Nicht nur in Deutschland, sondern europaweit 29.03.2019, 08:35 Uhr

Craft will sich im Teamsport hinter den großen Drei platzieren

Craft spürt derzeit Rückenwind im Markt. Aus dem neuen zentralen Lager will der Teamsport-Newcomer bald noch schneller liefern – und dabei einige prominente Wettbewerber überholen.
André Bachmann, Deutschland-Geschäftsführer der schwedischen Craft-Mutter New Wave, spricht im Interview mit SAZsport über große Ziele, eine 36-Stunden-Frist und das Vereinsgeschäft der Marke.
SAZsport: Herr Bachmann, vor zwei Jahren hat Craft seine ersten Gehversuche im Teamsport unternommen, jetzt sind Sie Sieger des SAZsport-Lieferanten-Rankings in dieser Kategorie. Das nennt man einen Traumeinstand im Markt …
André Bachmann
Quelle: New Wave Germany
André Bachmann
: Ja, definitiv. Darauf sind wir sehr stolz und wir sind dankbar, dass unsere Kunden so gewählt haben. Wir haben ­unsere Hausaufgaben im Teamsport-Bereich gemacht. Man kann immer etwas verbessern, aber ich glaube, dass wir ganz gut vorbereitet in den Markt eingestiegen sind. Geholfen hat dabei natürlich, dass bei uns in der Firma einige Außendienstmitarbeiter, der Verkaufsleiter und meine Person schon mal für Teamsport-Marken gearbeitet haben. Und dazu die Erfahrung, über die wir mit Craft seit 20 Jahren im Markt verfügen – in der Zusammenarbeit mit den Kunden, aber auch mit den Athleten. Ein Stück weit Vertrauen gebracht haben uns natürlich ebenso die Ausstatterverträge mit Dynamo Dresden und dem SV Darmstadt 98.
SAZsport: Wie sehr spielt es Ihnen in die Karten, dass die beiden großen Marken dem kleineren bis mittleren Fachhandel sukzessive den Rücken kehren?
Bachmann: Der Teamsport-Markt ist natürlich extrem hart umkämpft, es herrscht ein absoluter Verdrängungswettbewerb. Die beiden Großen sind vor allem im Schuhbereich sehr stark, der Fokus liegt dort, so denke ich, eher auf der Hartware. Es sind immer irgendwelche anderen Marken da, die parat stehen, wenn eine auch nur ein bisschen schwächelt. Für uns als Newcomer ist es wichtig, dass wir draußen Partner im stationären Handel haben, mit denen wir sehr eng zusammenarbeiten können. Dieses partnerschaftliche Arbeiten hat uns schon die letzten 20 Jahre ausgezeichnet. Das sind Punkte, die uns im Teamsport momentan sehr helfen, wenn die Großen nicht mehr diesen Weg gehen. Neukunden im Teamsport-Bereich merken es auch schnell, ob du partnerschaftlich arbeitest oder ob das nur ein Wort ist, das aber nicht gelebt wird. 
SAZsport: Ist es das erklärte Ziel, mittelfristig – sprich in vier, fünf Jahren – die Nr. 4 in Deutschland hinter Adidas, Nike und Puma zu sein?
Bachmann: Klar, man muss sich Ziele setzen. Wir wollen sowohl auf dem deutschen als auch europäischen Markt ein ganz wichtiger Partner im Teamsport werden. Wir sprechen jetzt über den deutschen Markt, wir sind aber eine global agierende Firma, die nicht nur hierzulande Gas gibt, sondern auch europaweit. In den Niederlanden konnten wir Zwolle unter Vertrag nehmen, Gent ist ein Partner, mit dem wir in Belgien arbeiten, in Schweden rüsten wir den Traditionsverein Hammarby aus. Dort und in der Schweiz wird demnächst Weiteres passieren. Daher ist es ganz klar unser Anspruch, hinter den großen Drei die Nr. 4 zu werden. Das sind globale Marken, und wir sehen uns genauso. Ein Punkt wird für die Zukunft entscheidend sein: Du musst weltweit gesehen werden und trotzdem lokal agieren. Wir sind in allen Ländern mit eigenen Vertriebsorganisationen und Lägern vertreten, können national arbeiten, haben aber trotzdem eine große Marke dahinter.
