salomon involviert sein sollen, zu aktivieren. Was die Angebotspalette im Store betrifft, wird die Amer-Sports-Tochter all das führen, was das Portofolio aus Outdoor, Running und Wintersport so hergibt. Ergänzend dazu findet auch die eine oder andere Uhr von Suunto ihren Platz. Eine Einbindung des etwas größeren „Skibruders“ Atomic ist nicht vorgesehen. Im neuen Store von Salomon werden zwölf bis 14 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit beschäftigt sein, der Geschäftsleiter steht noch nicht fest.     
SAZsport: Die Blütezeit der Monomarken-Stores in Deutschland ist seit einigen Jahren vorbei. Jack Wolfskin, Mammut oder auch The North Face haben ihre Expansionsstrategie über diesen Weg für mehr oder weniger beendet erklärt. Warum fangt ihr bei Salomon jetzt damit an?
Daniel Sprung, Countrymanager bei Amer Sports Deutschland
Quelle: Amer Sports
Daniel Sprung:
Wir fahren natürlich eine etwas andere Strategie als die genannten Marken und gehen unseren eigenen Weg. Wir haben uns ganz bewusst überlegt, wohin wir gehen und wo es für uns in der Gesamtstrategie Sinn ergibt. Ausgehend vom Konsumenten entwickeln wir zum einen unsere Distributionspolitik und entscheiden zum anderen, wo wir das Markenerlebnis für Endverbraucher ergänzen wollen.
Julia Schehl: Für uns gilt das Verhältnis 90 zu zehn, das heißt 90 Prozent unserer Produkte vertreiben wir über den Fachhandel an Endverbaucher und maximal zehn Prozent über den direkten Weg. Wir wollen für den Konsumenten ein Markenerlebnis kreieren. Dadurch, dass wir mit dem Shop einen Treffpunkt schaffen, werden wir noch greifbarer. Wir geben der Marke ein Gesicht und ein Schaufenster. 
SAZsport: In der Münchner City seid ihr bei Schuster, Scheck und Globetrotter doch gut vertreten. Reicht euch das nicht?
Sprung: Der Store ist als Ergänzung zu der schon sehr guten Präsenz bei den Händlern zu sehen und dadurch ein zusätzliches Schaufenster für unsere Marke über alle Sportarten hinweg.
SAZsport: Fehlt euch nicht auch ein noch stärkeres Commitment von den Händlern?
Sprung: Gerade hier in München bei den Partnern, mit denen wir arbeiten, kann man überhaupt nicht davon sprechen – ganz im Gegenteil.   
SAZsport: Natürlich hat auch die Amer-Gruppe mit ihren Marken in den vergangenen Jahren Vertriebspunkte verloren. Hat die Eröffnung vielleicht damit zu tun, dass ihr verlorene Umsätze auffangen wollt?
Sprung: Auch da ein ganz klares Nein. Unsere Distributionsstrategie fußt auf vier Punkten: Wir überlegen uns ganz genau, mit wem wir im Online-Handel zusammenarbeiten wollen. Das Zweite ist, dass wir uns anschauen, welche Produkte wo in welchem Kanal angeboten werden. Dann haben wir die europäischen Key Accounts, die wir dementsprechend auf europäischem Level managen. Und der vierte Baustein besteht aus dem Premium-Partner-Konzept, bei dem es um das 360-Grad-Markenerlebnis beim Endkonsumenten geht. 
SAZsport: Wie würdet ihr die Strahlkraft von Salomon in Richtung Konsument vergleichen mit einem Jack Wolfskin, Mammut oder The North Face?
Julia Schehl, Marketingleiterin bei Amer Sports Deutschland
Quelle: Amer Sports
Schehl:
Das, was uns einzigartig macht, sind die vielen verschiedenen Sportarten, die wir abdecken. Von Trailrunning bis Langlaufen, von Wandern über Skifahren bis Snowboard. In jeder dieser Sportarten können Endverbraucher von Kopf bis Fuß – ja sogar bis zur Skispitze – unterwegs sein. In jeder dieser Sportarten beginnen wir mit der Entwicklung unserer Produkte im Kern der Community, denn im Mittelpunkt steht bei Salomon die Performance. Nur wenn unsere Produkte die Core-Konsumenten und Top-Athleten, wie beispielweise Kilian Jornet (Anm. d. Red.: spanischer Profi-Trailrunner und -Skibergsteiger), qualitativ überzeugen, funktionieren sie auch für den Otto Normalverbraucher im Alpenvorland. Dabei sind die Produkte immer auf die Bedürfnisse des jeweiligen Zielkonsumenten abgestimmt.
SAZsport: Im Januar habt ihr die Handelspartner in Zauchensee auf einen gemeinsamen Weg eingeschworen und damit gewissermaßen ein starkes Commitment eingefordert. Ein dreiviertel Jahr später verkündet ihr die Eröffnung des ersten eigenen Stores in Deutschland. Auch wenn 99,9 Prozent eurer Händler nicht direkt davon betroffen sein werden – setzt ihr damit nicht diese Partnerschaft aufs Spiel, indem ihr jetzt ganz klar signalisiert: Wir wollen den B2C-Vertrieb forcieren?
Sprung: Nein. Der Store ist nur eine Fortführung unserer Strategie. Wie schon erwähnt, bleibt unsere 90-zu-zehn-Regel, wie die Produkte zum Konsumenten kommen, bestehen. Wenn wir den Konsumenten ins Zentrum unseres Tuns setzen, was Distribution und Marketing betrifft, dann ist es die logische Konsequenz für uns, einen weiteren Berührungspunkt mit der Marke Salomon zu schaffen, damit er diese komplett erleben kann.
Die Amer-Sports-Tochter Salomon lässt sich mit einem eigenen Store in einer der belebtesten Einkaufspassagen Münchens nieder.
Quelle: Amer Sports
Schehl:
München ist einfach die Stadt, von der aus man alle unsere Sportarten, die wir mit Salomon anbieten, machen kann. Die Zielgruppe dort wollen wir erreichen. In dem Rahmen ist nicht nur der Brand Store eine Maßnahme, sondern eben auch die Zusammenarbeit mit unseren Fachhandelspartnern. Neben dem Projekt Brand Store haben wir natürlich auch ganz konkrete Marketing-Pläne, die wir gemeinsam mit unseren Partnern im Handel umsetzen. Überall, wo der Konsument sich mit Outdoor-Produkten beschäftigt, wollen wir als Marke sichtbar sein.
Sprung: Wenn wir auf die gesamte Marke schauen, dann sehen wir noch extrem viel Wachstumspotenzial – und das nicht nur für uns selbst, sondern auch für alle teilnehmenden Partner auf dem Markt. In den Städten, in denen wir eigene Stores eröffnet haben, wie zum Beispiel in Paris, hatte das erwiesenermaßen positive Auswirkungen auf die Händler.

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