Run Happy Tour erlebt Relaunch 01.03.2019, 10:12 Uhr

Brooks hat einen Lauf und nimmt seine Händler mit

Nach einem Rekordjahr geht es für Brooks mit viel Rückenwind in die nächste Saison. Für Bastian Hübschen ist das kein Grund, sich auszuruhen. Er setzt sich weiterhin für den Handel ein – und der gibt es ihm zurück. 
Laufschuh-Spezialist Brooks erzielte 2018 einen weltweiten Umsatz von 644 Mio. USD (566,67 Mio. Euro): eine Steigerung von 26 Prozent zum Vorjahr. Die DACH-Region mit Firmensitz in Münster (im Bild unten) verzeichnete ein hohes zweistelliges Wachstum. 
SAZsport: Herr Hübschen, Brooks hat als einziger Hersteller seine Auszeichnung als bester Hersteller im SAZsport-Lieferantenranking verteidigen können. Warum seid ihr seit Jahren im Fachhandel und vor allem bei den Spezialisten so beliebt?
Bastian Hübschen stieß aus dem Skateboard-Großhandel im Jahr 2002 zu Brooks: Er hat über den Customer-Service, als Tech-Rep, Marketingmanager und Countrymanager im Vertrieb inzwischen eine Vielzahl an Stationen im Unternehmen zurückgelegt. Als Countrymanager war er in den letzten viereinhalb Jahren für den stärksten Markt in Europa tätig. Heute ist der 44-Jährige bei Brooks als Territorymanager für Central Europe verantwortlich. Das 1914 gegründete US-Unternehmen Brooks war ursprünglich breit aufgestellt und hatte neben Running-Schuhen auch Baseball-, Basketball- oder Schlittschuhe im Produktport­folio. Im Jahr 2002 entschied CEO Jim Weber, dass Brooks sich nur noch auf den High-Performance-Running-Bereich konzentriert. Seitdem wächst das in Seattle ansässige Unternehmen Jahr für Jahr im zweistelligen Prozentbereich. Mit der Übernahme durch ­Berkshire Hathaway Inc. von Investoren-Ikone Warren Buffett im Jahr 2006 zielt Brooks aber vor allem auf ein nachhaltiges Wachstum ab.
(Quelle: Brooks)
Bastian Hübschen
: Unsere Beliebtheit erlangen wir sicherlich zum einen daher, dass wir eine Spezialistenmarke sind, die sich ausschließlich auf Running fokussiert. Außerdem legen wir viel Wert darauf, besonders engen Kontakt zum Handel zu pflegen und ihn dadurch erfolgreicher zu machen. Somit profitieren beide Seiten. Damit wir einen besonders guten Händlerservice sicherstellen können, sind unser Vertriebsteam und der Customer-Service im Verhältnis zu Wettbewerbern besonders stark aufgestellt. Dadurch ­entstehen klare Vorteile: Der Handel hat direkte Ansprechpartner und in Kombi­­-na­tion mit der selektiven Distribution bleiben unsere Produkte begehrlich. Wir wollen nicht unbedingt der Erste im Markt sein, aber der Beste, und dabei sicherstellen, dass unsere Produkte einwandfrei funktionieren. Was Brooks auszeichnet, ist seine Glaubwürdigkeit, Authentizität und die kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Handel. Dadurch wächst Vertrauen zwischen beiden Seiten. Für den Preis als „Bester Hersteller“ ist es wichtig, sich immer wieder zu beweisen. Das ist uns bewusst, weshalb wir uns Jahr für Jahr weiter optimieren. Mit der Auszeichnung merken wir auch, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen. 

SAZsport: Was hat sich bei Brooks in den letzten Jahren getan?
Hübschen: Ich bin jetzt schon seit dem Jahr 2002 bei Brooks und habe festgestellt, dass sich seit 2006 mit dem neuen Besitzer Warren Buffett sehr viel verändert hat: Der Bekanntheitsgrad der Marke hat seitdem zunehmend an Relevanz ­gewonnen und Preise wie beispielsweise von der SAZsport nehmen eine größere Bedeutung ein. Im Jahr 2014 wurde das Headquarter EMEA von Münster nach Amsterdam verlegt und wir haben in Münster ein neues, nachhaltiges Gebäude für die Zentrale Central Europe errichtet. Weitere wichtige Veränderungen im gleichen Jahr lagen darin, dass wir die selektive Distribution eingeführt haben.

