Ninja stellt die Dreistreifenmarke der E-Sport-Szene vor 10.09.2019, 10:56 Uhr

Adidas macht Kunden per App zu Verkäufern und Großhändlern

Profi-Gamer Tyler Blevins, alias „Ninja“, hat einen Deal mit Adidas unterzeichnet. Die Herzogenauracher wollen langfristig ein Teil der E-Sports-Kultur werden. Außerdem machen sie jetzt ihre besten Kunden per App zu Verkäufern.
Die besten Kunden sind auch starke Influencer, und auf Empfehlung von Freunden, ist die Conversion gesichert: So zündet Adidas die nächste Phase des Einzelhandels, indem der Hersteller Influencer in Sneaker-Verkäufer verwandelt. In der neuen Partnerschaft mit der App Storr ist es möglich, dass alle Kunden, die Sneaker der Marke kaufen, diese auch verkaufen sollen.
Im vergangenen Jahr startete Adidas ein Mitgliederprogramm namens Creators Club, das einigen der motiviertesten Verbraucher einen frühen Zugang zu Produkten, exklusiven Releases von Sneaker-Modellen vor dem eigentlichen Verkaufsstart und besonderen Events ermöglichte. Jetzt bringt der Sportartikelriese diese Beziehung auf die nächste Stufe, so dass die Mitglieder Adidas-Produkte selbst verkaufen können. So wird der soziale Einfluss zum sozialen Verkauf – Social Commerce.
In der App Storr können die User direkt über verschiedene Social-Media-Plattformen wie Instagram und Facebook Ware verkaufen.
Quelle: Storr
In der Social-Commerce-App namens Storr können User mit nur drei Klicks einen Laden von ihrem Handy aus eröffnen und diesen mit kuratierten Produkten zu befüllen. Damit können die Nutzer dann direkt über Instagram, Facebook und Twitter verkaufen. Außerdem gibt es einen Web-Shop und die Storr-App, die ebenfalls als Verkaufskanal genutzt werden kann, inklusive der Bezahlmöglichkeit über Apple Pay und Google Pay. Creators-Club-Mitglieder, die soziale Verkäufer werden, erhalten eine Provision von 6 Prozent für jeden Verkauf oder haben die Möglichkeit, an Girls on the Run zu spenden, eine Adidas-Partnerorganisation, die jungen Frauen hilft, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Das Unternehmen wird zunächst rund 10.000 Creators-Club-Mitglieder zur Teilnahme einladen. Um die Abwicklung des Verkaufs, also Kommissionierung und Versand, kümmert sich Adidas. Zum Start werden Adidas Originals und Produkte aus dem Outdoor-Bereich für Frauen angeboten.
„Wenn Sie darüber nachdenken, wohin unsere Konsumenten gehen, um Ratschläge oder Ideen zu erhalten, dann sind es ihre Freunde, es sind Sneaker-Heads, es sind Menschen in ihrem sozialen Umfeld, also warum lassen Sie diese Menschen nicht in unserem Namen verkaufen", erklärt Chris Murphy, Adidas Senior Director of Digital Activation. „Wir machen interessante Dinge über Instagram oder über unser Affiliate-Marketing, wo wir Sneaker-Heads, Influencer und sogar unsere Athleten einsetzen, um unsere Produkte zu verkaufen, weil sie einflussreich sind und die Verbraucher Zeit mit ihnen verbringen. Die nächste Entwicklung ist die Demokratisierung des sozialen Verkaufs, die es unseren Verbrauchern ermöglicht, in unserem Namen als Groß- oder Einzelhändler aufzutreten."
Adidas hält eine Dependance in Paris auf dem weltgrößten Start-Up-Campus Station F. Im Januar wurden 1 Million Euro in ein Programm zur Förderung von 13 Startups investiert.
Quelle: Adidas
Anfang des Jahres war Storr Teil der Platform A von Adidas auf dem Pariser Start-up-Campus Station F.  1.000 Start-ups sind dort mitten in der Stadt vertreten. Laut Murphy könne die App die größten Fans der Marke zu Verkäufern machen. Anstatt sich darauf zu verlassen, dass die Menschen den richtigen Ort für den Kauf von Adidas-Produkten finden, nachdem sie etwas gesehen haben, das ihnen im Feed von jemandem gefällt, könnte dies einige Hindernisse beseitigen, indem sie es sofort kaufen können.  „Es ermöglicht dem Verbraucher mehr Kontrolle", so Murphy. „Es gibt keine lineare Einkaufstour mehr. Sie existiert zwar weiter, aber es gibt Millionen von potenziellen weiteren Möglichkeiten. Wenn wir wirklich verbraucherbesessen sein und den Dingen gerecht werden wollen, wie wir sagen, dann müssen wir die Räume finden, in denen sich die Verbraucher bereits befinden, und mit ihnen auf innovative Weise zusammenarbeiten, um unsere Marke auf eine nahtlosere Art und Weise kennen zu lernen und zu kaufen.“

