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Positionspapier 12.01.2021, 21:40 Uhr

BSI fordert mehr Augenmaß von der Politik

Der Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie (BSI) hat in einem Positionspapier „auch in Pandemiezeiten mehr Augenmaß bei staatlichen Eingriffen in Sport & Bewegung“ gefordert.
Trotz vielfach bestehender, vernünftiger Hygienekonzepte, die eine – wenn auch deutlich eingeschränkte – sichere Ausübung des Sports aus Sicht des BSI möglich gemacht hätten, wurde vielen Sportarten mit dem radikalen Lockdown die rote Karte gezeigt. Dies haben die Hersteller von Sportgeräten, Schwimm- und Skiausrüstung in Form erheblicher Umsatzeinbußen zu spüren bekommen. Eine Entwicklung, die sich 2021 nicht wiederholen sollte, so der BSI.



Wie groß der Drang nach Bewegung auch als Ausgleich gerade in schwierigen Zeiten gewesen sei, das habe man im Frühjahr und Sommer des vergangenen Jahres sehen können, als es eine große Zahl von Menschen zum Sport an die frische Luft und in die Natur trieb. Laufen, Nordic Walking, Wandern, Fahrradfahren und Reiten sind nur einige Beispiele für Sportarten, die sich größter Beliebtheit erfreuten und von vielen Sporttreibenden für sich wieder- oder sogar neuentdeckt wurden. Sie alle bieten – wie beispielsweise im Winter auch Skitouren oder Langlauf – natürlich den Vorteil, dass sie auch individuell betrieben werden können und allein dadurch ein offensichtlich niedriges Infektionsrisiko bergen.  Die meisten Mannschaftssportarten, Schul- und Schwimmsport und aktuell der Wintersport aufgrund geschlossener Sportplätze, Turnhallen, Schwimmbäder sowie Pisten und Loipen blieben die meiste Zeit des Jahres über nur sehr limitiert oder gar nicht möglich.



Die Hersteller von Sportartikeln, wie auch der vom Sportbetrieb stark abhängige Sportfachhandel, seien laut BSI durch derartige Einschränkungen und das teilweise Verbot von Sporttreiben massiv betroffen, haben hohe Umsatzausfälle und bangen teilweise um ihre Existenz. Sollte Sport weiterhin eingeschränkt oder in weiten Teilen gar unmöglich bleiben, werden massive staatliche Hilfen notwendig sein, um diese eigentlich wirtschaftlich gesunden und erfolgreichen Unternehmen zu stützen und die vielen regionalen Arbeitsplätze zu sichern.



„Wir appellieren daher an die politischen Entscheidungsträger, bei der Einschränkung von Sport und Bewegung mit Augenmaß vorzugehen“, erklärt der BSI im Papier. „Ein komplettes Verbot von Schul- und Vereinssport beispielsweise wäre das Gegenteil dessen, da es weder notwendig noch verhältnismäßig ist. Bei allen notwendigen Einschränkungen sollte die Politik immer auch im Auge behalten, welche hohe Bedeutung Sport und Bewegung für die Menschen und die Gesellschaft insgesamt haben. Wo immer Sport mit vertretbar geringem Infektionsrisiko stattfinden kann, muss er auch möglich bleiben.“



Johannes Maier und Andreas Kübler, Vorsitzende der BSI-Fachgruppe Turn- und Sportgeräte, warnen: „In der aktuellen Situation zeichnen sich auch für die Hersteller und Dienstleister, die sich der Konzeption, dem Bau und der Sanierung aktivierender schulischer und außerschulischer Bewegungsräume verschrieben haben, empfindliche Einschnitte ab, die nicht ohne Weiteres kompensiert werden können. Bei anhaltender Krise und eingeschränkten organisierten Sport- und Bewegungsangeboten drohen trotz Kurzarbeit der Verlust von Arbeitsplätzen und die Insolvenz von mittelständischen Unternehmen.“



Laut Wolfgang Kraus, Vorsitzender der BSI-Fachgruppe Schwimmsport, habe es „die Politik versäumt, Hygienekonzepte, die im Sommer wenigstens die eingeschränkte Nutzung von Freibädern ermöglicht haben, weiterzuentwickeln und auf die Hallenbadsaison anzupassen. Vorschläge dafür gab es reichlich“.



Jan Lorch, Mitglied des Präsidiums und Vorsitzender der BSI-Fachgruppe Outdoor, verweist auf die positiven Effekte von Sport und Bewegung an der frischen Luft auf das Immunsystem und die Psyche. Neben Laufen, Nordic Walking, Fahrradfahren, Klettern oder Wandern wären beispielsweise im Winter auch Skilanglauf, Schneeschuhgehen, in Alpennähe Skitouren als Sportarten mit geringem Ansteckungsrisiko zu nennen. „Von der Politik sollte in den kommenden Monaten eine sichere, nach transparenten und möglichst deutschlandweit einheitlichen Regelungen erlaubte, sportliche Betätigung der Bevölkerung im Freien, in den Wäldern und Bergen noch viel stärker als bislang ermutigt und ermöglicht werden“, so Lorch.



Udo Stenzel, Vorsitzender der BSI-Fachgruppe Wintersport, betont, dass es „auf Skipisten und in Loipen ausreichend Platz für alle“ gebe. Der Aufenthalt in Kabinenbahnen sei deutlich kürzer und die Belüftung besser als in Einrichtungen des öffentlichen Nahverkehrs, und ohnehin seien viele Aufstiegsanlagen entweder Schlepplifte oder Sessellifte, in denen die Sportler komplett an der frischen Luft sitzen. „Nicht zuletzt ist die wirtschaftliche Bedeutung von Tagesausflügen für die deutschen Wintersportgebiete, die Seilbahnbetreiber, die Hersteller von Skiausrüstung, Sportfachhändler und Verleihstationen sehr hoch. Sie alle mussten bereits in diesem Jahr (kein Wintersport zu Karneval, Ostern und jetzt Weihnachten!) erhebliche Umsatzeinbußen hinnehmen, die viele ohne staatliche Unterstützung nicht verkraften werden.“

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