SAZsport: Wie entwickelt und positioniert sich Brooks jetzt im Markt?
Hübschen: Wir haben global, in Europa und auch in der DACH-Region ein extrem starkes Jahr 2018 hinter uns gelassen. Weltweit ist es sogar das stärkste Jahr unserer Geschichte. Im Bereich der Spezialisten haben wir uns einen Spitzenplatz erarbeitet. Im Vertrieb ist Europa in drei Bereiche aufgeteilt, die von jeweils einem Territorymanager geführt werden. Die Region North setzt sich aus Großbritannien, den Benelux-Ländern und den skandinavischen Ländern zusammen. Die Region Central wird von Münster aus betreut und umfasst neben der DACH-Region zum Beispiel die Länder Polen, Russland, Tschechien, Slowenien, Ungarn, Israel und Südafrika. Und die Südregion setzt sich aus Nationen wie Frankreich, Spanien, Italien und zum Beispiel Portugal zusammen.
Vom Firmensitz in Münster aus wird die Region Central Europe künftig betreut.
(Quelle: Brooks)

SAZsport: Welche Rolle spielen bei Brooks Events wie die Run Happy Tour, bei denen auch die Händler eingebunden sind?
Hübschen: Als ich im Marketing bei Brooks angefangen habe, haben Events eine sehr große Rolle gespielt. Seitdem haben soziale Medien enorm an Bedeutung gewonnen, weshalb wir uns im Eventbereich einzig auf die Run Happy Tour konzentrieren wollen. Das Besondere an der Run Happy Tour ist, dass wir dabei Kontakt zu Läufern bekommen, die sich nicht unbedingt als Läufer bezeichnen, obwohl sie vielleicht zwei oder dreimal in der Woche laufen gehen. Der traditionelle Standardläufer ist über 40 Jahre alt. Auf der anderen Seite gibt es aber immer jüngere Läufer. Für uns ist Laufen nicht Blut, Schweiß und Tränen, sondern einzig Run Happy und die Freude am Laufen. In diesem Jahr werden wir die Tour neu gestalten und noch eine Schippe drauflegen; man darf gespannt bleiben.
  
SAZsport: Warum setzt ihr noch auf den Fachhandel? Geht doch mittlerweile auch direkt im Online-Shop.
Hübschen: Wir glauben, dass für Kunden im High-Performance-Bereich eine gute Beratung für unsere Produkte zwingend notwendig ist, und diese gibt es nur im Handel und noch nicht online. Es ist na­türlich von Vorteil, Informationen zu den Produkten persönlich im Geschäft zu erhalten – von einem Händler, der meinen Laufstil direkt vor Ort analysiert. Zusätzlich haben wir einen Online-Shop, um die Sichtbarkeit unserer Produkte auch im Online-Bereich sicherzustellen. Wir nutzen zum Beispiel das Programm Locally, das dem Kunden zusätzliche Informationen verrät: etwa dass das Produkt, das er sich gerade angeschaut hat, etwa 2,5 Kilometer von der Haustür entfernt bei seinem lokalen Händler vorrätig ist.

SAZsport: Welche Produkttrends setzen sich gerade im Markt durch?
Hübschen: Produkttrends sind vor allem für den Kunden personalisierte Schuhe, die auf ihn zugeschnitten sind. Die Einteilung in einzelne Kategorien wird von Kunden immer seltener gewünscht. Darüber hinaus gibt es Veränderungen im Markt selbst: Der Running-Markt wird jünger und weiblicher. Das hat sich zum Beispiel auch bei der letzten Run Happy Tour gezeigt, wo der Anteil an Frauen erheblich höher war als noch vor vier Jahren.
Die Run Happy Tour von Brooks wird in diesem Jahr einen Relaunch erfahren.
(Quelle: Brooks<br />)

SAZsport: Wie sind die Erfahrungen mit der Fit-Station in den USA, und wie stehen die Chancen, dass sie irgendwann einmal nach Deutschland kommt?
Hübschen: In den USA laufen bereits seit Dezember letztes Jahr Testphasen für den Brooks „Genesys“. Dort werden nun Customer Insights erforscht und die biomechanischen Ergebnisse überprüft. Wenn sich dies bewährt, übernehmen wir es in Deutschland. 

SAZsport: Ist Nachhaltigkeit ein Thema im Running-Markt?
Hübschen: Wir wissen, dass Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung sehr wichtige Themen sind. Sie spielen bei Brooks eine große Rolle, weshalb wir uns schon seit Jahren damit auseinandersetzen.  Beispielsweise bevorzugen wir Bluesign-zertifizierte Materialien und arbeiten aus LEED-zertifizierten Hauptsitzen heraus.

SAZsport: Wo sehen Sie den wesentlichen nächsten Schritt, den Sie mittelfristig gesehen mit dem Handel und mit Ihrer Marke angehen wollen?
Hübschen: Der Markt in Europa ist noch nicht so transparent wie in den USA, wo Marken in Zeiten der Digitalisierung wesentlich effektiver agieren können. Wichtig ist es, dass wir den neuen Kunden verstehen, zum Beispiel mit ihm über Social Media eng kommunizieren und ihn in den Handel führen.

SAZsport: Wie viele der besten Laufhändler in Deutschland sind kampagnenfähig?
Hübschen: Es ist wichtig, dass wir als Marke nicht nur auf die Händler schauen, die uns eine große Plattform geben, uns als Marke präsentieren. Wir müssen auch kleinere Händler unterstützen, selbst wenn sie uns nicht den gleichen Raum geben wie ein großer Key-Account. Mit dem Wachstum unserer Marke sind Händler ­zusätzlich gewillt, uns zu platzieren, auch wenn es zunehmend schwieriger wird, weil viele Händler ihren eigenen Look-and-feel haben und eigene Erlebniswelten im Laden gestalten möchten.

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