SAZsport: Wie lässt sich das Ziel in Deutschland überhaupt realisieren? Sie müssen dabei Jako, Erima und Uhlsport verdrängen …
Bachmann: Ein entscheidender Punkt ist die Kollektion, aber gute Kollektionen machen alle Mitbewerber, und auch im Preisbereich sind diese ähnlich unterwegs. Der Punkt Nr. 1 jedoch ist die Logistik: Wie schnell und was kann man liefern? Wie ist man über einen längeren Zeitraum dabei aufgestellt? Wir haben jetzt gerade in Geiselwind bei Würzburg ein neues modernes Logistikzentrum nur für den deutschen Markt eröffnet, von dem wir momentan ­allerdings noch nicht Craft Teamsport ausliefern. Natürlich spielt die Attraktivität der Marke ebenso eine wichtige Rolle. Hier profitieren wir enorm von dem Image, das wir uns in den vergangenen Jahrzehnten mit unseren bisherigen Kernsportarten Bike, Running und Langlauf in der Sportbranche aufgebaut haben – auch wenn wir jetzt im Teamsport mit einer komplett neuen Endkundenstruktur arbeiten. Und dazu sehen wir uns nicht nur als reine Fußballmarke, sondern auch als Vereins- und Clubausstatter in den Sportarten Handball, Volleyball oder Turnen/Gymnastik.
SAZsport: Inwieweit werdet ihr aus dem neuen Lager heraus noch schneller liefern können als zuvor?
„Es ist unglaublich, in welch ­kurzer Zeit das alles hier entstanden ist“, freut sich André Bachmann über das Lager, das auf 11.000 Quadratmeter Fläche mit 8.500 Palettenstell- sowie 33.000 Pickplätzen ausgestattet ist.
Quelle: New Wave Germany
Bachmann:
Momentan kommt die Ware noch aus Schweden mit einer Lieferzeit von zwei bis drei Werktagen. Unser Ziel ist aber für die kommenden Jahre, innerhalb von 36 Stunden zu liefern. Wodurch können wir das? Zum einen durch große Lagerkapazitäten, durch modernste Technik, zum anderen durch die Lage – daher haben wir uns Geiselwind ausgesucht. Die Stadt liegt sehr zentral in Deutschland, du hast die A3 und die A7 in unmittelbarer Nähe. Dadurch ist man überall relativ schnell. Zudem sind alle großen Paketverteilerzentren in der Gegend. So können Aufträge, die bis 16 Uhr eingehen, am Folgetag ausgeliefert werden.
SAZsport: Wie viele Händler beliefert ihr in Deutschland mittlerweile im Teamsport? Wie teilt sich das auf in Generalisten und Spezialisten?
Bachmann: Insgesamt beliefern wir über alle Sortimentsbereiche rund 2.500 Händler. Es gibt natürlich auch welche, die unsere „normale“ Kollektion aus den Kategorien Running, Bike und Langlauf kaufen und sich trotzdem das ein oder andere Teil aus dem Teamsport in den Laden hängen. Ich denke, dass etwa ein Drittel unserer Händler auf Teamsport spezialisiert ist, etwa 500 davon sicherlich etwas stärker.
SAZsport: Arbeitet ihr im Teamsport auch schon mit den Zentralen von Intersport und Sport 2000 zusammen?
Bachmann: Ja. Zurzeit etwas mehr mit Sport 2000 als mit Intersport, weil deren Mitglieder stärker spezialisiert sind.
SAZsport: Wie verteilen sich eigentlich die Umsätze, was Vereinsausstattung auf der einen und Freizeitware auf der anderen Seite betrifft?