Teil der E-Sports-Kultur

Der bekannteste Streamer der Welt, Tyler Blevins, in der Gaming-Szene nur „Ninja“ genannt, wird künftig offiziell für die drei Streifen werben. Der Mann mit der wilden Frisur hat vor allem dank seiner Übertragungen seiner Fortnite-Spiele eine Reichweite in den Social Media, die größer ist als die der Superstars Ronaldo und LeBron James zusammen. Es handelt sich um den ersten Pro-Gamer-Deal von Adidas mit einem Einzelspieler, bis dato wurden verschiedene E-Sports-Teams gesponsert. Adidas ist schon länger im Bereich E-Sports aktiv, unter anderem ist die Marke bereits Sponsor des Fifa E-World Cup und Kooperationspartner von EA Sports und 2K Games.
Adidas wolle mit dem Deal sein Engagement für die Gaming-Kultur zeigen und „Kreative unterstützen, die sich für Spitzenleistungen in ihrem Bereich einsetzen". Auch in Zukunft wolle man neue Wege finden, um die 2,3 Milliarden Gamer auf der ganzen Welt zu unterstützen. Die Zusammenarbeit mit Ninja werde Adidas helfen, sich glaubwürdig im Bereich Gaming weiterzuentwickeln. Das könne beispielsweise durch Produkte in der physischen oder virtuellen Welt geschehen. „Wir wollen von und mit den ‚Gamern“ lernen und langfristig Teil dieser Kultur bleiben“, heißt es aus Herzogenaurach. Das breite und stetig wachsende Gaming- und E-Sports-Business sei ein zunehmend wichtiger Bestandteil der kommunikativen Maßnahmen.
Ninja, der bekannteste Gamer der Welt, trägt jetzt Adidas.
Quelle: Adidas
Für Ninja kommt diese Ankündigung nur wenige Wochen, nachdem er die Nutzung von Amazons-Streaming-Dienst Twitch eingestellt hat und nun für Hunderte von Millionen Euro zum Pendant Mixer von Microsoft gewechselt ist – ein Schritt, der die Gaming-Community schockte. Der Influencer hat inzwischen seine eigene Spielzeuglinie und erhält obendrein Millionen für Streaming-Spiele wie Apex Legends. Ninja war schon vor Bekanntwerden des Deals bei verschiedenen Veranstaltungen in Adidas-Outfits gesehen worden.

Nach einer Umfrage von Extreme Networks und E-Campus-News ist E-Sports auch im Bildungssektor am boomen. Über 70 Prozent der Schulen und Universitäten erwägen die Einführung eines E-Sports-Lehrplans, um die Rekrutierung von Schülern zu unterstützen und die Schüler besser auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. In der Studie wurden 281 technische und administrative Führungskräfte in Hochschulen in Nordamerika, Lateinamerika, im asiatisch-pazifischen Raum, in Europa und im Nahen Osten befragt. Ergebnis: Eine von fünf Schulen führt bereits ein E-Sport-Programm, 71 Prozent erwägen in Zukunft ein E-Sport-Programms einzuführen. 

... weitere interessante SAZsport Themen