Bachmann: Das ist sehr schwer zu gewichten. Den Teamsport-Bereich haben wir auch angefangen, um ein weiteres Segment zu erschließen, mit dem man Umsätze generieren, womit man weiter wachsen kann. Wir alle leben heutzutage in einem Verdrängungswettbewerb, somit muss man sich neue Bereiche suchen, in denen man wachsen kann. Der Teamsport wird für uns künftig sicherlich das wichtigste Segment sein. Natürlich werden wir unsere anderen Sortimente nicht aus den Augen verlieren. In denen sind wir schon sehr stark, ob im Bike oder Langlauf – da haben wir einen hohen Marktanteil, dort können wir nicht mehr so stark wachsen. Im Teamsport-Markt kannst du wachsen, zumal der wesentlich größer ist als die Kategorie Langlauf. Der Bike-Markt ist sehr interessant, aber beim sportlichen Fahren stößt man als Ausrüster irgendwann auch an seine Grenzen.
SAZsport: Inwieweit habt ihr bei Fußball-Amateurvereinen schon einen Fuß in die Tür bekommen?
Bachmann: In den vierten und fünften Ligen starten wir demnächst mit der Kundenakquise, da sind wir bisher noch nicht vertreten. In den unterklassigeren sieht das schon etwas anders aus. Durch unsere Markenbekanntheit haben wir es in einigen Regionen leichter, Fuß zu fassen, wie zum Beispiel im Voralpenraum oder in Thüringen/im Erzgebirge. Dort werden verstärkt unsere Core-Sportarten betrieben – Langlaufen, Running, Mountainbiken. In Berlin oder im Ruhrgebiet ist das natürlich schwieriger. Natürlich werden wir auch im Vereinsgeschäft stark mit dem Fachhandel zusammenarbeiten, wir machen nichts direkt.
SAZsport: Auf Profiebene konntet ihr die Zweitligisten Dynamo Dresden und SV Darmstadt 98 als Partner gewinnen. Wie sehr haben diese Ausrüsterverträge euer Geschäft angeschoben – womöglich auch mit Händlern in den jeweiligen Regionen Sachsen und Hessen?
Bachmann: Wie erfolgreich Marketingmaßnahmen waren und sind, ist immer schwer zu greifen. Bei einem Verein ist es schon ein bisschen einfacher zu sehen, was ein Investment bringt. Ich kann nur sagen, dass das Umsatzwachstum mit den einzelnen Händlern in den Regionen definitiv sehr stark zugenommen hat. Zum einen im Teamsport-Bereich, zum anderen aber auch im Abverkauf anderer Produkte von Craft wie Unterwäsche, Fahrradtrikots und Laufbekleidung.
SAZsport: Wie realistisch sehen Sie die Chance, zur kommenden oder übernächsten Bundesligasaison einen Verein aus der Ersten Bundesliga ausstatten zu können?
Bachmann: Ich freue mich unheimlich über die Zusammenarbeit mit Dresden und Darmstadt – die ist einfach sehr nett, gut und partnerschaftlich. Es wäre natürlich schön, wenn einer der beiden Vereine einmal aufsteigen würde (lacht). In dieser Saison wird das wahrscheinlich nicht passieren. Abgesehen davon haben wir alle Ausrüsterverträge im Blick, die in den kommenden Jahren auslaufen. Natürlich wollen wir einen Erstligisten unter Vertrag nehmen. Man kann nicht sagen, in Zukunft die Nr. 4 werden zu wollen, und dann keinen Erstligisten unter Vertrag nehmen. Aber wichtig ist, dass wir das nicht um jeden Preis machen – der Verein muss zu uns und wir müssen zu ihm passen.
SAZsport: Welche Rolle spielen in den zukünftigen Planungen der Marke die deutschen Testimonials Lars und Sven Bender von Bayer Leverkusen?
Bachmann: Beide haben uns in der Anfangsphase extrem unterstützt mit Ideen und Marketingaktivitäten. Für das Jahr 2019 haben wir aber verabredet, unsere Partnerschaft erst einmal auf Eis zu legen. Natürlich ist es unser Ziel, ein neues Testimonial im Fußball zu gewinnen. Ich glaube aber auch, dass die Kommunikation mit einem Gesamtverein derzeit für uns wichtiger ist, weil man einfach mehr gemeinsame Aktivitäten machen kann. Bei den Benders ist es so, dass die bei Bayer Leverkusen unter Vertrag stehen und bei allen öffentlichen Auftritten die Marke des Vereins tragen müssen (Anm. d. Red.: von Ausrüster Jako).

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